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Die CEOs der Modekonzerne setzen nachhaltige Ziele, doch die Kluft zwischen Worten und Taten bleibt

Von Weixin Zha

18. Mai 2021

Business

Bild: Screenshot Fashion CEO Agenda 2021

Die Geschäftsführer von Modeunternehmen wie Nike, H&M und Kering haben sich mit der diesjährigen Fashion CEO Agenda Prioritäten für eine nachhaltige Industrie gesetzt. Aber ihre Zulieferer aus Produktionsländern wie Bangladesch drängen weiterhin darauf, die Kluft zwischen Worten und Taten zu schließen.

Die Agenda 2021 umfasst fünf Bereiche sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, auf die sich die Entscheidungsträger der Branche konzentrieren müssen: respektvolle und sichere Arbeitsumgebungen, bessere Lohnsysteme, Kreislaufsysteme, effiziente Ressourcennutzung und der Gebrauch “smarter” Materialien.

Nach drei vorangegangenen Editionen sollen die Ziele der in der vergangenen Woche vorgestellten Fashion-CEO-Agenda langfristig relevant bleiben. Denn künftige Berichte werden den Fortschritt der Modebranche an den in diesem Jahr festgelegten Richtlinien messen.

„Es geht darum, eine gemeinsame Richtung für alle Stakeholder der Branche zu definieren, um wirklich einen systemischen Wandel voranzutreiben”, sagte Helena Helmersson, Geschäftsführerin des schwedischen Modekonzerns H&M Group, während eines Online-Panels am vergangenen Mittwoch.

Mode-CEOs setzen ihre Agenda im Vorfeld von EU-Gesetzesinitiativen

Mit nachhaltigen Kollektionen und Zielen zur Reduzierung des Kohlenstoffausstoßes hat die Modeindustrie im vergangenen Jahr ihre Bemühungen beschleunigt, um die steigende Verbrauchernachfrage nach umweltfreundlicher Kleidung zu erfüllen. Zudem will die Europäische Union im laufenden Jahr verschiedene Initiativen einführen, die Textilunternehmen zu nachhaltigem Handeln verpflichten sollen. Zu den zukünftigen Initiativen gehören Bestrebungen wie die EU-Textilstrategie, und Gesetzesinitiativen für nachhaltige Produkte und Corporate Governance.

Bild: Richtlinien der Fashion CEO Agenda 2021

Diese Richtlinien helfen Zulieferern, die sich fragen, wo sie bei ihren Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit ansetzen sollen, so Roger Lee. Der CEO eines der größten Bekleidungshersteller der Welt, Tal Apparel Ltd., forderte ebenfalls einheitliche Nachhaltigkeitsstandards in der Modeindustrie. Die Einhaltung der zunehmend vielfältigen Maßstäbe könne für die Zulieferer kompliziert und verwirrend werden, sagte Lee. Er sieht das größte Potenzial für einen einheitlichen Standard im Higgs-Index, den der Branchenverband Sustainable Apparel Coalition eingeführt hat.

„Niemand hier allein hat die Fähigkeiten oder die herausragende Position, um diese Art von bedeutsamen Veränderungen herbeizuführen, aber ich glaube auch, dass wir, wenn wir die verschiedenen Fähigkeiten, die wir haben, zusammenbringen, wirklich eine starke Dynamik erzeugen können”, sagte David Schneider, Co-CEO beim Berliner Online-Modehändler Zalando.

Trotz des Aufrufs zu mehr Zusammenarbeit herrscht bei den Textilproduzenten nach wie vor das Gefühl, dass die Lücke zwischen Worten und Taten geschlossen werden muss um ihre Investitionen in nachhaltige Produktionsmethoden zu kompensieren.

„80 Prozent der Marken lassen ihren Worten immer noch keine Taten folgen”, sagte Roger Lee. „Niemand hat bisher gesagt: Für das, was ihr tut, zahle ich euch 10 Cent mehr. Aber die Leute reden darüber, also bin ich sehr hoffnungsvoll für die Zukunft.”

Noch viel zu tun

Seine Bemerkungen wurden von Miran Ali, dem Geschäftsführer von Tarasima Apparels Ltd. in Dhaka, bekräftigt. Ali, der auch Vizepräsident der Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association ist, wies darauf hin, dass viele Zulieferer während der Pandemie auf sich allein gestellt seien.

„Die Covid-Krise hat uns gezeigt, dass es eine massive Lücke in der Zusammenarbeit und Kooperation zwischen Einzelhändlern und ihren Zulieferern gibt. Und diese Diskrepanz muss durchbrochen werden”, sagte Ali in einem Videostream während der Online-Veranstaltung. Sein Unternehmen beschäftigt mehr als 50.000 Mitarbeiter und beliefert unter anderem die H&M-Gruppe.

Seit Beginn der Pandemie hat sich die Situation in den Produktionsländern der Textilindustrie verschlimmert. Arbeiterinnen in der Bekleidungsindustrie wurden entlassen und manche Regierungen haben dazu noch die Mindestlöhne in ihren Ländern gesenkt. Ein Bericht des Branchenforums Global Fashion Agenda und der Unternehmensberatung McKinsey schätzte im vergangenen Jahr, dass nur bis zu 30 Prozent der Modeunternehmen ihre Zulieferer unterstützen, indem sie Zahlungen für Rohmaterialien und Stoffe leisten sowie Bestellungen im Voraus bezahlen.

Es bleibt also noch viel zu tun für die Führungskräfte in der Modebranche. Sie müssen nicht nur bestehende Verpflichtungen in der Lieferkette erfüllen, sondern auch Investitionen in Technologien vorantreiben, die eine nachhaltigere Zukunft ermöglichen.

„Dem CEO und dem Top-Management kommt dabei eine entscheidende Rolle zu”, sagte Achim Berg, Senior Partner beim Beratungsunternehmen McKinsey. Die Führungskräfte müssen den Wandel anführen, ihn in die Strategien und die Erfolgskennzahlen der Unternehmen integrieren. „Eine Nachhaltigkeitsabteilung allein wird die Aufgabe nicht erfüllen.”