Karstadt-Kaufhof-Fusion: Die eigentliche Arbeit fängt jetzt erst an

Der Zusammenschluss soll den schwächelnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof neuen Schwung geben. Doch der Weg ist mühsam. Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden müssen sich auf einige Veränderungen einstellen.

Noch herrscht Weihnachtsfriede bei Karstadt und Kaufhof: Das Hauptaugenmerk gilt dem wichtigen Geschäft zum Fest und den starken Verkaufstagen zwischen den Jahren. Doch 2019 dürfte für die künftig unter einem Dach vereinten bisherigen Erzrivalen große Veränderungen bringen. Karstadt-Chef Stephan Fanderl soll aus den beiden Unternehmen einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden. Und er hat schon bei der Bekanntgabe des Zusammenschlusses keinen Zweifel gelassen, dass dies «harte Arbeit» erfordern wird.

Leicht ist die Aufgabe nicht. «Das Warenhaus ist die Königsdisziplin des Einzelhandels. Kein anderes Geschäftsmodell ist so kompliziert», erklärt Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms. «Die Infrastruktur beider Häuser - ihre Steuerungs- und Beschaffungssysteme - zusammenzuführen, wird deshalb eine Mammutaufgabe.»

Die Partner haben keine Zeit zu verlieren. Kaufhof schreibt rote Zahlen, und auch Karstadt gelang zuletzt nur denkbar knapp die Rückkehr in die Gewinnzone. Schon bald müssen deshalb wichtige Entscheidungen getroffen werden, um die Kosten zu senken. Etwa ob die Kaufhof-Zentrale in Köln oder die Karstadt-Zentrale in Essen aufgegeben wird. Ob Filialen geschlossen werden. Und: wie viele Arbeitsplätze in der Logistik und in der IT eingespart werden können.

"Einen Kahlschlag wird es nicht geben"

Branchenkenner Funder ist grundsätzlich optimistisch, was die Chancen des neuen Handelsriesen angeht. «Die Erfolgsaussichten sind gar nicht so schlecht. Es ist eine große Herausforderung, aber sie ist mit entsprechendem Einsatz zu bewältigen.» Was bei der Sanierung von Karstadt funktioniert habe, könne jetzt als Richtschnur für die gesamte Firma dienen.

Fanderl hatte zu Beginn der Karstadt-Sanierung nicht nur eine Handvoll Filialschließungen angekündigt und Stellen gestrichen, sondern auch mehr als 20 Warenhäuser auf eine sogenannte Fokusliste gesetzt. Er drehte an vielen großen und kleinen Stellschrauben - von der Sortimentsgestaltung über die Arbeitsabläufe bis zu den Einkaufskonditionen -, um die Lage der Häuser zu verbessern. Mit einigem Erfolg.

«Wir hatten damals fertig ausgehandelte Sozialpläne für die Schließung von 25 Filialen in der Schublade. Aber wir haben trotzdem um jede einzelne Filiale gekämpft. Schließlich mussten wir am Ende nur drei Warenhäuser tatsächlich schließen», beschrieb der bisherige Karstadt-Alleineigentümer René Benko kürzlich im Gespräch mit dem «Handelsblatt» den Ausgang. An dem neuen Warenhausriesen hat sich der Österreicher mit 50,01 Prozent die Mehrheit gesichert.

Wie vielen Warenhäusern im Zuge der Fusion das Aus droht, ist bislang noch ein gut gehütetes Geheimnis. Benko hat lediglich versichert, «um jede Filiale kämpfen» zu wollen. Doch mit einer massiven Schließungswelle ist nach Einschätzung von Funder ohnehin nicht zu rechnen. «Einen Kahlschlag wird es nicht geben. Maximal sind pro Jahr vielleicht vier bis sechs Filialen gefährdet. Filialschließungen im größeren Stil sind gar nicht möglich. Das wäre schon wegen der lange laufenden Mietverträge viel zu teuer», meint der Branchenkenner.

Außerdem gibt es zahlreiche andere Möglichkeiten für das Management. Wie bei Karstadt werden wohl auch bei Kaufhof die Beschäftigen finanzielle Opfer für die Sanierung bringen müssen. Fanderl dürfte die wegen der Übernahme ins Stocken geratenen Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag für Kaufhof rasch wieder aufnehmen. Bei Karstadt gibt es eine solche Regelung schon längst. Und die Lieferanten der Warenhauskonzerne müssen sich darauf einstellen, dass das neue Unternehmen versuchen wird, mit seiner gewachsenen Einkaufsmacht bessere Konditionen durchzusetzen.

Das alles ist sozusagen klassisches Handwerk. Doch will Fanderl bei der Neuausrichtung von «Kaufstadt» offensichtlich auch neue Wege gehen. So könnten die Warenhausfilialen in den Stadtzentren nicht mehr nur dem Verkauf dienen, sondern parallel auch als «Logistik-Hubs» zur Auslieferung von Online-Bestellungen für Dritte funktionieren. Fanderl hat dazu eigens ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Logistik-Dienstleister Fiege gegründet.

Karstadt-Filiale in Düsseldorf gibt Vorgeschmack

Keine schlechte Idee, findet Handelsexperte Funder. Denn immer mehr Online-Anbieter wollten die letzte Meile zum Kunden möglichst schnell überbrücken und bräuchten dazu innerstädtische Lieferbasen. Doch schränkt er gleichzeitig ein: «Die Frage ist, inwieweit sich die Warenhäuser für eine solche Nutzung wirklich eignen.»

Auch auch für die Kunden könnte sich einiges ändern. «Das neue Unternehmen sollte mit der Vielzahl vorhandener Häuser spielen: das eine Geschäft mehr auf Textil, das andere auf Wohn-Accessoires ausrichten, im Dritten den Schwerpunkt auf das Thema Sport legen. Da lassen sich viele Akzente setzen, so dass auch Doppelstandorte nicht in ihrer Existenz gefährdet sind», meint Funder. Die für den Karstadt-Einkauf zuständige Managerin Claudia Reinery hat im Gespräch mit der Fachzeitung «Textilwirtschaft» bereits signalisiert, dass das Thema Sport wieder stärker in die Häuser geholt werden soll.

Was in Zukunft bei den Warenhäusern sonst noch alles gehen könnte, darauf gibt die Karstadt-Filiale in Düsseldorf einen Vorgeschmack. Dort ist kürzlich eine Aldi-Filiale ins Untergeschoss eingezogen und sorgt seitdem für zusätzliche Belebung im Warenhaus. Auch das sei eine gute Idee, findet Funder. «Das Kernproblem der Warenhäuser ist, dass sie viel zu groß sind. Deshalb ist es sinnvoll, einen Teil der Flächen an Fremdsortimente und Dienstleister abzugeben.»

An einem will die neue Konzernführung aber trotz allen Aufbruchs offenbar nicht rütteln: Die beiden Namen Kaufhof und Karstadt sollen Benko zufolge auch nach der Fusion erhalten bleiben. (dpa)

Foto: Karstadt & Kaufhof

 

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