70 Jahre Freundin - auf Zeitreise durch ein deutsches Frauenleben

Die #Metoo-Bewegung hat gezeigt, dass Frauen noch einige Kämpfe zu kämpfen haben, bevor die Gleichberechtigung in allen Köpfen angekommen ist. Manchmal lohnt sich aber auch ein Blick zurück auf jene Kämpfe, die schon ausgefochten wurden. Ein guter Reminder ist „Petticoat, Dauerwelle, Schulterpolster - mit Freundin auf Zeitreise“, herausgegeben vom Prestel-Verlag, das ein Kapitel nachkriegsdeutscher (Frauen-)Geschichte aufzeigt. Immer mit dabei: das Magazin Freundin, das in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert.

Im Vorwort von Freundin-Chefredakteur Nikolas Albrecht wird bereits definiert, wie sie, die Freundin, sein soll: „freundlich, schlau, unterhaltsam, oft lustig, manchmal nachdenklich, immer auf Augenhöhe, nie distanziert.“ Diese Rolle übernahm das Magazin für viele Frauen in Westdeutschland ab dem 5. Juni 1948. Das Frauenmagazin bildet den Wandel der Rolle der Frau und die Themen ab, die sie über die vergangenen Jahrzehnte beschäftigt haben: Mode, Schönheit, Rezepte, Fitness, Job und Freizeitgestaltung.

Die Mode spiegelt das jeweilige Zeitgeschehen wider

Die Moden im Wandel, das zeigt das Buch wie im Zeitraffer: 50er Jahre Weiblichkeit mit Petticoat-Kleidern mit Blumenmuster; die 60er mit Minikleidern im Mondrian-Stil; die 70er Jahre mit Herrenanzügen und Overalls für die Damen oder mit Disco-inspirierten Kleidern; die 80er mit Power-Looks und Schulterpolstern oder Aerobic-inspiriert sportlich; die 90er mit der Girlpower der Spice Girls und schließlich die 2000er mit einem Frauenbild, das Job und Privates unter einen Hut bringen will.

70 Jahre Mode heißt auch 70 Jahre Zeitgeist

Modedesigner Guido Maria Kretschmer

Auch das Schönheitsideal wandelt sich mit den Jahren. „Natürlichkeit“ bedeutet in jedem Jahrzehnt etwas anderes: in den 60er Jahren gehört dazu ein starker Lidstrich und Fake-Wimpern, in den 90ern ist Claudia Schiffer das Vorbild für natürliche Schönheit, 2008 dreht sich im Segment Beauty alles um Bio-Produkte. Ob Strähnen selber färben, Locken wickeln oder Nägel mit Strasssteinen bekleben - Freundin weiß in jedem Jahrzehnt, wie’s geht.

Hinten sind Rezepte drin

In den Anfangsjahren sind die Rezepte besonders aufwändig, kalorienreich und fleischreich (Rindfleisch, Huhn oder Krabben in Aspik; Pasteten; gefüllte Champignons), um als Hausfrau bei Gästen Eindruck zu schinden. Dies ändert sich mit dem zunehmenden Arbeitseintritt der Frau. Das neue Ziel sind Rezepte, die schnell gehen und gesund sind. Auch der Sport wandelt sich: In den frühen 60ern wird noch „gehopst“ und Handgymnastik praktiziert, später geht es ans Eingemachte: Jazz-Tanz in den 70ern, Gymnastik in den 90ern, heute fährt sie „mit dem E-Bike durch Südamerika“.

Arbeitende Frauen als Zielgruppe

Zunehmend werden Frauen vorgestellt, die in „ungewöhnlichen“ Berufen arbeiten: 1953 fragt das Magazin noch sehr zögerlich: „Eine Frau als Chef?“ Modefotografinnen, Frauenreferentin in Washington und Verkäuferin im Kunsthandel werden schon Anfang der 60er gezeigt. Dann folgen 1987 „Frauen, die am Computer arbeiten“, dann, 1994 eine Astronautin.

Egal ob Mode oder Beauty, ob Living, Genuss, Reise oder Psychologie - die Richtung dieser Reise ist die gleiche. Hin zu mehr Freiheit, Individualität, weg vom „Das macht man nicht“, hin zu „Probier doch mal“

Freundin-Chefredakteur Nikolas Albrecht

Petticoat, Dauerwelle, Schulterposter

Mit freundin auf Zeitreise

256 Seiten mit 200 Farbabbildungen

Pappband, 24,0 x 30,0 cm

€ 30,00 [D] / € 30,90 [A] / CHF 41,50

ISBN 978-3-7913-8501-3

Foto: Prestel Verlag

 

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