Freiraum Berlin - kann Omnichannel die Innenstädte retten?

Mit einem neuen Shoppingkonzept wollen zwei Unternehmer aus der Immobilienbrache, Franz de Waal und Emanuel Elverfeldt, das Instagram-Shoppingerlebnis in den stationären Handel bringen und zugleich die etwas eingeschlafene Friedrichstraße in Berlin zu neuem Leben erwecken. Freiraum nennt sich das Einkaufskonzept, bei dem offline gestöbert und online gekauft werden kann.

„Freiraum holt die Markenvielfalt von deinem Instagram Account auf die Straße“, heißt es von den Gründern zur Eröffnung. Das neue Retail-as-a-Service-Konzept soll jungen, coolen Online-Marken die Möglichkeit geben, sich im Rahmen von einmonatigen Mietverträgen im stationären Handel zu präsentieren. „Die Marken sparen sich die Verbindlichkeit eines langfristigen Mietvertrages und die Kosten für Ladeneinrichtung und Umbau. Ähnlich wie beim Coworking können sie sich bei uns kurzfristig einmieten und wir stemmen den Invest an Personal und Miete. Dafür bekommen wir dann von den Marken eine Umsatzbeteiligung“, sagt Gründer Franz de Waal.

Tatsächlich, der Store bietet den Besuchern interessante, junge internationale Marken, oft nur bekannt aus der Online-Welt. Gekauft wird dann via App: Die ausgestellten Produkte werden gescannt, über die Freiraum-App oder die Freiraum-Webseite direkt bestellt und anschließend von den Marken direkt an den Kunden geliefert - die Lieferzeit ist dabei abhängig von den einzelnen Marken.

Neben Mode, darunter Kaschmirprodukte von Milk Cashmere oder der Streetwear „DJ Brand“ Vertere, Accessoires der Marke M2Malletier, nachhaltigen und veganen Beauty-Produkten von Ave+Edam, gibt es auch Interior-Inspiration, wie Stücke von Westwing oder der Berliner Manufaktur Bullenberg, Teppiche von Rugtales sowie Designelemente von Gant Lights. Im Lifestyle-Bereich werden Espressomaschinen von La Marzocco, Farräder von Urwahnbikes oder Sport- und Ernährungssupplements von Braineffect angeboten.

Freiraum Berlin - kann Omnichannel die Innenstädte retten?

Freiraum bietet Schnittstelle

Der Anteil des Online-Handels ist in den letzten 15 Jahren um 50 Prozent gestiegen. Ein Volumen, das man nicht ignorieren kann. Bis 2022 soll der Umsatz in Westeuropa nochmal um jährlich 12 Prozent steigen. Der stationäre Einzelhandel muss also umdenken, darin sind sich die Experten einig: “Der konventionelle Laden, wie wir ihn bisher kannten, wird künftig in einen erlebnisorientierten, digital angebundenen Marketing Kanal umfunktioniert. Online und Offline werden miteinander verknüpft. Als Marktplatz bietet Freiraum diese Schnittstelle für eine ständig wechselnde Kuration an spannenden Marken", so Gründer Emanuel Elverfeldt.

Freiraum bietet hier einen Weg Omnichannel-Vermarktung auch für kleinere Marken möglich zu machen und schafft durch sein Retail-as-a-Service Konzept den direkten Zugang zum Konsumenten auf gut gelegenen Flächen mit hoher Frequenzsicherheit. „In Freiraum inspirieren wir Kunden durch physische Erlebnisse mit außergewöhnlichen Produkten und Marken, die sie problemlos vor Ort aber auch zu einem späteren Zeitpunkt über unsere Online-Präsenz von zuhause aus erwerben können“, so Gründer Franz de Waal.

Handelsimmobilien im Wandel

Zwei Drittel der globalen E-Commerce-Firmen, die über die letzten 36 Monate Finanzierungen erhielten, haben laut einer Studie von Mood Media ein physisches Geschäft eröffnet. Aber eine gut gelegene Fläche anzumieten und zu betreiben ist ein zeitintensiver, teurer und oftmals schwer einzuschätzender Schritt, gerade für kleine Brands. Daher können die beiden Immobilienprofis eine wichtige Dienstleistung anbieten: Ihre Immobilienexpertise.

Freiraum Berlin - kann Omnichannel die Innenstädte retten?

Laut HDE werden 2020 20 Prozent der Einzelhandelsflächen leer stehen - gerade in der Friedrichstraße in Berlin macht sich das heute schon bemerkbar. Mit der Schließung des Departmentstores 206 hat die Friedrichstraße einen wichtigen Anlaufpunkt für Luxusshopper verloren, mehrere Flächen weisen Leerstand auf - kein gutes Aushängeschild für die gesamte Immobilie. So stehen laut Untersuchungen vonJones Lang LaSalle (JLL), der regelmäßig die Auslastung von Geschäftsflächen auf den deutschen Top- Einkaufsmeilen ermittelt, sogar 25 Prozent der Geschäfte auf der Friedrichstraße leer. Den vorhandenen Leerstand zu nutzen und somit dem Aussterben der Innenstädte etwas entgegenzusetzen, das ist daher auch ein intendierter Effekt den Konzepts.

„Es gibt Flächen in den 1A-Primelagen - zum Beispiel am Ku’Damm, die werden immer teurer. Und dann gibt es die 1B-Lagen, wie hier an der Friedrichstraße im Untergeschoss, die zu kämpfen haben. Die Marktmiete ist in den letzten Jahren künstlich hochgehalten worden, aber Mittlerweile sind Eigentümer bereit für neue Ideen, weil der Leerstand auf die Reputation des ganzen Hauses schlägt“, sagt Gründer Franz de Waal. Und an diesen Lagen gibt es dann Platz und Chancen für neue Einzelhandelsideen und -konzepte, wie die beiden Gründer vormachen.

Bilder: Freiraum PR

 

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