EM-Beginn: Handel bleibt optimistisch

Am Freitagabend startet die Fußballeuropameisterschaft in Frankreich, wenn das Gastgeberland zum Eröffnungsspiel gegen Rumänien aufläuft. Für den Handel ist das EM-Geschäft hingegen schon vor Wochen angelaufen, allerdings bislang mit eher mäßigem Erfolg. Gerade bei den Sportartiklern, die mit Trikots, Hosen und Fußballschuhen Rekordumsätze einfahren wollten, schaut man derzeit in lange Gesichter.

So waren die neuen EM-Trikots der deutschen Nationalmannschaft, die von Adidas hergestellt und vertrieben werden, schon vor einiger Zeit zu Schleuderpreisen erhältlich. Der Grund: Die Nachfrage verläuft bislang äußerst schleppend. Die offizielle Preisempfehlung des Herstellers, die bei knapp 90 Euro liegt, wird hingegen kaum mehr eingehalten. Bei manchen Online-Shops werden die Jerseys sogar schon für unter 30 Prozent des ursprünglichen Preises angeboten, und das, obwohl das Turnier noch gar nicht gestartet ist.

Auch der Verkauf von Fan-Devotionalien bleibt bislang weit hinter den Erwartungen der Händler zurück. Wie es scheint, ist Deutschland bislang noch nicht so stark vom EM-Fieber erfasst wie in der Vergangenheit. Sei der Heim-WM im Jahr 2006 haben sich die Fußballanhänger zu jedem Turnier ordentlich mit Shirts, Schals und Fahnen eingedeckt und scheinen nun beschlossen zu haben, diese erst einmal weiter zu tragen.

Vor allem das Weltmeister-Trikot der deutschen Nationalmannschaft aus dem Jahr 2014, das erstmals mit einem vierten goldenen Stern ausgestattet war, erwies sich für Adidas als gewaltiger Umsatztreiber und wurde millionenfach verkauft. Viele Fans greifen nun eher darauf zurück, als sich ein neues EM-Jersey zu kaufen – zumal das Design der aktuellen Shirts als eher langweilig eingestuft wird.

Modebranche bleibt außen vor

Trotzdem wollen sich Hersteller und Händler die Stimmung nicht verderben lassen. Laut einer aktuellen Blitzumfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) bei 300 Einzelhandelsunternehmen erwarten noch immer mehr als 40 Prozent der Befragten, dass sich die Fußball-Europameisterschaft auf Ihr Geschäft auswirkt.

Knapp 40 Prozent der Unternehmen sprechen zur EM mit Aktionen, Promotions oder Ladengestaltung gezielt Fußballfans an. 27 Prozent nehmen spezielle Waren wie Fanartikel in ihr Sortiment auf. Gleichzeitig rechnen die Innenstadthändler während des Fußballturniers aber auch mit Behinderungen durch Fanveranstaltungen und geringeren Kundenfrequenzen insbesondere während der Spiele der deutschen Nationalmannschaft.

Mit geringen Kundenfrequenzen sollte vor allem der Modehandel rechnen. Sollte die deutsche Nationalmannschaft nicht zufällig das Turnier gewinnen, wird sich der Trikot-Absatz wohl nicht mehr signifikant ins Positive drehen. Doch genau darauf hoffen dieHändler laut HDE. Dessen Umfrage hat schließlich ergeben, dass die Einzelhändler Deutschland als Favoriten für den EM-Sieg sehen, gefolgt von Gastgeber Frankreich und Spanien.

Trotz des Optimismus’ dürften jedoch eher andere Branchen von der EM profitieren. So erwarten derzeit vor allem Bau- und Heimwerkermärkte, Elektronik- und Lebensmittelhändler positive Impulse durch das Turnier. Von ihnen rechnen 44 Prozent mit einem positiven Stimmungseffekt, 35 Prozent gehen von höheren Umsätzen in einzelnen Sortimenten aus. Der Modehandel hingegen wird aller Voraussicht nach einmal mehr das Nachsehen haben.

Foto: Stephanie Hofschlaeger / pixelio.de

 

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