Gleich neun deutsche Wirtschaftsverbände haben genug von der Schließung nicht-essentieller Geschäfte, die genau vor einem Monat eingeleitet wurde. Der Handelsverband Deutschland (HDE), der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Die Familienunternehmer e. V., Die Jungen Unternehmer, der Markenverband, der Gesamtverband Textil + Mode, der VKE-Kosmetikverband, der Verband Cosmetic Professional (VCP) e. V. und der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft e. V. fordern alle eine Lockerung des Shutdowns. Einer Verlängerung unter den bisherigen Auflagen stehen sie kritisch gegenüber.

„Wir brauchen einen schnellen Exit aus dem Shutdown. Dabei darf es keine Rolle spielen, ob die Geschäfte groß oder klein sind, entscheidend muss sein, dass sich jedes Unternehmen an die Sicherheits- und Hygienebedingungen hält. Insofern müssen die Öffnungen für Betriebe aller Branchen und Größen gelten, sofern diese die Kriterien erfüllen“, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Verbände, die die Interessen von mehr als 400.000 Unternehmen mit mehr als 7 Millionen Mitarbeitern vertreten.

Handel befürchtet Wettbewerbsverzerrung und Rechtsunsicherheiten

Die angesprochene Entscheidung von Bund und Ländern, zunächst nur Geschäfte bis zu einer Größe von 800 Quadratmetern wieder zu öffnen, stößt im Handel derzeit auf scharfe Kritik. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, befürchtet, dass dies zu „Wettbewerbsverzerrungen und Rechtsunsicherheiten“ führen werde, während der Handelsverband Textil (BTE) von einer „willkürlichen Einteilung“ spricht, die große Geschäfte benachteilige.

Man könnte ja auch argumentieren, dass es sinnvoller sei, zunächst größere Geschäfte wieder zu eröffnen, da diese mehr Chancen bieten, den geforderten Sicherheitsabstand einzuhalten und Kunden die Möglichheit haben, sich besser zu verteilen.

Unternehmen steht Überschuldung und Insolvenz bevor

Die Wirtschaftsverbände führen zudem an, dass sehr viele Unternehmen schon seit Wochen mit Hilfskrediten und Stundungen von Steuern und Sozialabgaben über Wasser gehalten werden. „Aber das müssen sie alles demnächst wieder zurückzahlen. Deshalb rutschen sie mit jedem weiteren Tag des Shutdowns erst in die Überschuldung und dann in die Insolvenz. Das kann weder den Mitarbeitern zugemutet werden, die dann von Kurzarbeit in Arbeitslosigkeit geraten, noch kann unsere Volkswirtschaft das aushalten“, warnen sie.

Sie fordern deshalb, den Shutdown für alle Geschäfte, egal welcher Größe, bereits in der kommenden Woche und nicht erst Anfang Mai unter strengen Hygienebedingungen wieder zu lockern. Sie fügen an, dass Bürger inzwischen bereits durch die Erfahrung in Supermärkten, beim Bäcker und im Baumarkt an Sicherheitsvorschriften und Hygieneregeln gewöhnt seien und diese möglichst bundesweit und branchenübergreifend einheitlich gelten und eventuell „mit klaren Sanktionen unterlegt“ werden sollten.

Und generell beim Einkaufen nicht angehustet, angeniest, im Schlussverkauf geschubst oder an der Kasse gedrängelt zu werden, ist doch ein wahrlich paradiesischer Zustand, der sich hoffentlich auch nach der Pandemie durchsetzen wird. Dem stationären Einzelhandel könnte es nur nutzen.

 

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