Liebe zum Bargeld lässt in Deutschland endlich nach

Deutschland, lange eine Bastion des Bargelds und kreditkartenabgeneigter Verbraucher, scheint eine Wandlung durchzumachen. Dies zumindest fand die EHI-Studie „Kartengestützte Zahlungssysteme im Einzelhandel 2019“ heraus, die Daten von 460 Unternehmen mit circa 85.000 Betrieben aus 35 Branchen mit einem Bruttoumsatz im Jahr 2018 von 270,3 Milliarden Euro erhob. Sie dokumentiert die Entwicklung von Zahlungsarten wie bar, Girocard, SEPA-Lastschrift, Kreditkarte, handelseigene Karten mit Zahlungsfunktion/Gutscheinkarten, Internet-Bezahlsysteme im Omnichannel-Handel sowie den Einsatz von Bezahltechnologien in verschiedenen Branchen des Einzelhandels.

Zum ersten Mal sank der Umsatzanteil von Bargeld, und zwar unter den von Karten, wenn auch knapp: 48,6 Prozent am Gesamtumsatz des Einzelhandels machte deren Anteil aus, knapp über dem von Bargeld mit 48,3 Prozent. „Noch genau die Hälfte aller Forderungen wird von den Kunden an deutschen Kassen mit Scheinen und Münzen beglichen, der Rest unbar, davon der mit Abstand größte Anteil per Karte“, fand die Studie.

Liebe zum Bargeld lässt in Deutschland endlich nach

Bargeld nimmt ab, Girocard legt zu

Dabei legte das Girocard-System der Deutschen Kreditwirtschaft mit 110,3 Milliarden Euro Umsatz und 9,3 Prozent auf 26,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr am meisten zu. Auch Kreditkarten wurden verstärkt genutzt, jedoch weniger als Debitsysteme. Bargeldzahlungen gingen um 1,3 Prozent auf genau 50 Prozent zurück und das SEPA-Lastschriftverfahren mit 0,8 Prozentpunkten auf 12,6 Prozent. Hier zeigt sich, dass deutliche Gebührenreduzierungen beim Kartengebrauch ihre Wirkung nicht verfehlten.

„Nachdem die Gebührendeckelung zu einer Konditionenangleichung mit dem SEPA-Lastschriftverfahren geführt hat, ist das Girocard-PIN-Verfahren für Händler deutlich attraktiver geworden. Mehrere große Lebensmittelhändler haben daraufhin die Girocard-Anteile deutlich höher gewichtet oder sogar komplett von SEPA-Lastschrift auf Girocard-PIN-Verfahren umgestellt. Im Gegensatz zum Lastschrift-Verfahren ermöglicht das PIN-basierte Zahlungsverfahren ein praxistaugliches kontaktloses Bezahlen. Kunden scheint diese praktische wie schnelle Alternative zu mehr Kartenzahlungen motiviert zu haben. Hinzu kommt, dass kontaktloses Bezahlen generell häufiger für Kleinbeträge genutzt wird“, fasst die Studie zusammen.

Dies spornt auch Händler an, wieder in ihre Zahlungsverkehr-Infrastruktur zu investieren, um am Erfolg des kontaktlosen und mobilen Bezahlens teilzuhaben. 44,8 Prozent der großen Unternehmen planen daher in diesem Jahr eine „Auffrischung der Payment-IT-Landschaft“, verglichen mit nur 33,8 Prozent im Vorjahr; jedes fünfte Unternehmen will etwas „ändern oder ergänzen“.

Betrachtet man jedoch die Anzahl der Transaktionen - 20 Milliarden in Deutschland im Jahr 2018 - so liegt Bargeld weiterhin vorn, mit 15,2 Milliarden Transaktionen in bar und 4,6 Milliarden mit Karte (0,2 entfallen auf sonstige). Zudem werden immer noch 76,1 Prozent aller Einkäufe im Einzelhandel mit Bargeld beglichen; der Bargeldanteil fiel jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 1,1 Prozentpunkte, was 220 Millionen Transaktionen entspricht.

„Es ist zu erwarten, dass die Barumsätze Jahr für Jahr weiter abnehmen werden, zumal das Bezahlen per Karte mit zunehmend vom Verbraucher akzeptierten Innovationen wie „contactless Payment“ aufwarten kann“, resümiert die Studie.

Foto: Andreas Hermsdorf / pixelio.de; Abbildung: EHI

 

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