Studie: Mehr als die Hälfte der Deutschen kauft per Smartphone

Global gesehen sind die Deutschen immer noch recht zurückhaltend, was das Einkaufen per Mobiltelefon angeht. Doch sie holen auf: Mittlerweile hat über die Hälfte der hiesigen Verbraucher schon einmal das Smartphone zum Shoppen genutzt – und in wenigen Jahren wird das für die große Mehrheit vermutlich ganz alltäglich werden. Das geht aus der vom Wirtschaftsprüfungs- und Beraterhaus Price Waterhouse Cooper (PwC) erarbeiteten Studie „Total Retail 2016 – Der Wettlauf um Relevanz“ hervor, deren Ergebnisse nun vorgestellt wurden.

Der Anteil der Deutschen, die noch nie mit dem Smartphone eingekauft haben, ist demnach im Laufe der vergangenen vier Jahre von siebzig auf 48 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum sind immer mehr Verbraucher hierzulande dazu übergegangen, das Telefon regelmäßig als Shoppinginstrument einzusetzen: 35 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal im Monat Waren per Smartphone zu bestellen. Vor vier Jahren waren es lediglich elf Prozent gewesen.

Noch hegen viele deutsche Verbraucher Sicherheitsbedenken

Trotz der hohen Zuwächse sind die Deutschen beim Mobile Shopping aber im internationalen Vergleich noch eher konservativ. So tätigen in China bereits 66 Prozent der Verbraucher mindestens einmal monatlich Käufe mit dem Smartphone. Die Experten von PwC sehen die Chinesen hier in einer Vorreiterrolle: „Das Einkaufsverhalten der chinesischen Konsumenten ist dem der deutschen Verbraucher um etwa drei bis vier Jahre voraus.“

Noch verhindern Mentalitätsunterschiede eine weitere Verbreitung des mobilen Shoppings hierzulande. Anders als die Chinesen hegen die Deutschen nach wie vor Sicherheitsbedenken: Sie sind skeptisch, dass ihre Kontodaten beim Bezahlen per Smartphone hinreichend geschützt werden. Außerdem fehlt es hierzulande an der nötigen digitalen Infrastruktur: Die Marktforscher von PwC verwiesen etwa darauf, „dass mobile Bezahlverfahren in Deutschland noch nicht flächendeckend angeboten werden“.

Doch gerade unter jüngeren Verbrauchern wächst auch in Deutschland die Neigung zum mobilen Einkauf. Und so sehen die Experten in diesem Vertriebsweg mittelfristig großes Potenzial: „Bis zum Jahr 2020 wird Mobile Shopping voraussichtlich für 75 Prozent der Käufer zumindest in ausgewählten Produktkategorien selbstverständlich zum Alltag gehören“, erklärten sie. Zu den begehrtesten Artikeln, die per Smartphone bestellt werden, zählen schon jetzt Mode und Schuhe. In den Zahlen digitaler Pioniere aus der Branche schlägt sich das bereits nieder: Unternehmen wie die Online-Versender Yoox Net-A-Porter und Zalando oder das Luxusmodehaus Burberry, die den Ausbau mobiler Shopping-Angebote in den vergangenen Jahren forciert haben, erzielten über diesen Vertriebsweg zuletzt weit überdurchschnittliche Zuwächse.

Stationäre Händler müssen angesichts der digitalen Konkurrenz mit Beratung und Ambiente punkten

Trotz der steigenden Vorliebe für den bequemen Smartphone-Einkauf und der wachsenden Bedeutung sozialer Netzwerke bei der Auswahl spielt der traditionelle Stationärhandel aber auch beim jungen, technikaffinen Publikum eine wichtige Rolle – wenn er sich denn auf seine ureigenen Vorteile besinnt und bestimmte Kriterien erfüllt. „Voraussetzung für den stationären Kauf ist, dass Kunden im Geschäft gut beraten werden und ein besonderes Einkaufserlebnis erwarten dürfen, etwa durch ein ansprechendes Ambiente“, erklärten die Marktforscher. Letztlich kommen auch sie zu dem Schluss, der seit dem Beginn der digitalen Revolution im Einzelhandel fast schon zum Mantra geworden ist: Das Zauberwort heißt Omni-Channel.

So rät Gerd Bovensiepen, der Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC, Einzelhändlern zur „konsequenten Verzahnung aller Shopping-Kanäle“. Das Ineinandergreifen virtueller und realer Angebote sei inzwischen besonders wichtig für die Kundenbindung geworden. „Kunden kombinieren heute online und offline, um sich umfassend zu informieren. Omni-Channel ist daher zur Erfolgsformel für den Handel geworden“, so Bovensiepen.

Foto: obs/stylefruits GmbH/Copyright: ponsulak/shutterstock
 

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