Gerry Weber: Hoffnungsschimmer durch Stellenabbau?

Der kriselnde Modekonzern Gerry Weber sieht Licht am Ende des Tunnels. Das vom Unternehmen in Auftrag gegebene Gutachten zur Überprüfung der Sanierungsfähigkeit des Konzerns komme zu “einer guten Prognose”, teilte Gerry Weber am Donnerstag mit. Gleichzeitig wird der Sanierungskurs verschärft – mit Folgen für die Belegschaft.

Tiefe Einschnitte bei der Belegschaft erwartet

Das Kerngeschäftsmodell sei “trag- und zukunftsfähig”, bescheinigt das Gutachten aber die Restrukturierung muss fortgesetzt werden. Gleichzeitig deuten sich in der Mitteilung von Donnerstag auch tiefe Einschnitte für die Mitarbeiter des Konzerns aus Halle an. Das Modeunternehmen aus dem westfälischen Halle, zu dem neben der Kernmarke Gerry Weber auch die Marken Hallhuber, Samoon und Taifun gehören, beschäftigt derzeit noch rund 6500 Mitarbeiter. Es kämpft seit geraumer Zeit mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Der Wert der Gerry-Weber-Aktie hatte sich in den vergangenen zwölf Monaten mehr als halbiert.

Den dramatischen Veränderungen in unseren Märkten und den sich stark veränderten Kaufverhalten unserer Kundinnen müsse der Konzern Rechnung tragen, sagte der scheidende Vorstandschef Ralf Weber in der Mitteilung. "Das wird unweigerlich zu tiefen Einschnitten sowohl auf der Personalseite des Unternehmens als auch in seiner Struktur führen."

Gespräche mit Banken

Gerry Weber befindet sich außerdem in Gesprächen um die Finanzierung des Konzerns zu nachhaltig zu sichern. Florian Frank, Mitglied des Vorstands und Chief Restructuring Officer, gibt sich diesbezüglich nach den ersten Diskussionen mit den Kapitalgebern zuversichtlich.

Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses des Sanierungsgutachtens am Donnerstag schoss der Aktienkurs der Gerry Weber International AG um mehr als 15 Prozent in die Höhe. Volker Bosse, Analyst der Baader Bank, sprach mit Blick auf das Gutachten von guten Nachrichten. Das erhöhe die Chancen, dass die Banken während der Sanierung bei der Stange blieben. Dennoch dürfte der Prozess langwieriger werden als bislang gedacht und auch größere Einschnitte mit sich bringen. Die Fähigkeit des Konzerns wieder zu Wachstum zurückzukehren, betrachte er weiter mit Vorsicht.

Nachdem das Unternehmen das Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben hatte, wurde auch der Verkauf des Showroomcenters in Düsseldorf in der vergangenen Woche bekanntgegeben. Das einstige Prestigeobjekt wurde für 36 Millionen Euro verkauft. Gerry Weber nannte als Begründung eine stärkere Konzentration auf sein Kerngeschäft. Außerdem wird mit Ralf Weber auch das letzte Mitglied der Gründungsfamilie den Unternehmensvorstand zum 1. November verlassen.

Bei Gerry Weber gibt man sich indes hoffnungsvoll. „Ich bin davon überzeugt, dass wir nach erfolgreicher Restrukturierung wieder in die Erfolgsspur kommen werden”, sagte Johannes Ehling, Mitglied des Vorstands und designierter Vorstandssprecher in der Mitteilung. “Trotz aller Unsicherheit, die eine Restrukturierung mit sich bringt, ist vielerorts zu spüren, dass unsere Transformation mit dem Performance Programm bei Kundinnen, Geschäftspartnern und Mitarbeitern ankommt. Das macht Mut und dafür arbeiten wir täglich hart.“ (FashionUnited/dpa)

Foto: Gerry Weber Facebook
 

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