Pitti Uomo: Ein feiner Duft zieht aus Florenz
Diese Woche gaben die Marken bei der Herrenmodemesse Pitti Uomo einen ersten Einblick in die kommende Herbst/Winter 2026-Kollektionen. Zum Saisonauftakt in Florenz präsentieren sich 758 Marken, von denen 47 Prozent aus dem Ausland kamen – mehr als je zuvor.
Die steigende internationale Präsenz wird durch Gastdesigner wie die japanischen Marken Soshiotsuki, Shinyakozuka sowie den in Paris ansässigen Hed Mayner, und auf verschiedene Regionen wie China, Südkorea oder Skandinavien ausgerichtete Bereiche verstärkt.
Pitti bleibt international relevant – Rückgang bei deutschen Buyern
Dem Gegenüber steht allerdings eine geringe Anzahl an Ausstellenden insgesamt. Im vergangenen Januar stellten noch 770 Marken aus. Dies sei aber auch auf eine geringere Fläche auf dem Messegelände zurückzuführen, auf dem an mehreren Stellen Bauarbeiten stattfinden, erklärte Raffaello Napoleone gegenüber FashionUnited.
Der CEO des Messeveranstalters ist mit seinem Team stets dabei, die verschiedenen Formate zu optimieren. Dies könnte in Zukunft auch bedeuten, dass die Kindermodemesse Pitti Bimbo in das Menswear-Konzept integriert wird. Grund dafür sei, dass viele Buyer, die beide Bereiche bedienen, sich für ein Event entscheiden und nicht zwei mal die Reise nach Florenz antreten würden, so Napoleone. Außerdem soll der internationale Fokus noch weiter ausgebaut werden.
Insgesamt zog der Messechef am Donnerstagnachmittag ein positives Fazit, nachdem die beiden stärksten Tage bereits hinter ihm lagen. Einer Mitteilung von Napoleone zufolge erreicht die Zahl der internationalen Besuchenden am Donnerstagnachmittag ungefähr das Niveau der Januarausgabe 2025, die bei 5.000 lag.
„Wenn wir an die vielen internationalen Spannungen und die Zurückhaltung denken, mit der sich der Markt bewegt, ist dies ein Ergebnis von großer Bedeutung“, sagte der Pitti-Chef.
Unter den bei der Messe stark vertretenen Besucherländern habe man Zuwächse bei den Buyern aus dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten, den Niederlanden, der Türkei, Japan und Griechenland festgestellt, während Deutschland, Spanien und Frankreich leichte Rückgänge verzeichnen. Auch bei den italienischen Einkäufer:innen sind die Zahlen rückläufig, heißt es aus Florenz. Am Ende werden es nach vorläufigen Schätzungen etwa 7.600 Personen sein.
„Dies entspricht, das dürfen wir nicht vergessen, dem problematischen Bild, das die Marktbeobachter:innen in Bezug auf den nationalen Vertrieb und Einzelhandel zeichnen“, so Napoleone. Zuwächse hat man derweil bei Besuchenden aus Nordeuropa und ferneren Ländern wie Brasilien, Mexiko, Israel und Kanada verbucht.
2026 bleibe für Napoleone ein großes Fragezeichen, gerade wenn man sich die neuesten geopolitischen Veränderungen anschaut. Auf der Messe selbst war die Stimmung positiv, auch wenn es für die Marken und Händler:innen in den kommenden Wochen in die heiße Phase geht und Themen wie zurückhaltender Konsum oder ein relativ warmer Winter mitschwingen. Selbst am Donnerstag waren die Frequenzen in den Hallen und auf dem ganzen Gelände – nach zwei bereits sehr starken Tagen – weiterhin hoch. Zu den zentralen Themen gehörten die New Formal Wear sowie der Umgang mit dem wechselhaften Wetter, die sich auch in die Karten spielen.
Neue Formal Wear
Wie sich schon in den vergangenen Saisons gezeigt hat, tendieren mehr und mehr klassische Anbieter zum Full Look. Sie setzen dafür auf “Mix and Match", wie es bei Roy Robson heißt. Dabei wird der Anzug als Basis genutzt und das Sakko auch mal durch ein lässiges Overshirt oder einen Blouson ersetzt, berichtet Fabrizio Rojo, der das deutsche Sales Team des Lüneburger Menswear-Spezialisten leitet. Unterschiedliche Stoffe, die etwas technischer sein können, oder Styles wie Cord und Hahnentritt bieten zusätzlichen Spielraum für die neue Garderobe.
Der Hemdenspezialist Olymp, der seine Oberhemden-Linie und den etwas lockereren Ansatz Casual nicht mehr getrennt auf der Fläche präsentiert um die neue Formal Wear auch bei den Kund:innen zu fördern, präsentierte unter anderem Overshirts aus Kaschmir und Japanese Knitted Shirts sowie einen Cordanzug in einem eleganten Bordeaux. Insgesamt konnte das deutsche Unternehmen für diese Saison seine Preislagen halten, bestätigte Elias Banai, Area Sales Manager für Olymp Signature in Norddeutschland.
Neben Cord zählten auch Flanell und Längsstreifen zu beliebten Themen, die sich bei verschiedensten Marken, vom klassischen Look bis zur Streetwear-Brand: Letzte versuchen, vermehrt sich vom Klischee weg zu bewegen und angezogener zu werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Prohibited, das bei seiner aktuellen Kollektion “Back in the Days” sowie auch schon in vorangegangenen Saisons mit der Preppy- und Old Money-Ästhetik spielt, ohne zu sehr in die klassische Herrenbekleidung abzudriften. Das Berliner Label steht für einen sportlichen Vintage-Vibe, zu dem neben lässigen Fußballtrikots und einem Strick-Trainingsanzug auch eine von der Jagd inspirierte Wachsjacke, ein Flanellhemd und ein schickes Streifenhemd gehören.
Auch beim Bielefelder Hemden-Spezialisten Seidensticker zeigt sich in der jüngeren Studio-Linie ein Mix aus klassisch und modern. Während man sich auf der einen Seite von der Hauptlinie beim Hemd inspirieren lässt und diesem einen frischen Touch gibt, kommen auch ganz neue Akzente wie Wolle für Mäntel und silber-metallische Pieces, die bisher nicht in der Kollektion zu finden waren, Anklang. Zu den Bestsellern gehören aktuell besonders eine lässige, gekürzte Anzughose, so Kreativchef Marc Biggemann.
Farblich überzeugt neben den typischen, zurückhaltenden Tönen besonders Bordeaux. Eine Farbe, die nicht nur bei Studio Seidensticker sondern auch bei vielen anderen Marken wie dem dänischen Label Anerkjendt, dem deutschen Herrenanbieter Dressler, den Outerwear-Marke Woolrich und Superdry, aber auch bei Roy Robson und Olymp zu sehen war.
Die Farbe kam unter anderem bei Halfzip-Pullovern, Stücken an den man in dieser Saison nicht vorbei kommt, zum Einsatz. Von sportlich-lässig bis hin zu elegant findet er überall seinen Platz und eröffnet auch beim Styling zahlreiche Möglichkeiten fürs Layering.
Outerwear-Antworten
Layering ist auch die Antwort vieler Herrenmarken auf das wechselhafte Wetter. Insbesondere jene Marken die keine ausgeprägten Ambitionen im Bereich Outerwear verfolgen, setzen stattdessen auf leichtere Mäntel, wie es etwa Roy Robson auf der Fläche zeigte.
Der Zwiebel-Look findet aber auch bei Outerwear-Spezialisten Anwendung, wie Bogner beweist. Der in München ansässige Bekleidungsanbieter präsentierte einige Highlight-Looks, die sich zwischen Skiwear und Ready-to-Wear bewegten. Baselayers und Rollkragen wurden unter Overshirts unter verschiedenen sportlichen Jacken präsentiert. Der Hingucker der Kollektion war dabei eine Skijacke aus Denim sowie die passende Hose, die über alle nötigen Funktionen für die Piste verfügen, erklärte Michael Wrobel, Director Retail bei Bogner.
Die Outerwear-Marke Halo, die zum dänischen Sportswear-Unternehmen Hummel gehört, debütierte auf der Pitti Uomo und brachte direkt die neue Premium-Kapsel "Special Force Lab” mit. Eine wasserdichte, rote Daunenjacke der Marke zog alle Blicke auf sich und verleitete Besuchende sogar dazu Fotos mit den Kampangenbildern zu machen, berichtete Brand Manager Nicolaj Tolstrup.
Forschung und Innovation waren die “zentralen Themen”, der aktuellen Ausgabe, so Napoleone. Gerade einige der Jackenexpert:innen stellten dies unter Beweis. Im chinesischen Pavillon “China Wave” stellte der Bekleidunsgkonzern Septwolves einige seiner neuen Jacken-Technologien vor. Dazu gehören unter anderem eine aufblasbare Kapuze, die sich zur Nackenrolle umfunktionieren lässt, sowie ein im Ärmel integrierter Bluetooth-Kopfhörer.
Save the Duck hatte derweil seine federfreien Jacken dabei, die immer leichter werden und auch schwierigeren Wetterbedingungen und Kälte standhalten. Ganz neu dabei ist die eigenen Schuhkollektion der italienischen Marke, die mit einem heimischen Produzenten entwickelt wurde und an die Outerwear-Kollektion angelehnt ist.
Unter neuer Flagge
Bogner kehrte in dieser Saison nach mehr als zehn Jahren zur Pitti Uomo zurück – nun mit dem neuen Investor Katjes. Der Süßwarenhersteller nehme allerdings keinen direkten Einfluss auf Mode und überlasse dem Team ihre arbeit, so Wrobel. Man sei aber in einem stetigen Austausch und es gebe durchaus Interesse vom neuen Mehrheitseigentümer an den Abläufen des Modeunternehmens.
Auch die ursprünglich in den USA gegründete Marke Woolrich hat mit dem italienischen Bekleidungskonzerns BasicNet, zu dem auch Marken wie Kappa, K-Way und Sebago seit Ende letzten Jahres einen neuen Eigentümer. Dieser nutzt die Messe und hat seine Strategie verkündet, die vor allem auf dem umfangreichen Markenarchiv basiert.
Superdry präsentierte sich derweil mit einem Re-branding als Superdry & Co, zu dem ein neues Logo, ein neuer Schriftzug sowie ein Preppy Look gehören. Das ‘Co’ soll dabei die Ambitionen der britischen Marken verdeutlichen, andere Marken unter dem Unternehmensdach zu präsentieren, erklärt Superdry-CEO Julian Dunkerton. Dazu gehört die kürzlich erworbene Lizenz der Marke Bench, deren Comeback nun eingeleitet werden soll, sowie mögliche zukünftige Projekte.
Pitti Beauty
Die Veranstaltenden der Pitti Uomo treiben das Messekonzept kontinuierlich voran und bereichern es mit neuen Ideen. Bei der aktuellen Ausgabe sorgte der Bereich ‚Hi Beauty‘, der sich der Nischenparfümerie widmet, für frischen Wind. Insgesamt präsentierten rund 30 Duftmarken ihre Produkte auf der Pitti Uomo, darunter auch Saranghaezo.
Das koreanische Label wurde auf der Messe von seinen europäischen Vertriebspartner Fluxus International vertreten. Fluxus-Gründer Olivier-Charles Degen zog ein positives Fazit nach den ersten zwei Tagen und freute sich über viele Interessent:innen.
Für ein Nischenperfüm sei es schwer neue Märkte und Kund:innen zu erschließen, da der Markt sei überfüllt sei. Daher sei die Messe eine gute Option andere Segmente wie die Modebranche zu erreichen. Gerade kleine Concept Stores, die eine besondere Auswahl anbieten, wollen, seien interessiert, man wolle aber auch mehr und mehr die großen Händler:innen erreichen.