Der Krise zum Trotz: B2B-Versandhandel soll 2016 kräftig wachsen

Der B2B-Versandhandel ist bereits ein sehr einträgliches Geschäft. Die Wachstumszahlen sind seit geraumer Zeit solide, und 55,0 Prozent der B2B-Versandhändler schätzen ihre Geschäftssituation aktuell als gut oder sehr gut ein, Tendenz weiter steigend. Dieser Optimismus hat insbesondere bei den kleinen und mittelgroßen B2B-Versendern zugenommen, deren Personalbestand bei bis zu 20 bzw. 100 Mitarbeitern liegt. Zugleich hat sich jedoch auch der Anteil der Versandhändler, die ihre Geschäftslage als ungenügend empfinden, innerhalb eines Jahres auf fünf Prozent mehr als verdoppelt.

Für das laufende Jahr schätzen jedoch 50 Prozent der Händler ihre Geschäftslage optimistisch ein – so viele wie noch nie. Zugleich ist der Anteil der Unternehmen, die ihre künftige Geschäftslage als mangelhaft empfinden auf 3,4 Prozent zurückgegangen. Zum Vergleich: 2015 lag dieser Wert noch bei 4,8 Prozent. „Die konjunkturellen Perspektiven für den B2B-Versandhandel sind weiterhin gut“, stellt Siebo Woydt, Vorstand der Creditreform AG fest. „Die außenwirtschaftlichen und politischen Risiken bergen sicherlich ein gewisses Störpotenzial für die deutsche Wirtschaft als Ganzes – die B2B-Versender sind dennoch mit Zuversicht in das neue Jahr gestartet.“

Dies ist kein Wunder, denn schließlich hat sich die Auftragslage der Branche m Jahr 2015 bereits zum dritten Mal in Folge aufgehellt und so melden mittlerweile 46,7 Prozent der im Rahmen einer Studie des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (BEVH) und der Creditreform Befragten Händler volle Auftragsbücher. 34,2 Prozent der Unternehmen geben konstant bleibende Auftragseingänge an und der Anteil der Unternehmen, die rückläufige Auftragseingänge melden ist auf 19,2 Prozent gesunken. Im Jahr 2016 erwarten 59,2 Prozent der Unternehmen daher eine gleichbleibende Auftragslage.

Nachfrage nach Fachkräften wird zunehmen

Im Hinblick auf die Umsatz- und Ertragslage berichten 52,5 Prozent der befragten B2B-Versandhändler von steigenden Umsätzen. Sinkende Umsätze melden hingegen 20 Prozent der Befragten, was in etwa der Lage von 2014 mit 21 Prozent entspricht. Der Anteil der Händler, die in 2015 Gewinne verzeichneten lag mit 39,2 Prozent ebenfalls nahezu auf Vorjahresniveau. Hingegen ist die Zahl der Händler, die steigende Gewinne verbuchten von 24,2 auf 36,7 Prozent gestiegen. Trotz diesen positiven Entwicklungen blicken die B2B-Versandhändler der Zukunft vorsichtig entgegen und so erwartet über die Hälfte der Händler gleichbleibende Umsätze und Erträge.

Trotz aller Vorsicht in den Prognosen zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr boomt die Branche. Dies zeigt sich auch an der Zahl der offenen Stellen. So melden knapp 40 Prozent der Händler aktuell vor allem starken Bedarf an neuen Mitarbeitern im Vertrieb. Gleiches gilt für den Funktionsbereich Marketing. Auch hier stellen 20,8 Prozent der Versender neue Mitarbeiter ein. Im E-Commerce und Einkauf hingegen bemerken Personaler derzeit noch keinen erhöhten Bedarf. Lediglich 9,2 Prozent der Unternehmen vergrößern hier aktuell ihren Personalbestand. Dies könnte laut BEVH nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, dass diese Funktionsbereiche als weniger personalintensiv gesehen werden oder im befragten Unternehmen keine entsprechende Funktion eingerichtet wurde.

Dabei scheinen die Personalprobleme der Branche meist hausgemacht zu sein, da sich immer mehr Unternehmen aus dem Ausbildungssystem zurückziehen. So haben im Jahr 2015 nur 21,7 Prozent der vom BEVH befragten B2B-Versandhandelsbetriebe einen Auszubildenden eingestellt. Auffällig ist dabei , dass für den Funktionsbereich E-Commerce so gut wie gar nicht ausgebildet wird. Lediglich 2,5 Prozent der Unternehmen stellten einen Auszubildenden ein. Die Ursache hierfür dürfte vor allem im Fehlen einer geregelten Ausbildungsordnung im E-Commerce liegen.

Die künftigen Herausforderungen noch nicht vor Augen, erwartet dennoch bereits jetzt jedes siebte B2B-Versandhandelsunternehmen einen zunehmenden Bedarf an E-Commerce-Fachkräften. Wird der neue Ausbildungsberuf planmäßig eingeführt, so werden vermutlich 2020/21 die ersten E-Commerce-Kaufleute dem Markt als breitere Fachkräftebasis zur Verfügung stehen. Wie dann allerdings der tatsächliche Bedarf aussehen wird und ob die nun konzipierten Ausbildungsinhalte überhaupt noch relevant sein werden, bleibt abzuwarten.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

 

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