Indien: mangelnde Infrastruktur hilft Onlinehandel

Wer steht schon gerne im Stau, weder wenn es in die Ferien geht, noch zum Einkaufen. Nun stelle man sich noch Temperaturen um die 35 Grad und ein allgemeines Verkehrschaos vor (2 Stunden für 20 Kilometer in Metropolen wie Delhi und Mumbai sind an der Tagesordnung) und man kann verstehen, warum 80 Prozent aller indischen Verbraucher den Einkauf von zu Hause bevorzugen, statt sich von einem Geschäft zum anderen zu bemühen.

Dank der zunehmenden Handy-Nutzung gilt die indische E-Commerce-Landschaft inzwischen als dynamischte der Welt und indische Verkäufer wissen dies schon lange (zusammen mit der mangelnden Infrastruktur) zu nutzen. Selbst der Gemüsehändler an der Ecke bietet inzwischen - dank Handy - all seinen Kunden kostenlosen Lieferservice an, selbst wenn sie nur mal schnell drei Zitronen brauchen. Hinter diesen "Kirana-Stores" (Eckgeschäften) darf der reguläre Einzelhandel natürlich nicht zurückbleiben und Marken haben es entweder mit ihren eigenen Webshops oder über das Angebot eines großen Onlinehändlers relativ leicht, Kunden ihr Angebot zu präsentieren und frei Haus zu liefern.

Die gemeinsam von Yahoo und Mindshare durchgeführte Studie "Mobile Consumer Journey 2016" hat das Verhalten indischer Verbraucher untersucht und herausgefunden, dass 31 Prozent aller Käufer im Internet einkaufen, um Zeit und Mühe zu sparen, die sie sonst mit dem Einkauf im Geschäft verbrauchen würden, um die gleichen Produkte zu kaufen.

Als weitere Gründe, die Verbraucher vor den Computer - oder zunehmend das Handy - statt ins Geschäft trieben, wurden Rabatte und Werbeaktionen (28 Prozent) und den Komfort (21 Prozent), von überall und zu jeder Zeit einkaufen zu können genannt.

Indien: mangelnde Infrastruktur hilft Onlinehandel

Kunden lieben Rabatte, Aktionen und Komfort

Dabei stellt sich die mangelnde oder mangelhafte Planung und Infrastruktur als zweischneidiges Schwert heraus: Zum einen kurbelt sie den Onlinehandel an, da Kunden lieber bequem von zu Hause aus einkaufen, statt sich durch Automassen, Abgase und je nach Wetterlage Rekordtemperaturen oder sintflutartige Regenfälle von einem Geschäft zum anderen quälen müssen. Selbst Märkte und Malls, wo viele Geschäfte auf engstem Raum nebeneinander liegen, verlieren ihren Anreiz, wenn man die Anfahrt dahin beziehungsweise die jeweilige Wetterlage berücksichtigt.

Soweit zu den Vorteilen, die dem Onlinehandel in Indien direkt in die Hände spielen. Nachteilen wie einem lückenhaften Straßen- und Verkehrsnetz, hohem Verkehrsaufkommen in großen Städten und herausfordernenden Witterungsbedingungen muss sich natürlich auch der Einzelhandel stellen, aber Strategien wie Stauvermeidung durch antizyklische Lieferzeiten, die Bündelung von Bestellungen, mehrere Zentrallager und kreative Zustellmethoden (Drohnen?) gehen auch diese Probleme an.

Um wieder auf Mobiltelefone zurückzukommen - laut der obengenannten Studie greifen Verbraucher auf diese besonders gerne zurück, wenn sie schnell wachsende Kategorien wie Bekleidung, elektronische Geräte, Baby- und Tierpflegeprodukte kaufen. Und die meisten über das Mobiltelefon getätigten Käufe sind regelmäßige oder Impulsivkäufe, also selten wirklich teure. Wenn es jedoch um Körperpflegeprodukte geht, dann bevorzugen rund 30 Prozent der Verbraucher, diese im Geschäft zu erstehen.

Fotos: Verkehr in Mumbai (GPS/flickr) / Shoppers Stop Website

 

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