Kann Asos sich gegen Amazon Fashion behaupten?

Als Asos in der vergangenen Woche die überragenden Zahlen aus seinem Weihnachtsverkauf veröffentlichte, stellte es alle britischen Mitbewerber in den Schatten. Bisher scheint also klar, dass Asos Amazon in Sachen Mode um Längen schlägt - das Wachstum des Unternehmens zeigt keine Anzeichen eines Rückgangs. Der Online-Shop von Asos zieht weiterhin Millennial-Kunden an, die nicht länger im stationären Handel anzutreffen sind.

Asos steht für "As Seen on Screen“ und wurde im Jahr 2000 in Nord-London gegründet. Seit seinem Börsengang im Jahr 2001 hat es sich zu einem Unternehmen mit einem Wert von 5,9 Milliarden Pfund (etwa 6,7 Milliarden Euro) entwickelt. Zum Vergleich: Das Unternehmen Marks & Spencer ist schätzungsweise 1 Milliarde Pfund weniger wert.

Asos verzeichnete im letzten Quartal einen Umsatzanstieg um 30 Prozent dank relevanter Produktbereiche, schneller Lieferdienste und einer coolen Social-Media-Präsenz.

Amazon und Asos konkurrieren im Service

Aber es wird erwartet, dass Amazon Fashion Asos Konkurrenz machen will. Der Internetgigant Amazon, der Shopping überall und zu jeder Zeit möglich macht, probiert an seinen US-Kunden aktuell einen Prime Wardrobe Service aus, bei dem Kunden Kleidung anprobieren können, bevor sie kaufen (Try before you buy) - ein ähnlicher Service, wie ihn Asos in Großbritannien bereits anbietet.

Mit dieser Funktion können Kunden drei oder mehr Artikel bestellen, ohne sie beim Checkout zu bezahlen. Die Kunden haben dann eine Woche Zeit, zu entscheiden, welche Artikel sie behalten und welche sie zurückgeben wollen. Käufer, die fünf oder mehr Artikel behalten, erhalten 20 Prozent Rabatt.

Natürlich sind Marken, die 20 Prozent Rabatt anbieten, keine Luxusmarken oder Marken, die mit denen im Asos-Portfolio konkurrieren, sondern weitgehend die Eigenmarken von Amazon. Asos kann einen ähnlichen Rabatt mit seinen Eigenmarken nicht anbieten, obwohl es einen Studentenrabatt in Höhe von zehn Prozent anbietet.

Es wird angenommen, dass Amazon seinen Service als nächstes in Großbritannien anbieten will, diesen Schritt werten Experten und Analysten als direkten Konkurrenzkampf mit Asos.

Asos nimmt dies natürlich nicht schweigend hin. Auch dort hat man ambitionierte Expansionspläne. So eröffnet das Unternehmen neue Distributionszentren in ganz Europa und weiß den Boom im Online- und Mobile-Shopping erfolgreich für sich zu nutzen. Asos beliefert derzeit international 15,4 Millionen Kunden.

Aber um weiterhin der Liebling seiner Zielgruppe zu bleiben, braucht Asos mehr Innovation. Wenn sich das Unternehmen gegen den Angriff von Amazon auf sein Mode-Revier wappnen will, muss es den Konkurrenten Ernst nehmen. Während viele Marken anfänglich Amazon als keinen ernstzunehmenden Player auf dem Online-Mode-Markt sahen, beweist der Onlinegigant mit einer Unmenge an Daten und Geldmitteln ihnen aktuell das Gegenteil: So hat Amazon bereits eine erfolgreiche, eigene Private-Label-Kollektion eingeführt.

Für Asos bleibt zu hoffen, dass es nicht nur die Ruhe, sondern auch seinen Marktanteil behalten kann.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: Asos-Homepage