Konsumklima in der EU bleibt insgesamt freundlich

Die Verbraucherstimmung in der Europäischen Union (EU) war im zweiten Quartal 2017 insgesamt gut. Allerdings gab es große Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten. Dabei spielten nationale politische Ereignisse eine große Rolle.

Am Dienstag veröffentlichte das Marktforschungsinstitut GfK seine aktuelle Studie zum Konsumklima in den 28 EU-Mitgliedsstaaten. Kriterien waren dabei die Indikatoren Konjunktur- und Einkommenserwartung sowie Anschaffungsneigung. In der Summe sei die Verbraucherstimmung weiterhin auf „hohem Niveau“, konstatierten die Forscher. Doch es gab Gewinner und Verlierer. „Auffällig in diesem zweiten Quartal war unter anderem der ‚Macron-Effekt‘ in Frankreich, der die Stimmung der Franzosen deutlich beflügelt hat“, erklärte der GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. Ganz anders sah es demgegenüber in Großbritannien aus: „Die britischen Verbraucher blicken offenbar mit Skepsis auf die Brexit-Verhandlungen, was sich in schwachen Indikatoren widerspiegelt“, so Bürkl.

In Deutschland und Frankreich ist die Verbraucherstimmung ausgesprochen gut

In Frankreich sorgte der Ausgang der Präsidentschaftswahl für Optimismus unter den Verbrauchern. Die rechnen nach dem Amtsantritt Macrons nun mit einer deutlich besseren Konjunkturentwicklung: Der entsprechende Indikator erreichte nach Angaben der GfK „den höchsten Stand seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1986“. Auch Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung zogen kräftig an.

In Deutschland war die Verbraucherstimmung ebenfalls glänzend. Dazu bedurfte es keiner neuen Aufbruchsstimmung, wie sie die Wahl Macrons in Frankreich ausgelöst hatte. Vielmehr schätzen die Verbraucher gerade die relative Stabilität angesichts zahlreicher politischer Turbulenzen im Rest der Welt. So stieg die Konjunkturerwartung auf den höchsten Stand seit drei Jahren, die Einkommenserwartung lag nach Angaben der GfK „auf einen neuen Höchststand seit der deutschen Wiedervereinigung“, und die Anschaffungsneigung konnte das schon zuvor „exzellente Niveau“ behaupten. Die Marktforscher machten vor allem die „sehr guten Aussichten auf dem deutschen Arbeitsmarkt“ für den allgemeinen Optimismus verantwortlich.

Einen klaren Aufwärtstrend in der Verbraucherstimmung ermittelte das Marktforschungsinstitut auch in Österreich sowie in Spanien und Portugal, wo sich die Wirtschaft zuletzt wieder spürbar erholte, nachdem sie lange unter den Folgen der Finanzkrise gelitten hatte.

Briten und Italiener sind weiterhin pessimistisch

Doch nicht in der gesamten EU sind die Verbraucher zuversichtlich. In Großbritannien drückt weiterhin die allgemeine Verunsicherung aufgrund des Brexit-Votums die Stimmung. Dass Premierministerin Theresa May bei den überraschen anberaumten Parlamentswahlen Anfang Juni ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verlor, machte die Zukunft nicht berechenbarer. So sanken in Großbritannien erneut alle drei Indikatoren.

Ähnlich trist ist auch die Situation in Italien. „Die italienischen Verbraucher gehören weiterhin zu den pessimistischsten EU-Bürgern“, erklärten die Marktforscher. Dort ging es ebenfalls bei allen drei Indikatoren weiter abwärts. Besonders negativ schätzen die Italiener die Wirtschaftsentwicklung ein: Der Index für die Konjunkturerwartung rutschte auf den „tiefsten Wert aller an der Studie teilnehmenden Länder im EU-Raum“ ab.

Foto: ECE
 

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