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Nachgefragt: Wie Bestseller, H&M und Primark die Beschaffung in Myanmar wieder aufnehmen

Von Simone Preuss

28. Mai 2021

Business

Chuck Moravec via Creative Commons / Flickr

Nachdem ein Militärputsch am 1. Februar 2021 dafür sorgte, dass in Myanmar der Notstand ausgerufen und Proteste der Bevölkerung gegen die Machtergreifung von der Militärjunta mit Gewalt beantwortet wurden, zogen sich nicht wenige Auftraggeber vorerst aus dem südostasiatischen Land zurück. Nach einer zeitweiligen Ruhepause nehmen einige Bekleidungsunternehmen wie Bestseller, H&M und Primark ihre Produktionstätigkeiten wieder auf.

Das dänische Modeunternehmen Bestseller hat einen unabhängigen Bericht und eine Bewertung seiner Sorgfaltspflicht zur Gewährleistung einer verantwortungsvollen Produktion in Myanmar in Auftrag gegeben. Der Bericht wurde von dem unabhängigen Anwalt Jonas Christoffersen erstellt, der zuvor 11 Jahre lang Direktor des Dänischen Instituts für Menschenrechte war. Er ging gezielt drei Fragen nach, nämlich ob das Militär Geld von den von Bestseller beauftragten Fabriken erhalten habe, ob Bestseller seiner unternehmerischen Sozialverantwortung nachgekommen sei und ob der Konzern EU-Sanktionen verletzt habe.

Bestseller gibt unabhängigen Bericht in Auftrag

„Auf Grundlage unserer Ermittlungen glauben wir nicht, dass es vernünftige Gründe für die Annahme gibt, dass sich die drei Fabriken auf Grundstücken befinden, die direkt oder indirekt im Besitz des Militärs sind. Wir glauben auch nicht, dass es vernünftige Gründe für die Annahme gibt, dass die drei Fabriken direkt oder indirekt Verwaltungsgebühren an das Militär gezahlt haben“, schloss der Bericht zu drei der von Bestseller benutzten 36 Textil- und Bekleidungsfabriken in Myanmar. 

„Wir sind eindeutig der Meinung, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass Bestseller seiner sozialen Unternehmensverantwortung in Übereinstimmung mit den höchsten internationalen Standards in Bezug auf seine Aktivitäten in Myanmar gerecht wurde“, heißt es auf die zweite Frage. Auch eine Verletzung von EU-Sanktionen konnte nicht festgestellt werden. 

H&M will Arbeitsplätze von 50.000 Menschen retten

Bekleidungskonzern H&M sagte auf eine Anfrage von FashionUnited: „Für eine Zeit lang hat die H&M Group die Vergabe neuer Aufträge an unsere Lieferanten in Myanmar vorübergehend ausgesetzt. Nun beginnen wir schrittweise wieder mit der Vergabe neuer Aufträge. Mit unserer Entscheidung wollen wir das drohende Risiko vermeiden, dass unsere Zulieferer ihre Fabriken schließen müssen, was unweigerlich zur Arbeitslosigkeit von zehntausenden von Textilarbeitern und -arbeiterinnen führen würde. Heute leben mehr als 50.000 Menschen von den Arbeitsplätzen bei unseren Zulieferern. Ohne Käufer und Käuferinnen, die Produkte bestellen, wird es keine Bekleidungsindustrie in Myanmar geben.“

„Wir sind natürlich tief besorgt über die Situation in Myanmar. Um zu verstehen, wie wir am besten zu einer positiven Entwicklung im Land beitragen können, in Übereinstimmung mit dem erklärten Willen des Volkes, stehen wir in engem Dialog mit UN-Agenturen, diplomatischen Vertretern und Menschenrechtsexperten und -expertinnen. Wir haben sie um Rat gefragt, wie internationale Unternehmen auf die sehr besorgniserregende Situation reagieren sollten. Obwohl wir uns bewusst sind, dass jeder Ratschlag in dieser komplexen Angelegenheit eine heikle Abwägung verschiedener Überlegungen beinhaltet, ist die allgemeine Ansicht, dass der bevorzugte Weg darin besteht, dass internationale Unternehmen bleiben und weiterhin Geschäfte machen, wenn sie sicherstellen können, dass es keine Verbindungen zum regierenden Militär Myanmars gibt“, fügt H&M hinzu.

Zudem hat der Konzern seine Besorgnis zu Herausforderungen in Bezug auf die grundlegenden Menschenrechte, wie zum Beispiel die Vereinigungsfreiheit, gegenüber Gewerkschaften, Marken und Menschenrechtsorganisationen angesprochen. Er setzt in diesem Punkt auf die Partnerschaft aller Beteiligter und Transparenz. 

Primark lässt wichtigste Lieferanten nicht im Stich

Auch der irische Textildiscounter Primark nahm auf Anfrage von FashionUnited Stellung: „Für uns steht die Sicherheit und das Wohlergehen jeder Einzelperson, die Produkte für Primark herstellt, an erster Stelle - ebenso wie ihre Rechte und Freiheiten, wie in unserem Verhaltenskodex dargelegt.“

„Wir haben vor einigen Wochen die Entscheidung getroffen, unsere Vergabe von Aufträgen in Myanmar zu pausieren. Damals hofften wir, dass dies nur vorübergehend sein würde, da wir uns dazu verpflichtet haben, unsere Lieferanten zu unterstützen und den Lebensunterhalt der Arbeiterinnen und Arbeiter in ihren Fabriken zu schützen. Unabhängig von der Dauer von Produktions- und Lieferzeiten verpflichten wir uns, alle bestehenden Aufträge mit unseren Lieferanten in Myanmar zu erfüllen, und wir haben einige Aufträge mit unseren strategisch wichtigsten Lieferanten vor Ort wieder aufgenommen. Wir stehen in engem und regelmäßigem Kontakt mit unseren Lieferanten und beobachten die Situation weiterhin sehr genau, wobei wir den Empfehlungen von staatlichen und externen Experten folgen“, kommentierte eine Primark-Sprecherin. 

Unternehmen müssen Lage in Myanmar genau verfolgen

Organisationen wie die Clean Clothes Campaign (CCC) rufen alle Lieferanten, Marken und Einzelhändler, die in Myanmar aktiv sind, auf, den Militärputsch öffentlich zu verurteilen, die Wiederherstellung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu fordern und die Proteste des Volkes und die Bewegung für zivilen Ungehorsam zu unterstützen.

Was den Geschäftsbetrieb angeht, so sollten sie sicherstellen, dass ihre Aktivitäten nicht zu Menschenrechtsverletzungen beitragen oder diese verschlimmern und nicht direkt mit dem Militär in Verbindung stehen.

„Marken und Einzelhändler, die in Myanmar einkaufen, müssen eine menschenrechtliche Sorgfaltspflicht bei ihren Lieferanten und in ihrer gesamten Lieferkette durchsetzen, um sicherzustellen, dass diese Prinzipien eingehalten werden. Bekleidungsunternehmen müssen weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Risiken im Bekleidungssektor in Myanmar identifizieren, dokumentieren, angehen und beheben“, riet die Clean Clothes Campaign in einer Stellungnahme im März.

Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge sind seit dem Militärputsch in Myanmar mindestens 815 Menschen getötet und mehr als 5400 wurden festgenommen worden.