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Seidensticker-CEO: US-Expansion und Wholesale-Rückkehr der Womenswear?

Der Januar bleibt gerade für den stationären Handel weiterhin schwierig, was auch der Hemdenspezialist Seidensticker bestätigt. Dennoch blickt das Bielefelder Unternehmen positiv auf das Jahr und erwartet, dass sich die Situation stabilisiert, so Silvia Bentzinger

Bei der Herrenmodemesse Pitti Uomo gibt die CEO Einblicke in die Strategie für 2026, welche Märkte im Fokus liegen und welche Prozesse noch weiter optimiert werden müssen. Außerdem verrät sie, dass sie für die Womenswear, auch nach dem Wholesale-Rückzug, weiterhin Potenzial für den Kanal sieht und wie eine Rückkehr aussehen könnte.

Wie verlief der erste Monat des neuen Jahres für Sie?

Im stationären Handel haben wir deutlich eine Reduktion gespürt. Dies kennen wir aber auch schon aus den Vorjahren. Witterungsbedingungen inklusive Glatteiswarnungen tragen ebenso dazu bei wie steigende Ausgaben in der Weihnachtszeit, die dann im Januar erfahrungsgemäß eine Kostenbremse forcieren. Entsprechend verlief der Januar auch in diesem Jahr etwas schwieriger.

Haben sich auch Ihre Handelspartner:innen so geäußert?

In allen Gesprächen, die ich bisher geführt habe, wurde deutlich: Der Januar war für viele Händler:innen sehr herausfordernd. Wir gehen jedoch erfahrungsgemäß davon aus, dass es sich dabei um Verschiebungen handelt und sich die Situation im weiteren Jahresverlauf wieder stabilisiert.

Wie sieht es in den anderen Kanälen aus?

Im E-Commerce verzeichnen wir weiterhin ein sehr stabiles Wachstum – der Onlinehandel ist für uns nach wie vor ein wichtiger Umsatz-Kanal. Auch im Wholesale sind wir sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Gleichzeitig erweitern wir unser Sortiment gezielt um Zusatzprodukte wie unsere Strick- und Wirkkollektion. Auch die Linie Studio Seidensticker sorgt mit ihrer ganz eigenen Ausrichtung für eine Zielgruppenerweiterung. Das Kerngeschäft ist und bleibt das Businesshemd, aber dennoch bauen wir unser Angebot gezielt aus und stärken damit sukzessive unsere Position im Markt.

Ihr Geschäftsjahr endet erst mit dem April. Wie verlief das Kalenderjahr 2025 für Sie?

Insgesamt stabil, wir sind zufrieden. Unterschiede gibt es innerhalb der Kanäle – aber über alle Bereiche hinweg liegen wir im Plan. Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir mit einem konservativen, einstelligen Wachstum.

Abseits vom klassischen Hemd, welche Stücke treiben den Umsatz aktuell besonders?

Generell ist Strickware für uns ein wichtiges Wachstumsfeld. Im Sommer sehen wir ideale Ergänzungen in Polos, leichten Merino-Qualitäten und T-Shirts. In der Herbst-/Winter-Saison nehmen wir zusätzlich Pullover, Overshirts und Casual-Hemden in den Fokus, die unser klassisches Hemdensortiment erweitern.

Wie sieht es im Direktvertrieb der Damenmode aus?

Unser stärkstes Produkt ist nach wie vor die Bluse. Gleichzeitig wird das Sortiment erfolgreich durch Kleider ergänzt. Im E-Commerce sehen wir zudem, dass unser ‚Lookgood‘-Sortiment fast ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Der Totallook und insbesondere auch Anzüge sind stark nachgefragt.

Sie haben sich mit der Womenswear aus dem Wholesale Geschäft zurückgezogen. Bleibt es dabei?

Wir sehen hier natürlich immer noch Potenzial – eine Rückkehr sollte jedoch mit Bedacht erfolgen. Ein Testlauf mit einer Mini-Kollektion mit ausgewählten Wholesale-Partner:innen zum Beispiel. Konkrete Details zu Strategie und Planung einer möglichen Rückkehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht nennen.

Bei Studio haben Sie Ihre Wholesale-Ambitionen mit dem neuen Vertriebspartner in Düsseldorf verstärkt.

Studio positionieren wir weiterhin als unsere junge Contemporary-Linie, die über ausgewählte, urbane und zeitgemäße Retailer vertrieben wird. Künftig wollen wir insbesondere die Internationalisierung weiter vorantreiben – hier sind wir bereits auf einem guten Weg.

Wen wollen Sie mit einer internationalen Messe wie der Pitti Uomo erreichen?

Wir treffen hier sowohl unsere wichtigste deutsche Kundschaft als auch zahlreiche internationale Partner:innen. Neben vielen europäischen Kund:innen sind auch Besucher aus Übersee vertreten, etwa aus den USA, Kanada und Japan. Damit bietet sie eine sehr gute Gelegenheit, bestehende Kontakte zu pflegen und gleichzeitig neue Kund:innen zu gewinnen.

In welchen Märkten wollen Sie noch weiterwachsen?

Ein klarer Wachstumsschwerpunkt liegt für uns in den USA, wo wir bislang noch unterrepräsentiert sind und entsprechend großes Potenzial sehen. Darüber hinaus zählen Skandinavien sowie Belgien, Luxemburg und die Niederlande zu unseren strategisch relevanten Zielmärkten.

Welche Themen aus dem vergangenen Jahr werden Sie in 2026 weiter beschäftigen?

Ein zentrales Thema bleibt für uns der Druck durch Altwarenbestände, den wir kontinuierlich aktiv steuern. Sehr zufrieden sind wir aktuell mit unseren Auslieferungsprozessen – hier sind wir gut aufgestellt. Nach dem Logistik-Umzug im vergangenen Jahr gab es zwar einige Anlaufschwierigkeiten, diese konnten wir jedoch schnell lösen. Inzwischen laufen sowohl die Logistik als auch unsere Supply Chain mit eigenen Produktionsstätten stabil.

Gleichzeitig arbeiten wir fortlaufend daran, interne Prozesse weiter zu optimieren und nah an der Kundschaft zu bleiben, um ihre Bedürfnisse frühzeitig zu erkennen.

Welche Prozesse versuchen Sie aktuell besonders zu optimieren?

Die Warensteuerung bleibt ein zentrales Thema, insbesondere in unseren eigenen Kanälen. Im Merchandise Controlling analysieren wir sehr genau, welche Produkte gefragt sind, wo Anpassungen notwendig sind und welche Artikel gegebenenfalls ausgetauscht werden müssen. Gemeinsam mit unseren Handelspartner:innen arbeiten wir daran, die Waren optimal und bedarfsgerecht zu steuern.

Zum Abschluss. Was ist Ihr Lieblings-Piece der aktuellen Kollektion?

Mein Lieblingsstück ist tatsächlich immer das weiße Shirt – egal ob ganz klassisch oder modern interpretiert. Das geht einfach immer!


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