Vor zehn Jahren ging die Marke Ebay-Kleinanzeigen online. Jede Minute werden inzwischen rund 500 neue Inserate auf dem Portal geschaltet - nicht selten kuriose. Neu war die Idee schon damals nicht.

Wer sein altes Fahrrad, den abgenutzten Küchenschrank, oder den überholten Staubsauger loswerden will, hatte es selten so leicht wie heute: Schnell ein paar Fotos mit der Handykamera gemacht und in wenigen Minuten das Angebot online gestellt. Geht alles gut, ist man schon wenig später um ein paar Euro und etwas Platz in der Wohnung reicher. Für Millionen Menschen ist für solche Transaktionen das Internetportal Ebay-Kleinanzeigen die erste Anlaufstelle. Die Marke feiert nun zwar ihr zehnjähriges Bestehen. Doch eigentlich ist das Angebot des Ebay-Konzerns deutlich älter.

2009 ging das Kleinanzeigen-Portal aus dem bestehenden Online-Angebot Kijiji hervor, das es in anderen europäischen Ländern nach wie vor gibt, und damals schon zu den größten Kleinanzeigen-Plattformen in Deutschland gehörte. Unter dem Namen Ebay-Kleinanzeigen ist das Geschäft stetig weiter gewachsen. «In seinen ersten Monaten zählte der Online-Kleinanzeigenmarkt durchschnittlich acht Millionen Besucher pro Monat», teilt das Unternehmen mit. «Bis 2018 stieg die Zahl der Nutzer auf durchschnittlich 30 Millionen pro Monat.» Jede Minute veröffentlichen sie demnach rund 500 neue Anzeigen - die meisten davon in den drei größten Städten Deutschlands.

Am häufigsten wird Kleidung angeboten

Dass sich das Geschäft mit Kleinanzeigen zunehmend im Internet abspielen würde, hatten schon lange vor 2009 nicht nur Ebay, sondern auch zahlreiche Verlage erkannt. Print-Anzeigenblätter wie Avis, der heiße Draht oder Quoka hatten beim Antritt von Ebay-Kleinanzeigen schon längst ihre eigenen Online-Portale. Private Kleinanzeigen im Print lagen damals schon auf niedrigem Niveau und sind in den vergangenen zehn Jahren laut Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) noch einmal um mehr als die Hälfte eingebrochen.

«Um im Wettbewerb mit Online-only-Anbietern bestehen zu können, kooperieren zahlreiche Verlage im Rubrikengeschäft», sagt BDZV-Sprecherin Anja Pasquay. Doch online spielt die eigentliche Musik. «Nahezu jeder Zeitungsverlag in Deutschland hat im Internet entsprechende Angebote», sagt sie mit Blick auf die aktuelle Lage. Dazu gehören auch auf bestimmte Nischen spezialisierte Portale wie die Job-Anzeigen-Plattform Stepstone oder das Immobilienportal Immowelt.

An Ebays Reichweite gelangt allerdings keiner von ihnen - zumindest, was den allgemeinen Markt mit Kleinanzeigen angeht. Das zur Hälfte dem Verlag der Rheinischen Post und der Ippen Mediengruppe gehörende Portal markt.de kam zuletzt nach Angaben des Online-Forschungsunternehmens Agof mit monatlich im Schnitt knapp zwei Millionen Besuchern lediglich auf einen Bruchteil.

Das mag auch daran liegen, dass Ebay-Kleinanzeigen immer wieder bei besonders kuriosen Inseraten Aufmerksamkeit bekommt: Schon im Jahr 2011 löste eine Kleinanzeige Aufregung aus, in der jemand zwei Babys aus Nordrhein-Westfalen zur Adoption angeboten hatte. Kürzlich kritisierte der Deutsche Tierschutzbund den Handel mit lebenden Tieren auf der Plattform. «Die Online-Plattform ermöglicht unseriöse Verkäufe ebenso wie nicht sachkundige Spontankäufe, die das Tierwohl massiv gefährden», warf der Verband dem Konzern vor.

Der wiederum erinnert lieber an das Angebot des Dreimastseglers «Alexander von Humboldt», das vor allem aus der Werbung der Biermarke Beck's bekannt war und für 750 000 Euro zum Verkauf stand; oder an 2,2 Millionen Klicks, die ein Anbieter bekam, der seinen alten VW als «Dreckskarre» anpries. Auch ein Waggon der Wuppertaler Schwebebahn stand schon zum Verkauf. Da wirkt es schon fast langweilig, wenn es weiter von Ebay heißt: «Am häufigsten wird Kleidung angeboten.» (dpa)

 

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