Trotz eingetrübter Stimmung: Handel erwartet Rekordjahr

Obwohl die Verbraucherstimmung in Deutschland seit geraumer Zeit im Sinkflug ist, erwartet der Einzelhandel ein Top-Ergebnis für das laufende Geschäftsjahr. „Die Arbeitsmarktdaten sind gut, die Realeinkommen steigen und die Preissteigerungen sind moderat. Deshalb rechnen wir im deutschen Einzelhandel in diesem Jahr mit einem nominalen Umsatzwachstum von 2,7 Prozent“, so der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser.

471 Milliarden Euro will die Branche 2915 umsetzen, so viel wie noch nie. Wie bereits in den vergangenen Jahren zeigt sich dabei vor allem der Online-Handel als Wachstumsmotor. So werden im Internet 2015 voraussichtlich Waren im Wert von 41,7 Milliarden Euro umgesetzt, was einem Plus von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspräche.

Ursprünglich hatten die deutschen Einzelhändler befürchtet, dass sich die Unsicherheit der Verbraucher angesichts der Flüchtlingskrise und schwächelnder Weltwirtschaft direkt auf das kaufverhalten auswirken wird. Allerdings scheint derzeit genau das Gegenteil der Fall zu sein: Je unsicherer die Zukunftsaussichten, desto stärker liegt der Fokus auf der Gegenwart und darauf, sich in den unruhigen Zeiten etwas zu gönnen. Ein Umstand, von dem gerade auch der Modehandel profitieren dürfte. Dass auch das Geschäft mit Bekleidung und Schuhen boomt, zeigt die aktuelle Preisentwicklung. Die Verbraucherpreise in diesem Segment sind nämlich zuletzt um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.

Kein Grund zur Euphorie

Nun blasen die Händler zum Schlussspurt für das laufende Geschäftsjahr und setzen auf ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft. „Wir rechnen damit, dass die Branche auch im vierten Quartal den Jahrestrend bestätigen wird und ihren Umsatz nennenswert steigert“, so HDE-Mann Sanktjohanser. Er erwartet, dass die Händler in den beiden letzten Monaten des Jahres 1,7 Milliarden Euro oder zwei Prozent mehr umsetzen. Damit würde das Weihnachtsgeschäft ein Volumen von 86,7 Milliarden Euro erreichen. Der Online-Handel soll dazu knapp über elf Milliarden Euro beisteuern und sich so auch im Weihnachtsgeschäft um zwölf Prozent steigern.

Die beiden letzten Monate des Jahres sind in gleichem Maße für den stationären wie für den Online-Handel mit hohen Erwartungen verbunden. So erzielt der stationäre Handel knapp 19 Prozent, der E-Commerce gut 25 Prozent seines Jahresumsatzes im November und Dezember.

Grund für Euphorie sehen Experten wie Sanktjohanser jedoch trotz des aktuellen Booms nicht. Schließlich verlaufe das Wachstum trotz der außerordentlich guten Rahmenbedingungen ohne große Dynamik. Die Zukunftsprognose des HDE fällt daher auch eher zurückhaltend aus. Er weiß: „Das Wachstumspotential im Einzelhandel bleibt überschaubar.“

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

 

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