Ausstellung zu Trademarks im indisch-britischen Textilhandel beleuchtet die vergessene Kunst der Textiletiketten
Das Erste, was man bemerkt, ist die Hitze; sie ist überall, fast greifbar. Dann ist da der ohrenbetäubende Lärm; die Verkäufer versuchen, sich gegenseitig zu übertönen. „Madam, hier, hier, Seide aus Kaschmir, finden Sie nirgendwo anders“ „hier, bitte, mein Stand hat die größte Auswahl.“ Natürlich gibt es auch die Gerüche. Einige sind angenehm, wie der von heißem Chai, andere weniger, wie der Schweiß von Hunderten, wenn nicht Tausenden von Menschen auf engstem Raum. Aber der ästhetische Anblick macht alles wett: Reihen über Reihen von ordentlich gefalteten Stoffballen, einer bunter als der andere. Reiche Seidenstoffe liegen neben einfacher Baumwolle und zartem Musselin.
Und das Beste daran: kein Polyester oder andere künstliche Materialien. Denn wir spazieren durch einen indischen Basar des 19. oder 20. Jahrhunderts. Die berühmtesten und größten befanden sich in Metropolen wie Kalkutta, Bombay, Delhi und Hyderabad. Sie dienten als Umschlagplätze für lokal hergestellte handgewebte Stoffe und importierte britische Textilien.
Wenig bekannt ist, dass jeder Stoffballen ein glänzendes, mehrfarbiges Papieretikett mit verschiedenen Bildern trug – einem tanzenden Elefanten, einer indischen Gottheit, einem Dampfschiff und mehr. Diese Etiketten oder Textiltickets – im Volksmund auch Tikats, Tikas oder Chaaps genannt – waren eine frühe Form des Brandings und der Werbung. Eine aktuelle Ausstellung in Mumbais Bhau Daji Lad Museum widmet sich dieser vergessenen Kunst.
Die Ausstellung „The Art of Trademark in Indo-British Textile Trade”, die noch bis zum 7. Juni 2026 läuft, beleuchtet die Textiltickets, die in Indien für verschiedene internationale Märkte verwendet wurden. Britische Baumwolle war auf den Märkten in Asien, Südamerika, Europa und Afrika präsent. Dort konkurrierte sie mit amerikanischen, schweizerischen, niederländischen und deutschen Unternehmen. Auch indische Spinnereien und Händler:innen waren wichtige Akteur:innen auf dem Weltmarkt.
„Als eine der frühesten massenproduzierten Farbanzeigen auf dem Subkontinent weckten Textiletiketten Begehren, riefen Erinnerungen wach und verliehen dem ansonsten alltäglichen Akt des Handels eine tiefere Bedeutung“, erklärt der Einführungstext der Ausstellung.
„Ihre Designs, oft von informativen Rändern umgeben, zeigten lebendige Bilder – göttliche Figuren, mythologische Szenen, königliche Porträts, politische Symbole und sogar skurrile Tableaus. Diese wurden so gewählt, dass sie mit der lokalen Ästhetik und den Wünschen der Menschen in Einklang standen“, so der Text weiter.
Diese wiedererkennbaren Textiletiketten lockten Kund:innen an, förderten die Markentreue und unterstrichen die wahrgenommene Qualität des Stoffes. Man könnte sie als das Instagram des 19. Jahrhunderts bezeichnen.
Woher stammen Textiletiketten?
Die farbenfrohen Textiltickets kamen zu Tausenden nach Indien. Sie klebten auf meterlangen Baumwollstoffen aus britischen Fabriken, die Indien im 19. Jahrhundert überschwemmten. Dies war das Ergebnis eines kolonialen Wirtschaftskreislaufs: Rohbaumwolle wurde nach Großbritannien verschifft, maschinell zu fertigem Stoff verarbeitet und oft zollfrei wieder nach Indien importiert.
Bis 1870 wurden britische Textilien im Wert von fast 80 Millionen Britischen Pfund (etwa 94,4 Millionen Euro) nach Indien exportiert. Dies führte zum Zusammenbruch der lokalen, traditionellen Weberei-Industrien wie dem Handwebsektor. Später im 19. Jahrhundert wurden jedoch mit britischer Unterstützung Baumwollspinnereien in Indien gegründet, beginnend in Kalkutta und dann 1854 in Bombay. Mit den in lokalen Textilfabriken hergestellten Stoffen folgte bald auch das Design von Textiletiketten, die für diese Fabriken mit heimischen Motiven warben.
Wie wurden Textiletiketten hergestellt?
Textiletiketten sind komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Sie wurden mittels Chromolithografie hergestellt, einer revolutionären Drucktechnik, die den Zugang zu Farbbildern demokratisierte.
Die Chromolithografie nutzt die Tatsache, dass sich Fett und Wasser gegenseitig abstoßen. Ein Design wird mit einem fettigen Stift auf Kalkstein gezeichnet. Dieser Vorgang wird für jede Farbe auf einem anderen Stein wiederholt. Je nach Komplexität des Designs und der Anzahl der verwendeten Farben wurden bis zu zwanzig Steine oder Metallplatten verwendet.
Obwohl der Prozess zeitaufwändig war und Monate dauern konnte, da eine echte Chromolithografie vollständig in Farbe gedruckt wurde, war er schneller als das Kolorieren per Hand. Zudem ermöglichte die Chromolithografie eine weitaus hochwertigere und konsistentere Reproduktion als handkolorierte Drucke.
Marken mussten registriert und in einigen Fällen auch übersetzt werden – ins Englische oder in mehrere indische Sprachen, je nachdem, in welcher Region der Handelsbetrieb oder die Fabrik tätig war. Der Registrierungsprozess war langwierig und umfasste viel Korrespondenz.
Was war die Inspiration für Textiletiketten?
Zeitungen und beliebte Zeitschriften des 19. und 20. Jahrhunderts, voller Farbe, Satire und Humor, prägten die Textiltickets der damaligen Zeit. Künstler:innen erweckten auch verzauberte Märchen und Gedichte aus fernen Ländern zum Leben. Sie schöpften aus so unterschiedlichen Quellen wie Gemälden, illustrierten Manuskripten, Seidenmalereien und Skulpturen sowie Drucken, Fotografien und Postkarten.
Umgekehrt fanden indische Bilder und mythologische Szenen ihren Weg nach Europa. Dort inspirierten sie illustrierte Bücher, Postkarten und heimische Textiletiketten.
Auch die moderne Welt beeinflusste die Bildsprache der Textiletiketten. Schließlich veränderte eine Reihe technologischer Fortschritte wie die Glühbirne, das Telefon und Automobil seit dem späten 19. Jahrhundert die Art und Weise, wie Menschen lebten, arbeiteten, kommunizierten und reisten.
Dies bedeutete auch eine Entwicklung der Werte, Philosophien und der Lebens-, Denk- und Arbeitsweise der Menschen, insbesondere von Frauen. Mode war ein starkes Zeichen für die neue Vorstellung des Ichs, und verschiedene „moderne“ Persönlichkeitstypen wurden auf Textiltetiketten dargestellt.
„Die Tickets zeigten die neuen Räume und Rollen, die Frauen einnehmen konnten, in einer Zeit, in der diese Grenzverschiebung intensive soziale Debatten in Großbritannien und Indien auslöste“, erklärt der Ausstellungstext.
Kein Wunder, dass Textiletiketten bald ihren kommerziellen Zweck überschritten. Sie wurden zu begehrten Sammelstücken und wertvollen Erinnerungen. „Das Textiletikett ist ein Zeugnis dafür, wie Bilder Wahrnehmung, Wert und Begehren formen – ein Wert, der heute so relevant ist wie vor über einem Jahrhundert“, fasst der Begleittext zusammen. „Diese wunderschönen Papieretiketten zeigen uns, wie die Geschichte des Handels, der kolonialen Begegnungen und der Kunstkultur eng miteinander verflochten sind.“
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