Experten antworten: Das sind die 6 Trends im Retail-Design

In Zeiten der Digitalisierung nimmt der stationäre Laden eine neue Rolle ein: Das Erlebnis rückt ins Zentrum seiner Existenzberechtigung. Welche Auswirkungen hat das auf das Design der neuen Stores? Was müssen die Läden der Zukunft können, um Kunden von ihren Sofas in die Stadt zum Shopping zu locken? Wir haben die renommiertesten Retail-Architekten und Ladenbauer aus dem deutschsprachigen Raum zu den großen Trends im Store-Design gefragt.

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Foto: Umdasch: Hudson’s Bay in Amsterdam

Trend 1: Mehr Fokus auf die sinnliche Erfahrung

Der größte Unterschied zwischen dem Erlebnis Onlineshopping und Offlineshopping ist das sinnliche Erlebnis. Darauf muss der stationäre Handel in Zukunft ein immer stärkeres Gewicht legen. Jutta Blocher vom Architektur- und Innenarchitekturbüro Blocher Partners aus Stuttgart: „Der wichtigste Trend ist, dass die haptische Erfahrung neu an Bedeutung gewinnt mit der Zunahme der Digitalisierung. Denn der Raum ist der einzige Ort, wo wir ein Produkt mit allen Sinnen erfahren können. Nur hier ist uns das tatsächliche Erleben möglich, weil eine Marke durch die Multisensorik alle Sinne anspricht.“ Blocher Partners realisierte in den letzten Jahren Leuchtturmprojekte für Sport Schuster, Mode Reischmann, Modehaus Henschel oder Kastner & Öhler.

Trend 2: Verweilen statt kaufen

Einkaufen soll Spaß machen und das bedeutet, dass die Transaktion zur Nebensache wird. Zwischen Shopping und Kaufen wird man in Zukunft unterscheiden. Ausschlaggebend wird sein, dass der Kunde zufrieden ist und wieder kommt. Maik Drewitz vom Ladenbauspezialist Umdasch The Store Makers aus Österreich: „Als Ladenbauer können wir dazu beitragen, dass die Kunden, die in die Stores kommen, durch mehr Erlebnis, durch einen ‚anderen‘ Aufbau, eine bessere Warenpräsentation und persönliche Betreuung, länger im Laden bleiben und letztlich stärker an den Händler gebunden werden. Das grundsätzliche Konzept des Einkaufens wird sich nicht so gravierend ändern. Die Präsentation am Point-of-Sale und die Einbeziehung des Kunden in diesen, aber schon. Man muss den Kunden mehr Anreize bieten, in ein Geschäft zu kommen und länger dort zu bleiben, etwa durch die stärkere Verknüpfung mit Gastronomie.“ Umdasch realisierte wegweisende Läden unter anderem für Hudson‘s Bay, Nike, Versace, Patrizia Pepe, Appelrath & Cüpper und Sport Bründl.

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Foto: Schwitzke & Partner: Intersport Den-Haag

Trend 3: Mehr Flexibilität in der Gestaltung der Flächen

Die Zeit der statischen Läden ist vorbei. Die Kunden von morgen wollen weder über Monate hinweg die gleichen Sortimente sehen, noch den gleichen Store. Tina Jokisch von Schwitzke & Partner aus Düsseldorf: „In Zukunft müssen stationäre Handelsflächen vor allem mehr Fokus, Inspiration und Erlebnis mit allen Sinnen bieten. Zum einen durch eine flexible Nutzungen der Flächen, die den Grundriss leben lassen und immer wieder überraschende Arrangements oder Impulse bieten. Aber auch durch eine Mischung aus Kernsortiment und thematisch ergänzenden Artikeln, die aus anderen Branchen stammen und eine inspirierende Themenwelt erschaffen.“ Schwitzke & Partner realisiert seit vielen Jahren trendweisende Retailprojekte für Mode- und Lifestylekunden. Zu den jüngsten Projekten gehören die Neukonzeption des Manufactum Warenhauses in Wien, das neue Douglas Pro Konzept und die neuen Intersport Häuser.

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Foto: Gruschwitz: Hirmer München

Trend 4: Ohne Digitalisierung geht es nicht

Um den Kunden mehr Erlebnis bieten zu können, wird der Händler auf digitale Elemente im Store nicht mehr verzichten können. Genauer gesagt geht es um „eine Verbindung zwischen analogen und haptischen Erlebnissen - clever kombiniert mit der datensammelnden, informierenden, verfügbarmachenden und logistisch unterstützenden Digitalisierung“, erklärt Wolfgang Gruschwitz. Gruschwitz aus München setzte in den letzten Jahren Retail Projekte beispielsweise mit Hirmer, Uniqlo, FC Bayern und Superdry um und hat sich zudem auf die Integration von Digital Retail spezialisiert.

„Wichtig ist es, im stationären Handel einen Mehrwert gegenüber dem Internet zu schaffen“, ergänzt Professor Holger Moths von Prof. Moths Architekten, die schon vor Jahren die preisgekrönten Globetrotter-Häuser entwickelt und 2018 mit dem L&T Sporthaus in Osnabrück einen weiteren Meilenstein gesetzt haben. „Wenn ich neben dem Ausprobieren im Laden noch mein Produkt individuell digital konfigurieren kann, wie z.B. Fahrräder, Brillen, Kleidungsstücke und Schuhe, ist das ein klarer Vorteil. Click & Collect ist da schon eine Variante, online und offline zu kombinieren. Das Feld ist aber noch ausdehnbar.

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Foto: Prof. Moths Architekten: L&T Osnabrück

Trend 5: Probieren statt studieren

Keiner weiß genau, wie die Läden in Zukunft aussehen müssen um weiter erfolgreich zu sein. Das heißt konkret: Man muss mehr ausprobieren! Wolfgang Gruschwitz vom Digital Retail Spezialisten aus München ist davon überzeugt, dass die Verbindung von Offline und Online auch dazu führen wird, dass man neue Konzepte ausprobieren und alte überdenken muss: „Es wird Zeit, dass man Testläden installiert – nicht nur als 3D-Druck und Event-getrieben, sondern analog und erfahrbar. Lululemon hat es mit seinen Inhouse Aktivitäten rund um das Themenfeld Yoga schon in etwa vorgemacht, doch hier ist noch viel Luft nach oben und man kann durchaus mehr Synergieeffekte erzielen, wenn man den Kunden mehr ins Zentrum setzt mit all seinen Bedürfnissen und entsprechende Lösungen zeigt.“ Mehr Ausprobieren heißt übrigens auch die Devise für den Kunden: Die Läden werden zur Werkstatt, wo Kunden ihre Produkte selbst gestalten können.

Trend 6: Faktor Mensch wird wichtiger

Welche Rolle spielt das Verkaufspersonal in diesen ausgeklügelten Designtempeln? Mit dem Fokus auf den Erlebnischarakter von Geschäften rückt der Mensch mehr denn je in den Vordergrund. Tina Jokisch von Schwitzke & Partner: „Der menschliche Faktor in Form kompetenter, serviceorientierter Mitarbeiter wird von vielen Händlern unterschätzt! Ohne gutes Personal, das den Besucher inspiriert und ein gutes Gefühl hinterlässt, ist der schönste Laden nur halb so viel wert.“

Foto: Joachim Grothus für Blocher Partners: Henschel Heidelberg

 

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