Gegenwind in Großbritannien: Mulberry schreibt rote Zahlen

Der britische Lederwarenspezialist Mulberry plc ist im Geschäftsjahr 2018/19 in die Verlustzone gerutscht. Das geht aus vorläufigen Zahlen hervor, die das Unternehmen am Mittwoch vorlegte. Zudem musste Mulberry wegen der schwierigen Marktbedingungen in der britischen Heimat einen Umsatzrückgang hinnehmen. CEO Thierry Andretta zeigte sich trotzdem nicht unzufrieden: Die Resultate hätten „im Rahmen der Erwartungen“ gelegen, erklärte er in einer Mitteilung. Das Unternehmen habe außerdem „gute Fortschritte“ bei der Umsetzung seiner internationalen Strategie und der Stärkung des eigenen Einzelhandels gemacht.

Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr kam Mulberry auf einen Umsatz in Höhe von 166,3 Millionen Britischen Pfund (186,6 Millionen Euro). Damit sanken die Erlöse gegenüber dem Vorjahr trotz einer zusätzlichen Verkaufswoche um zwei Prozent. Ursächlich dafür war die sinkende Nachfrage in Großbritannien. Dort ging der Umsatz um sechs Prozent auf 114,6 Millionen Britische Pfund zurück. Das Unternehmen machte dafür die „generelle Schwäche“ im heimischen Einzelhandel, aber auch die Insolvenz der Warenhausgruppe House of Fraser im vergangenen August verantwortlich.

Umsatzzuwächse im Ausland können Probleme in der Heimat nicht kompensieren

Besser sah es im Ausland aus: Die Erlöse im internationalen Geschäft stiegen um sieben Prozent auf 48,1 Millionen Britische Pfund. Dazu trug die Gründung eigener Tochtergesellschaften in Japan und Südkorea bei, wo Mulberry zuvor mit Franchise-Partnern zusammengearbeitet hatte. Diese Maßnahmen waren Bestandteile der Strategie, die Geschäfte soweit wie möglich in Eigenregie zu übernehmen. Sie trugen dazu bei, dass Mulberry Ende März weltweit über 103 eigene Shops verfügte. Ein Jahr zuvor waren es lediglich 69 gewesen.

So verschob sich das Verhältnis der Vertriebskanäle deutlich: Während die Erlöse im Großhandelsgeschäft um 16 Prozent auf 37,7 Millionen Britische Pfund sanken, legte der eigene Einzelhandel um zwei Prozent auf 132,0 Millionen Britische Pfund zu. Zum höheren Retail-Umsatz trug neben neu eröffneten Boutiquen und der Übernahme bislang von Partnern geführten Shops auch ein klares Plus im Online-Geschäft bei, dessen weltweite Erlöse um 27 Prozent auf 36,9 Millionen Britische Pfund wuchsen. Der Ausbau der E-Commerce-Angebote steht auch weiterhin im Fokus des Unternehmens: Im April baute Mulberry seine Internet-Präsenz durch eine Partnerschaft mit der Online-Handelsplattform Farfetch aus.

Das Unternehmen setzt weiter auf die Stärkung des Digital- und Auslandsgeschäfts

Höhere Investitionen in die internationale Expansion und die Stärkung der digitalen Kapazitäten, Kosten im Rahmen der Übernahme von Geschäftsfeldern in Eigenregie und Belastungen infolge der House-of-Fraser-Insolvenz drückten das Ergebnis. Aufgrund der zahlreichen Einmalbelastungen, die sich nach Angaben des Unternehmens auf 6,0 Millionen Britische Pfund summierten, ergab sich ein Verlust vor Steuern in Höhe von 5,0 Millionen Britischen Pfund. Im Vorjahr hatte Mulberry noch einen Vorsteuergewinn von 6,9 Millionen Britischen Pfund erzielt. Auch unter dem Strich standen rote Zahlen: Der Nettoverlust belief sich auf knapp 4,9 Millionen Britische Pfund (5,4 Millionen Euro). Das Geschäftsjahr 2017/18 hatte Mulberry mit einem Überschuss in Höhe von 4,9 Millionen Britischen Pfund abgeschlossen.

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet CEO Andretta eine Fortsetzung der bestehenden Trends: „Wir rechnen mit anhaltendem Wachstum im Ausland und im Digitalgeschäft, während die Bedingungen im britischen Einzelhandel unsicher bleiben“, erklärte er. Das Unternehmen plane, während der Entwicklungsphase weiter in die neuen asiatischen Gesellschaften zu investieren, die globalen Digitalkapazitäten auszubauen und sein Handelsnetz in Großbritannien zu optimieren.

Foto: Mulberry Facebook-Page
 

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