ECE-Einkaufszentren seit 50 Jahren Familiensache - Konzept umstritten

ECE-Chef Alexander Otto ist noch nicht so alt wie seine Firma. Den Bau und Betrieb von Einkaufszentren hat er vom Vater übernommen - und einen Marktführer geformt. Es gibt aber auch Kritik an dem Konzept, immer mehr Shopping-Center in die Innenstädte zu setzen.

Der Hamburger Einkaufscenter-Betreiber ECE hat schon in vielen deutschen Städten für Aufruhr gesorgt. Immer wieder ging es dabei um den gleichen Konflikt: Einzelhändler und auch Kritiker der sogenannten Gentrifizierung - der Verdrängung ärmerer durch wohlhabendere Bewohner - wehren sich gegen ein neues, von ECE errichtetes Einkaufszentrum inmitten der Stadt, weil es angeblich zur Verödung der umliegenden Geschäftsstraßen beitragen würde.

ECE-Einkaufszentren seit 50 Jahren Familiensache - Konzept umstritten

Das brachte mancherorts die Volksseele zum Kochen - zum Beispiel in Oldenburg, Hameln, Kaiserslautern oder auch beim Phoenix-Center in Hamburg-Harburg. Doch oft ebbte die Empörung wieder ab, sobald die Einkäufer erst einmal durch die neuen Passagen geschlendert waren.

ECE-Chef Alexander Otto spielt den Ball an den eingesessenen Handel und an die Politik zurück. „Dort wurde einfach in den vergangenen Jahren viel zu wenig investiert", sagte er jüngst dem «Hamburger Abendblatt». In Städten wie Braunschweig habe der innerstädtische Handel von den Shopping-Centern seines Unternehmens stark profitiert.

„Letztlich folgen die Center den Konsumenten"

Der 47-Jährige führt ECE seit dem Jahr 2000. Die Firma wurde von seinem Vater, dem Versandhaus-Pionier Werner Otto, vor 50 Jahren am 22. Januar 1965 gegründet. „Mit der Idee, das Konzept der modernen Einkaufszentren aus den USA nach Deutschland zu bringen, hat mein Vater damals ins Schwarze getroffen", sagt Alexander Otto.

Die Einkaufs-Center-Entwicklungsgesellschaft - kurz ECE - passte die US-'Mall' an deutsche Verhältnisse an: ein breites Warenangebot in verschiedenen Läden, dazu eine Überdachung des Ensembles und viele Parkplätze. 1969 ging das erste Zentrum in Nürnberg an den Start.

Es folgten Hamburg, Frankfurt, Köln und Bremen. Otto Junior formte ein Unternehmen, das heute fast 200 Shopping-Center managt - darunter rund 60 im Ausland. Unter anderem in Polen, Ungarn, Spanien und der Türkei ist ECE vertreten, in Europa nach eigenen Angaben Marktführer.

In Deutschland sollen 2015 in Kaiserslautern, Aachen und Ludwigsburg neue Zentren öffnen. Rund 4,3 Millionen Besucher gehen täglich durch ECE-Passagen wie 'Sky Plaza' (Frankfurt), 'Schloss-Arkaden' (Braunschweig), 'Gutenberg Center' (Mainz) oder 'Holsten-Galerie' (Neumünster). In der schleswig-holsteinischen Stadt soll eine 145 Millionen Euro teure Anlage mit 90 Fachgeschäften, Cafés, Restaurants und Dienstleistern sowie 950 Parkplätzen im Herbst eröffnen.

ECE-Einkaufszentren seit 50 Jahren Familiensache - Konzept umstritten

Nur mit einer knappen Mehrheit hatte die Ratsversammlung in Neumünster dem Bau 2013 zugestimmt. „Die Befürworter hoffen, Kaufkraft für Neumünster zurückzugewinnen", sagte ein Stadtsprecher. Ob dies eintritt oder doch die Befürchtung der Gegner, umliegende Geschäfte könnten das Nachsehen haben, wird sich erst noch zeigen.

Andernorts, wie in Hameln (Niedersachsen), hat sich die anfängliche Aufregung gelegt. „ECE polarisierte. Vor der Ansiedlung ging ein Riss quer durch Hameln", berichtet der Sprecher der Stadt, Thomas Wahmes. Seit sieben Jahren ist ECE nun in der Rattenfänger-Stadt präsent. Die 'Stadt-Galerie' sei heute nicht nur akzeptiert, sondern etabliert, resümiert Wahmes: „Die Ansiedlung ist ein Erfolg, weil Hamelns Position als Einkaufszentrum gefestigt werden konnte."

Das macht er an Autokennzeichen aus den Nachbarkreisen und an der Besucherfrequenz in der Innenstadt fest. Die Fußgängerzonen hat die Stadt mit Millionen-Aufwand aufgehübscht. „Wir haben hier nicht mehr Leerstand als vorher", gibt Wahmes seinen Eindruck wieder.

Auch Otto verweist darauf, dass neue Zentren ein Publikumsmagnet für die Umgebung sein können. Und: „Nur wer seine Center immer auf dem neuesten Stand hält, wird nachhaltig erfolgreich sein." Denn mit rund 460 großen Zentren, die die Experten vom Kölner EHI Retail Institute 2014 insgesamt zählten, ist der Markt gut mit Konkurrenten bestückt.

Für das Institut ist es nicht überraschend, dass Einkaufszentren verstärkt in die Innenstädte zurückdrängen. „Wir haben den großen Trend der Urbanisierung. Dementsprechend sind die Innenstädte die Orte, wo auch der Handel hin möchte", sagt EHI-Branchenkenner Marco Atzberger. „Letztlich folgen die Center den Konsumenten."

Um im stationären Wettbewerb zu bestehen, wurden ECE-Zentren mit interaktiven Kinderspielplätzen, elektronischen Info-Terminals und kostenlosem WLAN ausgestattet. In 'Future Labs' in Hamburg und Essen testet ECE Angebote aus der virtuellen Welt für Zu-Fuß-Einkäufer.

Man beschäftigt sich nicht mehr nur mit der Planung und dem Bau von 'Einkaufstempeln'. Bürohäuser und Logistikzentren werden entworfen, Bahnhofspassagen gebaut oder modernisiert. Auch Hotels, Wohnanlagen sowie eine Eis- und Ballsporthalle in Hamburg gehören zum Geschäft. (Almut Kipp, dpa)

Foto: ECE-Chef Alexander Otto (rechts) traf heute im Hamburger Rathaus anlässlich des Jubiläums Hamburgs ersten Bürgermeister Olaf Scholz.

 

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