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Einfache Schritte zu globalem Wachstum für E-Commerce-Marken

Von Jackie Mallon

20. Dez. 2021

Einzelhandel

Foto: Karolina Grabowska/Pexels

Online-Shopping im Ausland ist an der Tagesordnung. Eine kürzlich von Flow Commerce, einem Unternehmen, das E-Commerce-Marken bei der Expansion in internationale Märkte unterstützt, durchgeführte Umfrage ergab, dass 76 Prozent der Online-Kundschaft in den acht wichtigsten globalen Märkten eine Bestellung auf einer Website außerhalb ihres eigenen Landes aufgegeben haben, wobei der Anteil der Gen Z-Käufer sogar noch höher ist.

Bekleidung und Accessoires waren die meistgekauften Artikel außerhalb des Heimatlandes einer Marke. Um mehr über diesen Trend zu erfahren, sprach FashionUnited mit dem CEO von Flow Commerce, Rob Keve darüber, welche Fehler Marken machen, wenn es darum geht, ausländische Kaufinteressierte zu finden, und wie sie die neuesten Technologien nutzen können, um eine globale Präsenz aufzubauen, insbesondere bei der Generation Z.

Infografik Flow.io

Flow wurde 2015 von Keve und Mike Bryzek gegründet, die zuvor den online Mode-Giganten Gilt gegründet hatten. Sie lernten sich bei einer Modenschau kennen und erkannten, dass sie eine gemeinsame Vision von der Zukunft des Onlinehandels hatten. Laut der Website von Flow Commerce haben einige Marken ihre internationalen Verkäufe mit den grenzüberschreitenden Lösungen des Unternehmens um 400 Prozent steigern können. Zu den Kunden gehören Ulla Johnson, Good American by Khloe Kardashian, Paige, Rowing Blazers und Universal Standard.

Die Pandemie treibt grenzüberschreitende Einkäufe an

„Der Traffic und die grenzüberschreitenden Verkäufe sind in den letzten achtzehn Monaten regelrecht explodiert“, sagt Keve. Menschen, die nicht in der Lage sind, stationäre Geschäfte zu besuchen, haben begonnen, international einzukaufen wie nie zuvor, und angesichts der anhaltenden Pandemie und der neuen Varianten, die rund um den Globus entstehen, gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich dies ändern wird. Die Unternehmen müssen jedoch ihr Verhalten ändern, um das Einkaufserlebnis nicht zu untergraben.

„Marken konzentrieren sich sehr auf ein exzellentes Kundenerlebnis, aber das ist in der Regel im Inland“, sagt er. „Wenn 20 Prozent des Website-Verkehrs aus dem Ausland kommen, denken die Marken, dass es ein leichtes ist, Einnahmen zu erzielen, aber das geht in der Regel schief.“ Die häufigsten Schwachstellen lassen sich leicht aufzeigen. Zum einen die Preisgestaltung: „Sind die Preise gut gerundet und in Landeswährung angegeben?“, fragt Keve. Auch die Zahlungsmöglichkeiten sind wichtig. „Bieten Sie nur Karten und PayPal an? Wenn ja, ist das für die Kundschaft in vielen Ländern, die keine internationalen Karten haben und PayPal nicht nutzen, kein durchdachtes Einkaufserlebnis“, sagt Keve.

Ein weiterer Bereich, in dem Verbraucher:innen unnötig enttäuscht werden, ist der Versand. Er ist oft nicht kostenlos und dauert lange. Auch bei Zöllen und Steuern ist es kompliziert, alles richtig zu machen. „Sie variieren von Produkt zu Produkt und von Land zu Land, und es ist ein furchtbares Einkaufserlebnis, wenn ein Speditionsunternehmen mit dem Produkt, das man vor zwei Wochen bestellt hat, vor der Tür steht und 50 US-Dollar für Zölle und Steuern, von denen man nichts wusste, verlangt.“

Infografik von Flow. io

Länder, die im internationalen Einzelhandel die Nase vorn haben

„Wenn man sich die Rangliste der Länder ansieht, in denen die Verbraucher:innen einkaufen, hat sie in den letzten 18 Monaten stark geschwankt“, sagt Keve. „Das hängt größtenteils damit zusammen, welche Länder in der Krise stecken und wie hoch die Arbeitslosigkeit ist.“ Vor Beginn der Pandemie war die Rangliste relativ statisch, und die Top-Länder für einen US-Händler waren Kanada, Großbritannien und Australien, gefolgt von einer Kombination aus Ländern mit hohem BIP wie Frankreich, Deutschland, Korea, Japan oder Hongkong. Aber die Reihen- und die Rangfolge haben sich inzwischen geändert, was eine der interessantesten Erkenntnisse aus der Pandemie für den Handel zutage gefördert hat: die Bedeutung der Diversifizierung. „Es gibt so etwas wie ein geografisches Risiko, nicht nur ein wirtschaftliches Risiko“, sagt Keve. „Wenn es in den USA zu einem starken Lockdown kommt und in anderen Ländern eine andere Situation herrscht, kann ein diversifiziertes Einzelhandelsunternehmen die Einnahmen aus Übersee für sich verbuchen.“

Den Daten von Flow zufolge sind die einzigartigeren Produkte international am meisten gefragt. Haus Labs, die Schönheitsmarke von Lady Gaga, ist einer der Kunden von Flow Commerce. „Sie ist in keinem normalen Laden erhältlich, und wenn man ein Fan ist, kauft man auf ihrer Website, egal wo auf der Welt man sich befindet.“ Er sagt, dass die Leute bereit sind, international teurere Artikel einzukaufen, die nicht ohne Weiteres in Geschäften erhältlich sind.“

Die Ermittlung des Umsatzes, der im Ausland erzielt werden kann, ist eine konkrete Angelegenheit, denn die Marken müssen sich nur die Besucherzahlen ihrer Website und die IP-Adressen ansehen. Aber Keve sagt, dass Marken oft nicht erkennen, wie viel Potenzial für internationales Wachstum in ihrem Geschäft bereits vorhanden ist. „Man kann seinen Umsatz über Nacht um 10 bis 20 Prozent steigern, indem man einfach dafür sorgt, dass die Einkaufserfahrung gut ist.“

Schließlich ist es wichtig zu verstehen, dass sich die Menschen international alle unterschiedlich verhalten, dass es sich nicht um einen einzigen homogenen Markt handelt, sondern um 200 verschiedene Länder mit unterschiedlichen Erwartungen. Er rät Marken, die 30 bis 40 wichtigsten Länder zu identifizieren, die wahrscheinlich 80 Prozent des Volumens ausmachen werden und sich auf diese zu konzentrieren. Dies stellt ein enormes Potenzial für die Marke dar, ohne zusätzliche Strukturen oder ein eigenes Team aufbauen zu müssen.

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.