Zara und H&M setzen im Kampf um Online auf Ladengeschäfte

Logistikinvestitionen, neue Technologien, Same Day Delivery… Angesichts der heftigen Online-Konkurrenz von Amazon versuchen die preisgünstigen Modegiganten Zara und H&M, sich zur Wehr zu setzen, indem sie ihre Stores zu nutzen, um die Internetumsätze anzukurbeln.

Nur dünne Trennwände teilen 15 kleine Fotostudios ab, die ausschließlich zur Aktualisierung der Webseite in einer Ecke von Zaras riesigem Hauptquartier in der Nähe von A Coruña im Nordwesten Spaniens eingesetzt werden. Unter einer konstanten Flut von Kamerablitzen werfen sich die Models in Pose um Pose, um sieben Fotos zu erhalten, die das Kleidungsstück aus allen Blickwinkeln zeigen. Insgesamt werden zweimal pro Woche 1.500 Fotos online gestellt, um der Geschwindigkeit zu entsprechen, mit der Kleidungsstücke in die Geschäft geliefert werden.

Amazon und Alibaba sind die neue Konkurrenz

„Online-Umsätze werden zu einem Element, das wesentlich zum Wachstum des Unternehmens beiträgt“, erklärt Pablo Isla, CEO der Inditex-Gruppe, zu der das Unternehmen Zara und auch andere Marken wie Massimo Dutti gehören. Er präsentierte im März die Jahresergebnisse der Gruppe. Im Jahr 2017 machte Online nur zehn Prozent des Umsatzes aus, eine Information, die nach Jahren der Geheimhaltung über diesen wichtigen Sektor des Unternehmens, in den Inditex erst 2010 eintrat, überrascht. Sergio Avila Luengo, Analyst bei IG Markets, sagte: „Mehr Sichtbarkeit online“ stelle die größte Herausforderung für Inditex dar, wenn es" langfristig wettbewerbsfähig "bleiben wolle.

Weiter stellte er fest, dass der Einzelhandelsriese 2017 wegen der Konkurrenz des Online-Händlers Amazon, der alles von Büchern bis zu Klamotten verkauft, erstmals Schwierigkeiten gehabt habe, seine Waren loszuwerden. H&M, der Erzrivale von Inditex, hat erkannt, dass sein Gewinnrückgang im Jahr 2017 zu einem großen Teil auf den Online-Wettbewerb zurückzuführen ist. Der Bekleidungsmarkt „befindet sich im Umbruch“, sagte H&M-CEO Karl Johan Persson im Februar. „Es passiert schnell und es stellt alle vor Herausforderungen. Wir wissen, dass die großen Online-Plattformen, ich denke an Amazon und Alibaba, unsere Branche stark beeinflussen“, sagte er und fügte hinzu, dass kleinere Nischen-Shops als Konkurrenz ebenfalls „nicht zu unterschätzen“ seien.

In den Vereinigten Staaten war Amazon im Jahr 2016 der Top-Anbieter von Kleidung online. Das Unternehmen setzt elf Prozent des globalen Bekleidungsmarktes um. Dieser Anteil wird laut den von Bloomberg gesammelten Daten bis 2020 auf 19 Prozent ansteigen. Auch das deutsche E-Commerce-Unternehmen Zalando und der britische Onlinehändler Asos konnten ihre Online-Umsätze in Europa zwischen 2012 und 2015 um jeweils 25 Prozent und 34 Prozent steigern.

Große logistische Herausforderung

Angesichts dieser Konkurrenz hat H&M im Jahr 2017 etwa 45 Prozent seiner Investitionen in das Internet gesteckt: In ein neues Fotostudio und personalisierte Apps für seine Kunden - das entspricht fast 600 Millionen Euro (736 Millionen Dollar). Inditex investiert ebenfalls, will aber nicht verraten, wie viel. Beide Unternehmen bieten nach und nach die Möglichkeit der Lieferung von Online-Bestellungen am nächsten oder sogar am selben Tag an, ebenso wie die Möglichkeit, Kleidung einfach im Laden abzuholen und zurückzugeben. Diese Dienstleistungen könnten für die Kunden von entscheidender Bedeutung sein, stellen jedoch eine große logistische Herausforderung dar, insbesondere im Hinblick auf Amazon. Das Unternehmen verfügt bereits über eine viel größere Logistikstruktur, die schon an verschiedenste Produkte angepasst ist, so IG Markets-Analyst Avila Luengo

Als Gegenangriff hat Inditex 19 Warenhäuser weltweit eröffnet, die ausschließlich dem Internet vorbehalten sind und wie Geschäfte verwaltet werden. H&M will diesem Vorbild bald folgen. Beide nutzen auch ihre Tausende von Geschäften für die Kundenbelieferung. Wenn E-Commerce in neuen Märkten eingeführt wird, „erreichen wir schnell Rentabilität“, sagte H&M-Finanzdirektor Jyrki Tervonen den Investoren im Februar. Er sagte, dies sei „der Tatsache geschuldet, dass wir bereits ein Händlernetz haben und eine bekannte Marke sind, die von den Verbrauchern geschätzt wird."

Inditex hat viel in die Renovierung seiner Geschäfte investiert und die kleineren darunter zugunsten großer Flagship-Stores in den Stadtzentren geschlossen. Beide Gruppen implementieren Systeme, um zu vermeiden, dass ein Einkauf abgebrochen wird, weil beispielsweise die Größe für einen Kunden nicht verfügbar ist. Sie teilen ihm stattdessen mit, dass der Artikel online noch verfügbar ist. Gildas Minvielle, Leiter der Wirtschaftsbeobachtung am Französischen Modeinstitut, sagte, die Strategie der beiden bestehe darin, ihre Verkaufsmethoden zu kombinieren. „Händler, die ihren stationären Handel und ihr Online-Angebot ausbauen, schneiden ziemlich gut ab", sagte er. (AFP)

Foto: by Ibrahim Boran von Pexels

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

 

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