Warm anziehen: Konsumklima kühlt sich weiter ab

Dem deutschen Einzelhandel stehen wohl schwere Monate bevor. Nach einem fast schon generischen Dauerhoch trübt sich der wirtschaftliche Optimismus derzeit immer mehr ein, und die Verbraucher scheinen immer weniger Lust zu verspüren, Geld auszugeben.

Laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), sorgt aktuell vor allem die anhaltende Flüchtlingskrise für Verunsicherung bei der deutschen Bevölkerung. Dies hat zur Folge, dass die Konjunktursorgen größer und die Anschaffungsneigung geringer werden. Zwar fällt das Minus hier im Oktober mit 9,3 Punkten etwas weniger stark aus als im Vormonat mit 10,2 Punkten, dafür rutscht die Konjunkturerwartung aber zum ersten Mal seit Mai 2013 mit minus 2,9 Zählern unter die Nulllinie, also unter ihren langjährigen Durchschnittswert.

Der kontinuierliche Rückgang der Konjunkturaussichten geht einher mit der Befürchtung vieler Bundesbürger, dass sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten verschlechtern wird. So geben im Oktober etwa 44 Prozent der von der GfK Befragten an, dass sie davon ausgehen, dass die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten stark steigen bzw. steigen wird. Noch im Juli lag dieser Anteil nur bei 22 Prozent. Dagegen erwarten nur noch zehn Prozent eine sinkende Arbeitslosigkeit.

Angst vor Jobverlust bestimmt Shoppingverhalten

Immerhin trotzen die Einkommenserwartungen derzeit noch den stetig größer werdenden Konjunktursorgen. Nach zwei Rückgängen in Folge verharrt der Indikator im Oktober bei 47,7 Punkten. Dies ist exakt der gleiche Wert wie im Vormonat. Bei der Einschätzung der eigenen finanziellen Lage stützen sich die Verbraucher offenbar vor allem auf die deutlichen realen Einkommenszuwächse. Die Inflationsrate tendiert gegen Null, was die Kaufkraft der Konsumenten stärkt. Dies erklärt das überaus hohe Niveau des Indikators. Hinzu kommen Meldungen, wonach die Rentenversicherung schätzt, dass die gesetzlichen Renten im kommenden Jahr aufgrund der momentanen sehr guten Lohn- und Gehaltsentwicklung um bis zu fünf Prozent steigen könnten.

Trotzdem muss auch die Anschaffungsneigung im Oktober Einbußen hinnehmen. Mit einem Minus von 4,5 Zählern sind die Verluste hier jedoch noch vergleichsweise gering. Was dem Handel Mut machen könnte: Die Konsumfreude scheint bei der deutschen Bevölkerung noch immer sehr ausgeprägt. Vor allem stabile Beschäftigungsverhältnisse sowie spürbar steigende Einkommen seien dafür die wesentlichen Stützen, so die GfK.

Die positive Stimmung zeigt sich aber auch in der Realität. Nach den ersten vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Entwicklung im Einzelhandel ist der Umsatz im August real und nominal um jeweils 2,5 Prozent gegenüber August 2014 gestiegen. Für die ersten acht Monate dieses Jahres steht sogar ein reales Plus von 2,8 Prozent im Vorjahresvergleich zu Buche. Allerdings fließt lediglich etwa ein Drittel des verfügbaren Einkommens der Verbraucher in den Einzelhandel. Den Rest des Geldes geben sie für Freitzeitangebote, Urlaub, Versicherungen oder Dienstleistungen aus.

Noch ist also keine Panik unter den Verbrauchern ausgebrochen und gerade der Modehandel kann auf ein gutes Weihnachtsgeschäft hoffen. Sollte sich die Tendenz der vergangenen Monate jedoch weiter verfestigen, droht zu Beginn des neuen Jahres eine dicke Flaute. Sollte sich die Verunsicherung hinsichtlich der Arbeitsmarktentwicklung weiter verstärken und die Beschäftigten zunehmend Angst um ihren Job bekommen, wird dies der Konsumfreude einen deutlichen Dämpfer versetzen. Furcht vor Jobverlust lässt die Planungssicherheit bei den Konsumenten schwinden. Dies dürfte nicht nur größere Anschaffungen beeinträchtigen sondern auch dem Modehandel einen erneuten Rückschlag versetzen. Gewinner wären in diesem Fall einmal mehr die Textildiscounter, die bereits seit Jahren Kunden aus dem angestammten Modehandel abziehen.

Foto: Karin Jung / pixelio.de

 

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