Frauen in der Chefetage: Silvia Azzali, Chief Commercial Officer, Wolford AG

Silvia Azzali hat eine Karriere in der Modebranche hingelegt, von der viele nur träumen: Nach Positionen bei Gucci und Dolce & Gabbana, La Perla, Trussardi, Ermanno Scervino und zuletzt Moschino, ist sie nun Teil der Doppelspitze im Vorstand der Wolford AG. Und nicht nur viele Unternehmen, auch zahlreiche Bereiche hat die Managerin kennengelernt: Nach einem Grundstudium der Philosophie und einem Master in Personalmanagement stieg sie im Personalbereich in die Arbeitswelt ein, später wechselte sie in den Bereich Retail und Franchising. Seit November 2019 ist sie, zusammen mit Andrew Thorndike, Mitglied des Vorstandes bei Wolford und dort für die Bereiche Sales & Merchandising, Marketing und Design zuständig. FashionUnited sprach im Rahmen der „Serie Frauen in Führungspositionen“ mit Silvia Azzali über ihre Karriere, ihren Rat an Berufsanfängerinnen und den Führungsstil von Frauen.

Bitte beschreiben Sie Ihren Werdegang mit Ihren eigenen Worten.

Ich glaube, ich könnte meine Karriere als erfolgreich bezeichnen. Ich habe mehr erreicht, als ich je für möglich gehalten hätte, und ich glaube, das ist geschehen, weil ich immer sehr leidenschaftlich bei dem war, was ich tat. Ich halte mich selbst für nicht sehr konventionell. Im Leben, wie auch in meinem Beruf, suche ich nicht nach Anerkennung oder einem besseren Titel, ich liebe einfach die Herausforderungen beim Aufbau langlebiger Marken und Unternehmen, auch wenn es bedeutet, schmerzhafte Transformationsprozesse und Veränderungen zu durchlaufen. Die Leidenschaft für meinen Beruf, die Produkte, die Konsumenten, ist mir sehr wichtig. Ich denke, dass ich durch meine Authentizität und Echtheit die Möglichkeit hatte, verschiedene Geschäftsgebiete zu erkunden, was mich beruflich und auch als Person bereichert hat.

Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Arbeitsleben aus?

In letzter Zeit ist mein typischer Tag voll von Videoanrufen. Virtuelle Besprechungen mit allen Teams: Vertrieb, Marketing, Merchandising, HR, Produktentwicklung, Kunden, Vertriebspartner, alles Mögliche. Am Anfang war es schwierig, so viel Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen, aber jetzt habe ich mich daran gewöhnt.

Welchen fachlichen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Ich in den 20er Jahren und/oder derzeitigen Absolventen geben?

Was ich immer schon sage: Finde deine Leidenschaft!

Welche Ihrer Eigenschaften waren Ihrer Meinung nach besonders förderlich für Ihre Karriere und Ihre jetzige Position?

Ich denke, ich bin ein guter Zuhörer und ein sehr neugieriger Mensch, ich liebe es, Neues zu lernen und mich ständig auf dem Laufenden zu halten. Wir sind heutzutage alle wie iPhones, die alle zwei Monate ein Update benötigen.

Glauben Sie, dass Frauen einen anderen Führungsstil haben als Männer? Wie unterscheiden sich diese?

Ich bin mir nicht sicher, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt, wenn es um das Management geht. Ich glaube, es gibt noch keine definitiven Studien darüber, vielleicht in einigen Jahren. Nach meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Frauen im Allgemeinen den Menschen mehr Aufmerksamkeit schenken als Männer und einfühlsamer sind.

Sehen Sie sich selbst als Mentorin für andere Frauen? Wie ermutigen Sie sie?

Sicherlich tue ich mein Bestes. Sie sollten die Frauen, mit denen ich gearbeitet habe und noch arbeite, fragen, ob ich Erfolg dabei habe. Ich glaube, dass das Empowerment der Frauen von den Frauen selbst ausgeht, und ich versuche, mein Bestes zu tun, um Möglichkeiten dafür zu schaffen. Ich glaube, dass Empowerment für jeden, egal ob Mann oder Frau, dadurch entsteht, dass man den Menschen erlaubt, Fehler zu machen, und ihnen Unterstützung sowie ein offenes Ohr anbietet. Lassen Sie sie auf eigenen Füßen stehen, aber seien Sie immer an ihrer Seite, um ihnen zuzujubeln.

Frauen in der Chefetage: Silvia Azzali, Chief Commercial Officer, Wolford AG

Fördert Wolford speziell Frauen? Wie sieht das aus?

Das Empowerment von Frauen war schon immer Teil unserer DNA, da 99,9 Prozent unserer Produkte für Frauen bestimmt sind. Wir entwickeln ständig Produkte, die es Frauen ermöglichen, sich wohlzufühlen und ihnen die richtigen Basics oder Accessoires zu geben, die sie glänzen lassen.

Unsere Mission ist es, die feinsten Strumpfwaren der Welt anzubieten. Mit unserem Erbe und unserem Designethos, führend in Qualität und Innovation, ermutigen wir unsere Verbraucherinnen rund um den Globus, sich auszudrücken und selbstbewusst zu sein.

Welche Veränderungen hat das Jahr 2020 für Ihre Arbeit mit sich gebracht?

Die globale Pandemie hat das Unternehmen wie die gesamte Branche sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, sie hat uns auch gezeigt, dass wir uns ändern müssen. Wir glauben fest an das, was Clarence Darrow einmal gesagt hat: „Es ist nicht der Stärkste der Spezies, der überlebt, auch nicht der Intelligenteste, sondern derjenige, der am anpassungsfähigsten auf Veränderungen reagiert", und das ist die Richtung, die wir einschlagen, durch eine flexiblere und agilere Struktur. So haben wir beispielsweise einen Teil unserer Produktion geändert, um Masken herzustellen. Oder, indem wir in Nachhaltigkeit investieren, indem wir ändern, wie wir produzieren und konsumieren, und indem wir unsere Digitalisierung wirklich vorantreiben.

Die Botschaft? Seien Sie selbst die Veränderung, die Sie in der Welt sehen möchten. Diese Botschaft ist für uns intern sehr wichtig, und wir möchten, dass unsere Kunden mit an Bord sind und sich uns auf diesem Weg anschließen.

Wolford hat kürzlich seinen 70. Geburtstag gefeiert. In den vergangenen 70 Jahren haben Frauen große Fortschritte gemacht. Welcher dieser Meilensteine macht Sie stolz und was wünschen Sie sich noch für Frauen?

Ich bin stolz darauf, dass Frauen heute selbst entscheiden können, wer sie sein wollen. Wir haben in den meisten Teilen der Welt viel erreicht, aber noch nicht überall. Für die Zukunft hoffe ich, dass das, was heute schon erreicht wurde, für jede Frau auf diesem Planeten zur Normalität wird. Ich glaube, dass die Möglichkeit, zu entscheiden, wer man sein und was man tun will, für alle möglich und erreichbar sein sollte.

Frauen in der Chefetage: Silvia Azzali, Chief Commercial Officer, Wolford AG

Über Wolford:

Das 1950 im österreichischen Bregenz gegründete Unternehmen Wolford entwickelt, produziert und vertreibt luxuriöse Leg- und Bodywear. Mit 269 eigenen Verkaufspunkten und über 3 000 Handelspartnern ist die Marke weltweit in 46 Ländern vertreten. Insgesamt beschäftigt die Wolford Gruppe 1.243 Mitarbeiter, davon 505 Mitarbeiter im Hauptsitz in Bregenz. Mit der Kernproduktgruppe ‘Legwear’, an der alle anderen Produktgruppen ausgerichtet sind, erzielt Wolford etwa 51 Prozent des Umsatzes.

Am 22. Mai 2019 wurden die Anteile der Fosun Industrial Holdings Limited an die Tochtergesellschaft Fosun Fashion Group Wisdom (Luxembourg) S.à r.l. übergeben, womit die Fosun Fashion Group Wisdom etwa 58 Prozent und somit einen Mehrheitsanteil an Wolford Aktien hält. Der europäische Markt stellt mit einem Anteil von rund 75 Prozent die wichtigste Absatzregion der Wolford Gruppe dar. Hier tragen insbesondere Deutschland (16 Prozent), Österreich (9 Prozent) und Frankreich (9 Prozent) einen Großteil des Umsatzes bei. Wichtigster Einzelmarkt ist Nordamerika mit einem Umsatzanteil von 20 Prozent. Durch den Einstieg des neuen Hauptaktionärs Fosun wird der Zugang zum asiatischen Markt erleichtert.

In den kommenden Monaten lesen Sie hier Interviews mit Frauen auf Führungsebene großer (deutscher) Modeunternehmen. Bisher sprachen wir mit Isabel May, Chief Customer Experience Officer & Managing Director bei Mytheresa.

Bilder: Wolford AG

 

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