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DTB Jahrestagung: Was Modeunternehmen von anderen lernen können

Von Simone Preuss

22. Nov. 2021

Business

Bild: Unsplash

Der DTB e.V. (Dialog Textil-Bekleidung) lud am Donnerstag, dem 18. November 2021 zum Thema “Plan B – Wie neue Geschäftsmodelle die Fashionbranche inspirieren können” zu seiner Jahrestagung ein. FashionUnited war dabei und hielt Punkte fest, die für Modeunternehmen gerade im Punkto Nachhaltigkeit nützlich sein können.

In seinem Vortrag „Nachhaltigkeit in der Fashion Supply Chain - Alternative Produkte und Prozesse“ verwies Jan Hilger, Vorstandsmitglied der Trading Company Guangzhou Canchi Trading Co Ltd und des DTB, auf die Tatsache, dass drei Elemente für eine nachhaltige Strategie nötig seien, nämlich Menschen, Prozesse und Produkte. „Nachhaltigkeit ist nicht eindimensional, es geht nicht nur um Ökomaterialien, sondern auch um ein Umdenken im Kopf. Mitarbeitende, Prozesse und Produkte sind wichtig“, so Hilger.

„Nachhaltigkeit ist nicht eindimensional“

Er verwies auch darauf, dass Kleidung inzwischen günstiger sei als ein Kaffeebecher und die Branche mit Dumpingpreisen operiere. „Wir nähen uns die Welt kaputt“, mahnte Hilger und erinnerte an eine Zeit, als Kleidung noch geschätzt und gepflegt wurde. Er nannte Ellbogenschoner für Pullover als Beispiel, aber auch Hemden, die eigentlich nachhaltig waren, denn sie kamen als Bausätze mit auswechselbaren, stark beanspruchten Teilen wie Kragen und Manschetten, während das eigentliche Hemd lange benutzt werden konnte.

„Früher hatte jeder Haushalt eine Nähmaschine. Dieses Wegwerf-Mindset muss sich ändern“, sagte Hilger und zitierte Vivienne Westwoods Motto „Kaufe weniger, wähle gut, mach es haltbar“, das zum Aufbau einer robusten, langjährigen Grundausstattung anregt.

Bild: Pixabay via Pexels

Menschen, Prozesse, Produkte und Digitalisierung

Für ihn sind auch Fehlkalkulationen schuld und daher Präzision im Prozess gefragt. „Das ist wichtiger als die Umstellung auf irgendein Ökoprodukt“, so Hilger. Er verweist auch auf die Vorteile der Digitalisierung wie die digitale Produktentwicklung, die leider immer noch auf unflexible Denkweisen stösst. Ebenso sei Transparenz in der Herstellung unverzichtbar, da sie ökonomische und Geschwindigkeitsvorteile bedeute und so den Carbon-Footprint reduziere, fasste Hilger zusammen.

Die nächsten beiden Stunden waren Start-ups gewidmet, die jedes für sich innovative Lösungen für die textile Kette vorstellten. David Löwe, Co-Founder und CEO von Everdrop etwa zeigte, „Warum ausgerechnet Deine Lieblings-Pieces die Umwelt zerstören“. Er veranschaulichte, welche chemische Belastung selbst Lieblungskleidungsstücke haben, die ja in Zeiten von Fast Fashion eigentlich ein Gegenpol sein sollten.

„Waschmittel schleust die meiste Chemie ins Abwasser“

Aber: „Unnötige Chemie gerät ins Abwasser“, warnt Löwe, wenn ein Kleidungsstück oft gewaschen wird. „Waschmittel schleust im Haushalt die meiste Chemie ins Abwasser“, so Löwe. Schuld daran sind Tenside oder waschaktive Substanzen, die hartes Wasser weicher und damit besser zum Waschen machen sollten. Das Problem ist jedoch, dass Waschmittel nach einer Standardanleitung entwickelt werden, die die tatsächliche Wasserbeschaffenheit nicht beachten. Daher sind 70 bis 80 Prozent der Wasserenthärter unnötig.

Löwes Start-up Everdrop hat daher ein Wasserhärtekonzept entwickelt, dass Kund:innen Waschpulver abhängig von ihrer Postleitzahl und damit dem angemessenen Anteil von Wasserenthärter zuteilt. Gebleicht wird zudem mit Sauerstoff-Bleich-Aktivator. An der Verpackung, die eine riesige Herausforderung darstellt, da Plastik der billigste Rohstoff ist, wird noch gearbeitet. Aber bald darf man auf ein Papier mit Beschichtung aus Ernteabfällen gespannt sein, das Everdrop für seine Produkte testen will.

Bild: Nacho via Pexels

Was kann man sonst tun, um den Waschvorgang weniger belastend zu machen? Löwe empfiehlt Pulverwaschmittel, da Flüssigwaschmittel aus mehr Wasser bestehen und zudem in Einwegplastik verpackt werden. Außerdem sparen niedrige Waschtemperaturen Energie (30 Grad reicht) und man sollte auf jeden Fall den Wäschetrockner vermeiden. „So kann jeder Haushalt pro Jahr eine halbe Tonne CO2 sparen“, weiß Löwe. Auch: die Waschmaschine immer voll machen und sich für eine niedrigere Drehzahl und Schleudergänge entscheiden. “Verzichten Sie auch wenn möglich auf synthetische Fasern, da sie Mikroplastik freisetzen“, rät Löwe. „Sonst haben wir bis 2050 mehr Plastik im Meer als Fische“, zitiert er eine traurige Statistik.

Die Marke als Freundin der Kundschaft

In der Präsentation von Benjamin Sadler, Co-Founder und CEO des 2016 gegründeten D2C-Unternehmens Erlich Textil, ging es um die Fragen, „Wie werde ich als Marke zum Freund:in der Kund:in: Vorteile und Risiken“ und „Wie sticht man als Marke aus der Masse heraus?“. „Auf jeden Fall authentisch und menschlich handeln“, rät Sadler und stellte sechs Kernpunkte beim Auftritt in den sozialen Medien heraus.

Zum einen, Vielfalt und Abwechslung bei Bildern, Themen und Inhalten. „Man erreicht Leute am besten, wenn man sie zu Fans der Marke macht“, so Sadler. Und dies erreicht man, indem man die Community miteinbezieht. Erlich Textil schaffte dies zum Beispiel, indem die Marke Kund:innen zu Models machte. Wichtig ist dann auch, Feedback einzuholen und die Kundschaft mitentscheiden lassen, zum Beispiel bei Farben. „Man muss dann aber auch entsprechend der Kund:innenwünsche umsetzen“, weiß Sadler.

Schließlich sollte man die Community motivieren und zum Mitmachen animieren, etwa bei Kampagnen. Es ist aber auch wichtig, diese nicht nur über Produkte zu informieren, sondern auch über relevante Themen wie Gesundheit, Vorsorgeuntersuchungen und anderes. Zum Schluß teilte Sadler zum Thema Menschlichkeit: „Zeigt euch und euer Unternehmen, auch wenn mal was falsch läuft.“ Hier helfen Fotos der Mitarbeitenden, aber auch Geschichten aus dem Unternehmensalltag.

Studien, Sonnenbrillen und krummes Gemüse

Prof. Dr. Anett Matthäi von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hof stellte anschließend den seit zwei Jahren bestehenden Masterstudiengang „Sustainable Textiles“ vor, der die beiden Bachelorstudiengänge „Textildesign“ und „Innovative Textilien“ ergänzt. Natalie Wunder, erste Absolventin des Masterstudiengangs, stellte ihre Masterarbeit, die Entwicklung einer nachhaltigen Menstruationsunterhose, vor, die sie als Praxissemester in einer Firma absolviert. „Eine Masterarbeit ist die ideale Basis für die Produktentwicklung“, betonte Matthäi.

Den Abschluß der Start-up-Präsentationen bildeten Joscha Herold, Co-Founder und CEO von Beyond Shades, der über den Aufbau einer sozialen D2C Sonnenbrillenmarke berichtete und Tabea Ecker, Purchasing Managerin des Bio-Onlineshops Etepetete, die sich dem Thema Vermeidung von Lebensmittelabfall widmete.