Pariser Kaufhaus BHV Marais beantragt Sanierungsverfahren

Das Pariser Kaufhaus BHV Marais hat am 27. Oktober ein gerichtliches Sanierungsverfahren beantragt. Rund vier Monate nachdem ein Team aus dem eigenen Management den Geschäftsbetrieb übernommen hat, begründet die Führung den Schritt mit ausstehenden Entschädigungen. Diese schulde ihr der Vermieter, der kanadische Vermögensverwalter Brookfield Asset Management. Brookfield weist das zurück.

Das Bazar de l'Hôtel de Ville gegenüber dem Pariser Rathaus gehörte seit 2023 zur französischen Société des Grands Magasins (SGM) um Frédéric Merlin, die es von Galeries Lafayette übernommen hatte. Über Frankreich hinaus Schlagzeilen machte das Haus im November 2025, als die Ultra-Fast-Fashion-Plattform Shein dort ihren ersten dauerhaften Laden eröffnete. Die Kooperation löste heftige Proteste aus, mehrere Marken verließen das Kaufhaus.

Im Juni verkaufte SGM den Geschäftsbetrieb an vier Mitglieder des Führungsteams um BHV-Chef Karl-Stéphane Cottendin, einen früheren Vertrauten Merlins. Die neue Führung bezeichnete die Partnerschaft mit Shein als Fehler und kündigte den Auszug der Plattform an. Das Gebäude selbst gehört seit Januar 2026 Brookfield.

Im Juli kündigte das Management an, das Sortiment stärker auf Wohnen und Einrichtung auszurichten. Ziel sei es, „das führende Kaufhaus für Wohnen und Lebensart in Paris zu werden“. Der Antrag beim Wirtschaftsgericht erfolge nun, „um den Sanierungsplan abzusichern sowie den Geschäftsbetrieb und die Arbeitsplätze zu erhalten“.

Worum es im Streit mit Brookfield geht

„Was diesem Haus heute fehlt, ist die Liquidität, die ihm zusteht“, erklärt Cottendin in der Mitteilung.

Laut Geschäftsführung beruhte die Neuausrichtung auf einem festen Investitionsplan, der durch vertraglich vereinbarte Entschädigungen finanziert werden sollte. Im Gegenzug sollte BHV Marais im Frühjahr mehr als die Hälfte seiner Verkaufsfläche an den Vermieter zurückgeben. Seit Juli warte das Kaufhaus auf das Geld.

Brookfield bestreitet, BHV Marais derzeit überhaupt etwas zu schulden. Wie das Unternehmen gegenüber der französischen Nachrichtenagentur Agence France-Presse (AFP) erklärte, sei die Zahlung an die ordnungsgemäße Rückgabe der Flächen geknüpft. Die dafür nötigen Instandsetzungsarbeiten müsse BHV Marais auf eigene Kosten ausführen. Diese Verpflichtung habe das Kaufhaus bislang nicht erfüllt.

Der Geschäftsführung fehle damit das Geld sowohl für die geplanten Investitionen in die Neuausrichtung als auch für die Begleichung von Altschulden. Ob Brookfield die Entschädigungen tatsächlich schuldet, ist offen.

BHV Marais will Sanierung unter gerichtlichem Schutz fortsetzen

In der Zwischenzeit soll der Betrieb weiterlaufen. Das Kaufhaus bleibt geöffnet, die Führung hält an ihrem Plan zur Wiederbelebung fest. Über die Eröffnung des Verfahrens war bis Redaktionsschluss noch nicht entschieden.

Mit der Eröffnung würden Altschulden eingefroren. Lieferant:innen genießen für Forderungen, die erst danach entstehen, besonderen rechtlichen Schutz. Laut BHV Marais ist das ein wichtiges Signal an Marken, die ins Haus zurückkehren sollen.

Zusätzlich belastet wurde die Liquidität nach Angaben der Kaufhausleitung durch Ausschreitungen im Anschluss an eine Demonstration im Oktober, bei denen das Erdgeschoss geplündert worden sei. Das bestätigte auch der Präsident des französischen Modehandelsverbands Fédération Nationale de l'Habillement (FNH) gegenüber FashionUnited.

„Das gerichtliche Sanierungsverfahren ist ein technischer Rahmen. Es ist ein strategischer Schritt im Restrukturierungsplan und eine wohlüberlegte Entscheidung für das Bestehen und die Wiederbelebung des Unternehmens“, betont Cottendin. Für November kündigt er die Rückkehr von rund 40 Marken sowie die Eröffnung von Pop-up-Stores an.


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