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Window Shopping 2.0: Visuelles Konzept vs. Interaktivität

Von Gastautor:in

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Einzelhandel

AR Mirror-Software von Zero10 Bild: Zero10

Im Laufe der Jahre hat sich das Schaufenstergeschäft seit seinen Anfängen im 18. Jahrhundert stark verändert. Die Konzepte haben sich ständig weiterentwickelt, beeinflusst durch Veränderungen im Verhalten der Verbraucher:innen, kulturelle Aspekte, den Aufstieg neuer Technologien und andere soziale Faktoren. Lassen Sie uns den Wandel von praktischen, statischen Produktdisplays hin zu den immersiven AR-Schaufenstererlebnissen, die heute geboten werden, untersuchen.

Geschrieben von
George Yashin, Gründer & CEO von Zero10, ein Technologieunternehmen, das sich auf fortschrittliche AR- und KI-Lösungen spezialisiert hat, die Interaktivität, Engagement und Innovation für den Einzelhandel, die Unterhaltungs- und die Sportbranche bieten.

Schaufensterbummel und Festtage

Der Schaufensterbummel wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Zuge der Industrialisierung und des Wirtschaftswachstums populär. Die Einführung von Schaufenstern aus Glas ermöglichte es Kaufhäusern, ihre Waren zu präsentieren und die Passant:innen zum Betreten des Geschäfts zu bewegen. Harry Gordon Selfridge, der Gründer von Selfridges in London, war ein Pionier auf diesem Gebiet. Er nutzte seine Schaufenster zur Präsentation von Waren und Kriegsnachrichten und machte sie so zu einer Attraktion der Stadt.

Schaufensterauslagen haben Einzelhändler:innen neue Möglichkeiten eröffnet, um in der Weihnachtszeit Käufer:innen anzuziehen. Ihre Bemühungen, die Kundschaft mit festlichen Auslagen zu überraschen, haben das Stadtbild der Großstädte verändert und ihre Straßen im November und Dezember zu beliebten Zielen gemacht.

Macy's in New York war das erste Kaufhaus, das eine innovative Schaufensterdekoration mit einem mechanischen Weihnachtsmann vorstellte, die die Medien begeisterte und Zuschauer:innen aus der ganzen Stadt anzog. Saks Fifth Avenue trieb diesen Trend mit seiner „Schaufenster-Enthüllung“ weiter voran und machte sie zu einem festlichen Ereignis.

Verschmelzung von Kunst, Innovation und Einzelhandel

Im Laufe des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Geschäft mit den Schaufensterauslagen von einer reinen Produktpräsentationstaktik zu einer Form des künstlerischen Ausdrucks und zur Vorstellung neuer, innovativer Ideen. Es wurde zu einem kulturellen Phänomen, das Trends setzte und zeitgenössische Tendenzen widerspiegelte.

Einzelhändler:innen begannen, ihre Schaufenster zu diversifizieren und je nach Jahreszeit, wichtigen kulturellen Ereignissen oder verfügbaren Waren unterschiedliche Installationen zu schaffen. Viele arbeiteten mit berühmten Designer:innen zusammen, um bemerkenswerte Installationen zu schaffen. Bekannte Beispiele sind die Schaufenster von Gene Moore bei Tiffany & Co. und Barney's, die von Simon Doonan gestaltet wurden.

Große Kaufhäuser setzten weiterhin Trends bei der Schaufensterdekoration und griffen dabei immer wieder auf Innovationen zurück. Macy's, Bergdorf Goodman und Tiffany & Co. nutzten die damals verfügbaren Technologien wie Animatronik, synchronisierte Beleuchtung und Projektionen, um in ihren Schaufenstern eindrucksvolle und dynamische Szenen zu schaffen.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts erforschten viele Einzelhändler:innen weiterhin Innovationen und verschmolzen die Welten der Mode und der neuen Technologien. In den 2000er Jahren begann Selfridges, Videobildschirme in seine Schaufenster einzubauen. Im Jahr 2010 erstaunte die Kaufhauskette die Öffentlichkeit mit der Einführung von Touchscreen-Displays, auf denen Passanten virtuelle 3D-Uhren ausprobieren konnten.

Ralph Lauren war ein früher Anwender der holografischen Technologie und projizierte lebensgroße Szenen aus dem Boxsport in die Schaufenster der Polo Ralph Lauren-Boutique in New York. Harrods installierte LCD-Bildschirme in seinen Schaufenstern, um Produktinformationen anzuzeigen, während Bergdorf Goodman Bewegungssensoren verwendete, um Animationen und Lichter zu aktivieren, wenn Passanten vorbeikamen.

Die Zukunft des Schaufensterbummels ist da

Die 2020er Jahre haben mit der Dominanz des Onlineshoppings und fortschrittlichen Technologien wie Augmented Reality (AR) und künstlicher Intelligenz (KI) neue Herausforderungen für den Einzelhandel mit sich gebracht. Die Pandemie beschleunigte den digitalen Wandel und machte deutlich, dass ein schönes Geschäft nicht mehr ausreicht, um Besucher:innen anzuziehen. Moderne Verbraucher:innen sehnen sich nach starken Emotionen und Unterhaltung - zwingende Gründe, den Komfort ihres Zuhauses zu verlassen und physisch einkaufen zu gehen.

Diese neue Ära bedeutete den Aufstieg des „Retailtainment“ - ein Konzept, das den traditionellen Einzelhandel mit Unterhaltung verbindet. Es geht über den traditionellen Schaufensterbummel hinaus und zwingt Einzelhändler:innen dazu, technologische Innovationen zu nutzen, um die Kundschaft auf unerwartete Weise anzusprechen.

Intelligente Spiegel mit AR-Funktionen haben sich schnell zu einem der beliebtesten Instrumente des modernen Merchandising entwickelt, das Tradition und Innovation nahtlos miteinander verbindet und Kund:innen aller Altersgruppen Unterhaltung bietet. Im Jahr 2023 feierte Lego die Weihnachtszeit, indem es „magische Spiegel“ in den Schaufenstern seines Geschäfts in New York installierte, mit denen Besucher:innen eine virtuelle Schneeballschlacht spielen konnten.

Coach nutzte die von Zero10 entwickelte AR-Anprobetechnologie und platzierte einen AR-Spiegel im Schaufenster, in dem sich Passanten samt It-Bag aus der neuesten Kollektion der Marke sehen konnten, ohne das Geschäft zu betreten.

Neue Technologien haben sich über das traditionelle Schaufenster-Merchandising hinaus durchgesetzt und ermöglichen es Einzelhändler:innen, auf neuen Ebenen zu experimentieren. Die virale Zusammenarbeit zwischen Louis Vuitton und Yayoi Kusama bestand aus einer gigantischen Roboterstatue der Künstlerin selbst, die die Wand des Louis Vuitton-Flagshipstores in Paris zierte. In ähnlicher Weise ist die koreanische Brillenmarke Gentle Monster für ihre künstlerischen Verkaufsräume mit modernen Kunstobjekten und Robotern bekannt geworden, die mit den Kund:innen interagieren.

In Zukunft wird die Verschmelzung von Kunst, Technologie und Einzelhandel die Entwicklung des Schaufensterbummels weiter vorantreiben. Wenn Marken die Grenzen der Kreativität und des Experimentierens erweitern, können wir noch mehr bahnbrechende Displays erwarten, die die Art und Weise, wie wir einkaufen und mit unserer Umgebung interagieren, verändern werden.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.uk. Übersetzt und bearbeitet von Simone Preuss.

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