Umweltverbände haben drastische Maßnahmen vorgeschlagen, um die "Plastikflut" mit ihren enormen Folgen für Umwelt und Klima zu stoppen. Sie legten am Dienstag 15 Forderungen an die Bundesregierung vor - von einer Abgabe auf besonders umweltschädliche Einwegartikel wie Plastiktüten und Kaffeebecher zum Mitnehmen bis hin zu einem SUV-Verbot. "Plastik überschwemmt mittlerweile unsere Umwelt - und ist heute eines der sichtbarsten und größten ökologischen Probleme", heißt es in einem Papier, das am Mittwoch in Berlin vorgelegt wurde. Beteiligt daran sind unter anderem Greenpeace, der BUND und die Deutsche Umwelthilfe.

Die Verbände treten in dem Papier für einen gesellschaftlicher Wandel ein - weg von der "Wegwerfkultur" hin zu einer Kultur, in der Abfälle möglichst vermieden werden. Die verschwenderische Nutzung und das unachtsame Wegwerfen müssten gestoppt werden, sagte Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung.

Plastik sei eine tödliche Gefahr für viele Lebewesen, welche die Partikel als Nahrung aufnehmen, heißt es im Papier. Die Plastikflut sei auch ein Risiko für die menschliche Gesundheit, Mikroplastik sei sogar im Blut von Menschen nachgewiesen worden. Die Produktion und der Verbrauch von Kunststoffen müsse stark reduziert werden, durch eine strikte Regulierung und Verbote. Deutschland sei bei der Verwendung von Kunststoffen europaweit "trauriger" Spitzenreiter, so die Verbände. Für weniger Plastikmüll müsse die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick genommen werden. Bisher Maßnahmen der Politik reichten nicht aus.

Als angemessene Abgabe auf besonders umweltschädliche Einwegartikel wie Plastiktüten, Einwegplastikflaschen und Kaffeebecher wird ein Betrag von mindestens 20 Cent angesehen. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte zudem, Plastikflaschen oder Getränkekartons müssten verboten werden. Über Getränkeverpackungen hinaus müssten verbindliche Mehrwegquoten auch für Verkaufs-, Transport- und Versandverpackungen festgelegt werden.

Die Umweltverbände sind außerdem für die Einführung von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Gewichtsreduzierungen bei Kraftfahrzeugen bis hin zu einem Verbot von Sportgeländewagen (SUV), um den Reifenabrieb zu reduzieren. Durch Reifenabrieb fielen jedes Jahr tausende Tonnen Mikroplastik an. BUND-Experte Rolf Buschmann sagt, schwere SUVs hätten daran einen erheblichen Anteil.

Gefordert wird auch, ein Ziel zur Abfallvermeidung bis 2030 festzulegen. Deutschland müsse in diesem Punkt deutlich nachbessern, heißt es in einem Papier. In Deutschland seien die Mengen an Verpackungsmüll von Jahr zu Jahr gestiegen, auf 227 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Für Verpackungsabfälle sollte ein Abfallvermeidungsziel von maximal 90 Kilo pro Kopf und Jahr ab 2030 festgelegt werden. "Die Zukunft ist unverpackt", sagte Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser.

Zudem müsse es eine gesetzliche Schadenshaftung nach dem Verursacherprinzip geben. Hersteller sollen für Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschäden ihrer Produkte verantwortlich gemacht werden. Zu den Forderungen zählt auch, den Einsatz von nicht rückholbaren Kunststoffgranulaten in Belägen von Sport- und Spielplätzen zu verbieten. Die Verbände wollen außerdem einen Stopp von Plastikmüllexport. Osteuropa und Südostasien seien mittlerweile die Müllkippe für Plastikabfälle aus Deutschland und der ganzen Welt, sagte Kaiser.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sagte, sie finde es grundsätzlich gut, dass es solch eine Initiative gebe. Sie sehe darin Rückenwind für die Arbeit des Ministeriums. "Wir werden die gängigsten Plastikartikel, die sich bei uns an den Stränden wiederfinden, jetzt verbieten." Ein Gesetz zum Verbot von Plastiktüten befinde sich im parlamentarischen Verfahren. Nach dem Gesetzentwurf sollen künftig an Deutschlands Ladenkassen Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff verboten werden. Dabei geht es um die typischen Tüten, die man im Supermarkt oder anderen Geschäften beim Bezahlen bekommt und die in aller Regel inzwischen etwas kosten.

Die Industrievereinigung Kunststoffverpackungen kritisierte die Forderungen der Verbände als kontraproduktiv: "Während die Hersteller von Kunststoffverpackungen in Deutschland mit Hochdruck für eine stärkere Kreislaufwirtschaft arbeiten, sind einige Lobbygruppen leider beim "Plastik-Bashing" stehengeblieben", so Hauptgeschäftsführer Martin Engelmann. (dpa)

 

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