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Globale Verbrauchertrends 2019

Von Simone Preuss

23. Jan. 2019

Business |STUDIE

Das Marktforschungsunternehmen Euromonitor hat in seinem jüngst veröffentlichten Bericht „Top 10 Global Consumer Trends 2019“ die zehn wichtigsten Verbrauchertrends weltweit für 2019 zusammengestellt. Während einige zu erwarten waren, sind andere recht überraschend. Aber sehen Sie selbst, FashionUnited hat sie für Sie zusammengefasst.

Alter ist nur eine Zahl

Alt sein existiert nur im Kopf; Alter ist nur eine Zahl. Die Menschen leben heutzutage länger und gesünder als je zuvor und fühler sich deshalb fitter und aktiver. Gerade die „Baby Boomers“, also die zwischen 1946 und 1964 Geborenen, fühlen sich nicht alt und wollen auch als Verbraucher entsprechend behandelt werden: Sie verlangt es nach universell gültigen Produkten, die nicht auf eine bestimmte Generation oder Altersgruppe zugeschnitten sind. Marken und Einzelhandel sollten dies berücksichtigen, denn mit mehr verfügbarem Einkommen als andere Altersgruppen können Senioren den Konsum ankurbeln.

Weniger ist mehr

Bei diesem Trend gehen Verbraucher zurück zu den wirklich wichtigen Dingen in ihrem Leben und machen Platz, indem sie Unnützes rausschmeißen - Minimalismus und Einfachheit sind in. Marken und Einzelhandel haben bereits reagiert, wie H&M (am Fast Fashion-Ende des Spektrums) mit den neuen Labels Arket und Cos beweist und Tom Cridlands T-Shirts, Sweatshirts und Jeans (am Slow Fashion-Ende), die garantiert 30 beziehungsweise 50 Jahre halten. Kurzlebige Wegwerfprodukte sind out; langlebige Qualitätsartikel sind in.

Bewusster Konsum

Dies zeigt sich auch beim bewussten Konsum, der von informierten Verbrauchern angeführt wird: Sie machen sich im Internet oder über andere Quellen schlau, bevor sie kaufen. Enthält ein Produkt Materialien wie Leder, Wolle oder Seide, die das Wohlbefinden von Tieren in Mitleidenschaft ziehen? Dann vielleicht lieber nicht kaufen. Und wo und unter welchen Bedingungen wurde ein bestimmtes Kleidungsstück hergestellt? Die Verbraucher von heute wollen es wissen und Marken und Einzelhändeler, die mit der Zeit gehen, reagieren mit mehr Transparenz.

Alle sind Experten

Dementsprechend gibt es plötzlich Experten in allen Bereichen, so auch im Einzelhandel, im Verkauf und in der Produktion. Während dies einst gut gehütete Geheimnisse der Branche war, sind Informationen heute Konsumenten in Sekunden zugänglich. Das Wissensgleichgewicht hat sich verschoben. “Der Kunde ist König” war niemals zutreffender als heute. Denn Kunden kennen sich aus und auch ihre Macht, die sie über Produktbesprechungen, Markentreue, allgemeines Feedback und Empfehlungen an Freunde und Bekannte ausüben können. Gerade letztere sind so wichtig und erfolgsversprechend wie nie zuvor.

Digital verbunden

Verbraucher sind sich näher gekommen, dank der sich rapide entwickelnden, weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten des letzten Jahrzehnts. Da können Marken und Einzelhandel nicht hinterherhinken und müssen sich anpassen, ihre Verkaufskanäle verzahnen und ihre Kunden clever einbinden - über die sozialen Medien und über Mehrwert, den sie online und offline anbieten.

Die Freude am Verpassen

Während zunächst die Angst, etwas zu verpassen (FOMO), im Vordergrund stand, geht es jetzt um JOMO - den Spass oder die Freude am Verpassen, dem absichtlichen Zurücktreten von zu vielen Aktivitäten. Verbraucher wollen über ihre eigene Zeit bestimmen und auch mal nichts tun; sich von allem ausklinken und abschalten. Was heißt das für Marken und Einzelhandel? Dies zu respektieren und Räume zu schaffen, in denen Verbraucher genau dies tun können.

Selbständigkeit

Verbraucher wollen nicht mehr an die Hand genommen und geführt werden; sie wollen vieles selbst machen, selbst entdecken und entscheiden, wie zum Beispiel die Wahl ihrer Kleidung, ihres Essens oder ihrer Fitnessroutine. Und wann sie beraten werden wollen oder nicht. Marken und Einzelhandel sollten gut zuhören.

Plastik? Nein, danke!

Euromonitor sagt voraus, dass Verbraucher künftig mehr Geld ausgeben werden, um Plastik zu vermeiden und so den Berg von Plastik zu reduzieren, der sie bereits umgibt. Einwegplastik und Plastikverpackungen sind bereits nicht mehr gern gesehen und auch bei der Kleidung wird gegen Mikroplastik angegangen beziehungsweise nach Alternativen oder Recyclingmöglichkeiten gesucht. Marken wie Adidas, Everlane, Patagonia, C&A und H&M stellen sich bereits darauf ein und punkten bei Verbrauchern.

Jetzt!

Verbraucher haben jahrzehntelang gewartet - auf Rabatte, auf Bestellungen, auf Antworten. Jetzt haben sie genug und wollen alles sofort. Und Geduld war noch nie die Stärke der jungen Generation. Aber es steckt mehr dahinter: Zeit ist kostbarer geworden, ein Luxus, deshalb soll alles lückenlos funktionieren und beschaffbar sein. Marken und besonders der Onlinehandel reagieren mit besserer Logistik, schnelleren Reaktionen auf Kundenwünsche und -anregungen und einer besseren Vernetzung von Ressourcen.

Allein ist in

Auch wenn Verbraucher heutzutage vernetzt sind und das nächste Gespräch nur einen Klick entfernt ist, so ziehen sie es zunehmend vor, allein zu leben: Die Anzahl von Single-Haushalten steigt (zumindest in der westlichen Welt) stetig und alleine reisen und sich vergnügen ist nicht länger tabu. Diese Verbraucher achten mehr auf ihre Ausgaben und suchen nach Partnern, die ihre Lebensweise unterstützen. Das gilt auch für die Marken, die sie wählen, und die Geschäfte, die sie frequentieren.

Abschließend lässt sich sagen, dass Verbrauchern von heute mehr Informationen, Wissen und Möglichkeiten zur Verfügung stehen, als je zuvor. Dies geht mit dem Wunsch einher, unabhängig zu sein und Entscheidungen zu treffen, die weder die Umwelt noch das eigene Selbstwertgefühl belasten. Die Verbraucher von heute sind erwachsen geworden und suchen Verantwortung und Kontrolle und genau das sind die Möglichkeiten und Herausforderungen für Marken und Einzelhändler.

Foto & Grafiken: Euromonitor International