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Steht Deutschland vor einer Fast-Fashion-Steuer?

Fast-Fashion sorgt zunehmend für Entsorgungsprobleme in Deutschland. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) plant deshalb, die Hersteller:innen stärker in die Verantwortung zu nehmen und sie künftig an den Kosten für die Entsorgung von Altkleidern zu beteiligen. Hintergrund sind die überfüllten Altkleidercontainer, in denen vor allem sogenannte Billigmode landet.

Seit Januar 2025 müssen Textilien in Deutschland gesondert entsorgt werden, doch die Masse an Kleidung ist enorm. Laut Angaben der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments entstehen in der EU rund 12,6 Millionen Tonnen Textilabfall pro Jahr, davon 5,2 Millionen Tonnen allein durch Kleidung und Schuhe. Das entspricht etwa 12 kg pro Person jährlich. Die Betreiber der Container, meist gemeinnützige Organisationen wie Caritas oder Deutsches Rotes Kreuz, stehen nun vor dem Problem, unbrauchbare Kleidung nicht mehr loszuwerden und auf den Kosten sitzenzubleiben.

„Fast Fashion führt hierzulande auch zu einem extremen Müllproblem“, sagte Schneider der Rheinischen Post. „Die Konsequenzen dieser Bestell-und-weg-Mentalität sind wirklich dramatisch.“ Er fügte hinzu, dass vielen Konsument:innen das Ausmaß des Problems gar nicht bewusst seien und dass der wichtigste Teil der Lösung darin bestehe, weniger von diesen Billigpaketen aus China zu kaufen. Damit dies gelinge, müssten sowohl die Preise als auch das Problembewusstsein steigen.

Schneider strebt nun ein Textilgesetz an, das Hersteller:innen verpflichten soll, sich an den Entsorgungskosten zu beteiligen. Er betonte, dass dadurch vor allem neue Finanzmittel für Recycling und die Entsorgung von Kleidung bereitgestellt werden.

Nicht alle in der Branche begrüßen die Pläne jedoch freudig. Während der HDE ein praxisnahes, bürokratiearmes Modell fordert und auf Erfahrungen aus anderen Branchen verweist, warnte der Gesamtverband textil+mode davor, deutsche Hersteller:innen pauschal für die Abfallströme haftbar zu machen, und fordert Mitspracherechte bei der Umsetzung der Regelungen.

Parallel laufen auf EU-Ebene Bestrebungen, die Flut günstiger Importe einzudämmen. Unter anderem wurde ein Zollaufschlag von drei Euro pro Paket eingeführt, um den Zustrom billiger Waren von Plattformen wie Temu und Shein zu reduzieren. Im vergangenen September hatten mehr als 20 europäische Textil- und Bekleidungsorganisationen zudem sofortige Regulierungen gegen Ultra-Fast-Fashion gefordert, darunter Steuern auf Kleinpakete und die Abschaffung von Zollbefreiungen für Waren unter 150 Euro.


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