Europas Best Ager halten stationären Modehandel am Leben

Geht es um Konsum und Anschaffungsneigung, ist die Generation 50+ für den Handel unersetzlich. Während jüngere Zielgruppen meist starken monetären Zwängen ausgesetzt sind und eher sparen müssen, können Ältere ihr Geld viel zwangloser ausgeben – und tun dies auch. Schließlich hat diese Altersgruppe nach vielen berufstätigen Jahren endlich die Zeit, den Ertrag ihrer Arbeit zu genießen.

„Die Gruppe der Generation 50+ ist sehr groß. Allein der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen wird im Jahr 2050 bei knapp 30 Prozent liegen", so Gerd Hornbergs, Geschäftsführer der Commerz Finanz GmbH. „Die Best Ager verfügen über eine hohe Kaufkraft und haben häufig viel Zeit für Freizeit und Shopping. Sie legen vor allem Wert auf Qualität. Digitale Geräte besitzen sie oft schon vor ihren Kindern."

Der Spaß, den die älteren Verbraucher beim Geldausgeben haben, scheint europaweit auf einem ähnlich hohen Level zu sein. Die Präferenzen bei Produkten und Handelskanälen variieren jedoch beträchtlich, wie das europäische Konsumbarometer 2016 zeigt.

Deutsche gehen einkaufen, Europäer bummeln

Generell bevorzugt die Generation 50+ nach wie vor den stationären Handel. Bei alltäglichen Produkten wie Lebensmitteln spielt das Internet für sie kaum eine Rolle. Auch bei größeren Anschaffungen ziehen die über 50-Jährigen die Beratung vor Ort vor. Nur Reisen und Freizeitartikel kaufen immerhin rund 40 Prozent von ihnen im Internet.

Anders sieht es bei den Deutschen aus: Sie haben eine große Affinität für das Shopping per Mausklick. Besonders Bekleidung steht neben Elektrohaushaltsgeräten und Möbeln beim virtuellen Kauf hoch im Kurs. „Online-Shopping ist in Deutschland keine Altersfrage mehr", so Alexander Wild, Experte für Senioren-Marketing. „Kleidung, Bücher, Freizeitartikel - wenn es um die Bestellung per Mausklick geht, sind Deutschlands über 50-Jährige europaweit führend: nicht zuletzt, weil diese neuen Einkaufsroutinen an die lange Tradition des Versandhandels in Deutschland anknüpfen."

Den stationären Modehandel in Deutschland werden so wohl auch die Best Ager nicht retten. Bei den europäischen Nachbarn könnten die Ladenbesitzer aber durchaus noch eine Weile von den Einkaufsgewohnheiten der goldenen Generation profitieren. Hilfreich ist dabei vor allen die Tatsache, dass es in Ländern wie Frankreich oder Italien eine gewachsene, traditionell verankerte Einkaufsbummel-Kultur gibt, die sich in Deutschland nie wirklich hat durchsetzen können. Wenn deutsche Verbraucher eine Hose brauchen, gehen sie in ein Hosengeschäft und kaufen eine. Wenn Franzosen eine Hose brauchen, gehen sie in der Stadt spazieren und lassen sich von den Schaufenstern inspirieren – vielleicht findet sich ja etwas Passendes. Wenn nicht, hatte man immerhin einen schönen Nachmittag.

Deutsche haben – auch aufgrund ihrer Geschichte – nie dieses zwanglose Verhältnis zum Konsum entwickelt. Es musste immer praktisch sein, lange halten und möglichst sofort verfügbar gemacht werden. Umfragen aus den letzten Jahrzehnten zeigten immer wieder auf, dass Deutsche beim Shoppen längst nicht so viel Spaß empfinden wie andere Europäer. Einkaufen war und ist immer noch eher ein notwendiges Übel als ein Happening. Der stationäre Modehandel hat dieses Verhalten immer unterstützt und durch seine nüchterne Präsentation sowie ständige Sonderangebote weiter kultiviert. Nun merkt er langsam, dass er damit seine eigene Existenz ad absurdum führt. Eine Umkehr scheint fast ausgeschlossen, zumindest in Deutschland.

Foto: Jerzy / pixelio.de

 

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