Stationärer Handel erwartet Schließungswelle
Geht man in diesen Tagen durch die Einkaufsstraßen der Republik, könnte man fast meinen, der stationäre Handel befindet sich in einem goldenen Zeitalter. Überall drängen sich wahre Menschenmassen durch die Kaufhäuser und Boutiquen, es wird gekauft und umgetauscht als gäbe es kein Morgen. Leider ist dieser Zustand nur eine Momentaufnahme, denn im Großen und Ganzen geht es den Ladenbesitzern schlecht, vor allem im Modehandel.

Kurzfristig hebt der Run auf die Geschäfte zwar durchaus die Stimmung, die laut KfW-Vorstandsmitglied Ingrid Hengster derzeit „so gut wie lange nicht“ sein soll. Auf lange Sicht scheint der stationäre Einzelhandel jedoch weiter im Abwärtstrend festzustecken. Das Institut der Handelsforschung geht in seiner aktuellen Prognose sogar davon aus, dass bis zum Jahr 2020 bundesweit rund 45.000 Geschäfte schließen werden.

Einer der Gründe für die Krise ist der Umstand, dass immer mehr Kunden online einkaufen. Mittlerweile sei immerhin vielen Händlern bewusst, dass sie sich der Konkurrenz aus dem Internet stellen müssen, wenn sie überleben wollen, so Hengster gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Der Handel“. Viele Händler mit Ladengeschäften investieren deshalb bereits in den Ausbau ihrer Onlineaktivitäten und versuchten, ihre Absatzkanäle zu verschmelzen: „Omnichannel ist ein wichtiges Thema", weiß Hengster. „Mir begegnet kaum noch ein Händler, der nicht parallel beide Kanäle austestet oder bereits anbietet."

Vor allem Familienbetriebe bedroht

Neben der sich weiter verschärfenden Wettbewerbslage durch die stets wachsende Anzahl an Onlineanbietern macht den niedergelassenen Händlern auch ein hausgemachtes Problem zu schaffen. Dabei geht es nicht um Konkurrenzdruck von außen sondern um die Fortführung von Familienbetrieben. „Bis 2018 suchen gut 600.000 mittelständische Unternehmer einen Nachfolger. Dahinter stehen rund vier Millionen Arbeitsplätze und wichtiges Know-how", warnt Hengster. Wenn die Übergabe in familienfremde Hände bevorstehe, sinke die Investitions- und Innovationsneigung - schlecht für den Substanzerhalt des Unternehmens und damit die Arbeitsplätze. Deshalb müssten Unternehmer mindestens drei Jahre vor der tatsächlichen Übernahme auf die Suche nach einem Nachfolger gehen, mahnt die KfW-Vorständin.

Gerade angesichts der stets wachsenden Herausforderungen, der wirtschaftlichen Risiken und der allgemein sinkenden Stimmung im Einzelhandel wird sich die Suche nach patenten Nachfolgern für alternde Ladenbesitzer wohl auch in Zukunft nicht einfacher gestalten. Vor allem bei inhabergeführten Unternehmen dürfte sich die Lage daher in den kommenden Jahren weiter verschlechtern, was die bereits eingeleitete Umwälzung der Innenstädte in Marken-Monokulturen weiter beschleunigen dürfte.

Foto: Anna-Lena Ramm / pixelio.de

 

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