Gardeur beantragt Insolvenzverfahren

Der Mönchengladbacher Hosenspezialist Gardeur hat am Donnerstagvormittag beim Amtsgericht einen Antrag auf die Eröffnung von Insolvenzverfahren über das Vermögen von vier Gesellschaften der Gardeur-Gruppe beantragt - der Gardeur GmbH, der Gardeur Service GmbH, der Gardeur Beteiligungs GmbH sowie der CDS Club Du Sport Bekleidung GmbH. Zuvor hatte das Unternehmen versucht, Investoren zu finden, aber alle Verhandlungen mit potenziellen Investoren scheiterten.

„Um Gardeur dauerhaft wieder wettbewerbsfähig positionieren zu können, braucht es eine leistungs- und finanzwirtschaftliche Sanierung durch ein gesteuertes Insolvenzplanverfahren”, erklärte Gerhard Kränzle, Geschäftsführer der Gruppe. „Ziel des Sanierungsverfahrens ist, unseren bereits begonnenen Restrukturierungsprozess fortzuführen, um Gardeur weiter an die wandelnden Bedingungen des Bekleidungsmarktes anzupassen.”

Hosenspezialiest Gardeur ist insolvent

Während der Sanierungsphase soll der Geschäftsbetrieb der gesamten Gruppe wie gewohnt weitergehen. Die noch ausstehenden Löhne und Gehälter sollen bis einschließlich November 2017 über das Insolvenzgeld gedeckt und von einer Bank vorfinanziert sein; die Verhandlungen wurden bereits aufgenommen. „Gardeur hat eine Zukunft. Die Insolvenz wird helfen, das bestehende Cash-Problem zu überwinden und den Standort Mönchengladbach zu erhalten”, fügte Kränzle hinzu und verwies auf das Geschäftsjahr 2015/16, das Gardeur am 30. September 2016 wie in den drei Vorjahren mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen habe.

Als Kränzle Ende 2010 mit 51 Prozent einen Mehrheitsanteil an Gardeur erwarb, litt das Unternehmen bereits seit einiger Zeit an Absatzproblemen, die vom Arabischen Frühling im Folgejahr weiter erschwert wurde, da die Produktionsbetriebe des Unternehmens in Tunesien betroffen waren. 2012 wurde zwar ein Sanierungsplan mit Neufinanzierung und einem neuen Investorenprozess gestartet, doch der Investor stieg aus. Eine Neustrukturierung, verstärkte Marketingbemühungen und die Expansion in die USA folgten, zudem stieg ein Beteiligungsfonds der NRW-Bank und das Unternehmen schien sich im Aufschwung zu befinden, doch bereitet der Produktionsstandort Tunesien weiterhin Probleme.

Das Amtsgericht Mönchengladbach ist den Insolvenzanträgen der betroffenen Gesellschaften gefolgt und hat Biner Bähr aus der Düsseldorfer Kanzlei White & Case zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Dieser eruiert derzeit die aktuelle Situation der Gruppe und verschafft sich einen Überblick über die finanzielle Lage.

Das Unternehmen wurde 1920 von Dieter Janssen in Mönchengladbach gegründet und spezialisierte sich ab 1959 auf Herrenhosen. Weitere Betriebe wurden in den 1960er Jahren in Deutschland aufgebaut und die Marke „Gardeur“ 1969 ins Leben gerufen. 1974 wurde der erste eigene Produktionsbetrieb in Tunesien gegründet. Seit 1980 bietet Gardeur auch Damenhosen an.

Im Jahr 2000 wurde Gardeur in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Mit einem neuen Produktions- und Verwaltungsgebäudes in Tunesien verstärkte das Unternehmen im Jahr 2004 seine Investitionen in den Standort, wo zudem auch ein Logistikzentrum entstand beziehungsweise 2006 eine eigene Wäscherei. 2008 wurde die Gardeur AG in eine GmbH umgewandelt. Seit Seit Februar 2012 vermarktet sich das Unternehmen als „Atelier Gardeur“.

Lesen Sie auch: Gardeur - von Innovation zu Insolvenz: die Entwicklungen der letzten zehn Jahre

Foto: Gardeur

 

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