Insidertipp: Kunstsammlungen von Mode-Playern

Bei Kollaborationen zwischen Luxusmodehäusern und Künstlern handelt es sich oft um Projekte, von dem alle Beteiligten profitieren. Man denke an die Zusammenarbeit zwischen Louis Vuitton und Künstlern wie Yayoi Kusama, Takashi Murakami oder Jeff Koons - sie sind alle längst Kult, die dabei entstandenen Accessoires haben Sammlerwert. Doch auch im Privaten umgeben sich Designer und Unternehmer, die ihr Geld mit Mode gemacht haben, gerne mit Kunst. Einige von ihnen stellen anschließend ihre Sammlungen der Öffentlichkeit zur Schau. Einige dieser Museen sind weltweit bekannt, andere bleiben eher unter dem Radar. FahionUnited hat einige der spannendsten Kunstsammlungen der Modewelt zusammengetragen.

Yves Saint Laurent Museum, Marrakesch

Yves Saint Laurent und sein Partner Pierre Bergé liebten die marokkanische Stadt, die Mode und die Kunst. Sie verbrachten viel Zeit in ihrem Haus in Marrakesch und dem zugehörigen Jardin Majorelle. Seit Oktober 2017 hat nun das Museum in der „roten Stadt“ geöffnet. Das vom französischen Architektenteam Studio KO gestaltete Gebäude schließt an den botanischen Garten an und beherbergt die Sammlung der Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent, zu der unter anderem 5.000 Kleidungsstücke und 15.000 Accessoires sowie Fotografien und Zeichnungen gehören.

Garage Museum of Contempoarary Art, Moskau

Dasha Zhukova war Chefredeakteurin des Modemagazins Pop, bis sie ihr eigenes Mode- und Kunstmagazin gründete: Garage. Ihr Museum, das sie 2008 ins Leben rief, wurde von Rem Kohlhaas gestaltet, heißt Garage Museum of Contempoarary Art, liegt im Gorki Park und wird als das russische Tate Modern gehandelt. Die Russin, die in den USA studierte und mit Roman Abramowitsch verheiratet war, sitzt außerdem im Board of Trustees des Los Angeles Museum of Contemporary Art (LACMA). Im Museum findet man unter anderem Gemälde von Julien Freud und Francis Bacon.

Fondazione Prada, Mailand

Wer Miuccia Prada ist, muss nicht lange erklärt werden. In einer einstigen Destillerie beherbergt die Fondazione Prada die Prada Collection, die hauptsächlich Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert umfasst. Darunter befinden sich Werke von Künstlern wie Louise Bourgeois, Thomas Demand oder Anish Kapoor.

Zeitz MOCAA, Kapstadt

Jochen Zeitz ist ein deutscher Manager. Er führte als jüngster Vorstandsvorsitzender mit 30 Jahren Puma wieder in die schwarzen Zahlen und wurde nach der Übernahme Pumas durch PPR (heute Kering) dort Mitglied des Board of Directors. Privat hat er eine Leidenschaft für Afrika und spricht unter anderem Swahili. Er sammelt zeitgenössische afrikanische Kunst und hat seine Sammlung als langfristige Leihgabe an das Museum gegeben.

Collection Pinault, Venedig und Paris

Auch François Pinault, zu dessen Unternehmensgruppe Kering unter anderem die Modehäuser Yves Saint Laurent, Gucci und Balenciaga gehören, suchte nach einer neuen Heimat für seine Kunstsammlung in der französischen Hauptstadt. Der Milliardär, dem auch das Auktionshaus Christie's gehört, fand diese in der Bourse de Commerce, nahe Les Halles in Paris. Tadao Ando wird das Gebäude renovieren und Pinault wird Teile seiner Sammlung Ende 2018 von Venedig, wo sie bisher im Palazzo Grassi zu sehen sind, an die Seine holen, darunter Werke von Künstlern wie Mark Rothko, Damien Hirst, Maurizio Cattelan und Cindy Sherman.

Museum Frieder Burda, Baden-Baden und Berlin

Frieder Burda ist der Sohn von Verleger und Druckereibesitzer Dr. Franz Burda und Aenne Burda, die den Burda-Verlag gründeten. 2004 ließ Frieder Burda in seiner Heimatstadt Baden-Baden vom New Yorker Architekten Richard Meier das Museum Frieder Burda erbauen, in der seine Sammlung von Malerei aus dem 20. Jahrhundert untergebracht ist. Seit 2016 gibt es mit dem Salon Berlin eine Dependance in der deutschen Hauptstadt.

Fondation Louis Vuitton, Paris

Die beiden Modemagnate Bernard Arnault und François Pinault stehen nicht nur mit ihren Luxuskonglomeraten im Wettstreit. Auch ihre Kunstsammlungen und deren Ausstellungshäuser sind Teil eines gigantischen Milliardär-Wettstreits. Bernard Arnault steht hinter der Louis-Vuitton-Moet-Henessy-Gruppe, zu der unter anderem die Modehäuser Louis Vuitton, Celine, Fendi, Christian Dior oder Givenchy gehören. Er ließ 2014 das Großprojekt Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne in Paris bauen, der Architekt: Frank Gehry. Unter den Künstlern befinden sich Werke von Gerhard Richter, Thomas Schütte, Pierre Huyghe oder Frank Stella.

Aishti Foundation, Antelias, Libanon

Seit mehr als zehn Jahren sammelt der libanesische Geschäftsmann Tony Salamé mit seiner Frau Elham zeitgenössische Kunst. Im Jahr 2015 eröffnete der Unternehmer, der sein Geld mit einem Modehandelsimperium verdiente, die Ausstellungsfläche für seine Aïshti-Stiftung in Jal el-Dib, Libanon, die vom britischen Architekten David Adjaye entworfen wurde. Die Sammlung beinhaltet Kunstwerke von einflussreichen zeitgenössischen Künstlern wie Lucio Fontana, Alberto Burri, Sol LeWitt oder Cindy Sherman.

Sammlung Goetz

Die Sammlung Goetz ist eine international bedeutende Sammlung zeitgenössischer Kunst in München, die mit einem von Herzog & de Meuron entworfenen und 1993 fertiggestellten Sammlungsgebäude über eigene Ausstellungsräume verfügt. Ingvild Goetz, die Sammlerin und Galeristin, ist die Tochter von Unternehmer Werner Otto, der den Otto-Versandhandel gründete.

KRC Collection, Voorschoten, Niederlande

Die KRC Kollektion im niederländischen Voorschoten gehört Unternehmer Rattan Chadha. Der in Indien geborene Sohn einer wohlhabenden Familie von Stahlproduzenten begann 1971, Kleidung in die Niederlande zu importieren. 1986 gründete er die Bekleidungsmarke Mexx. Im Jahr 2001 verkaufte Chadha den größten Teil des Unternehmens. Neben etablierten Künstlern wie Gilbert & George, Paul MacCarthy und Marlene Dumas präsentiert die KRC Collection auch vielversprechende junge Talente wie Folkert de Jong und Roger Hiorns.

Marciano Art Foundation, Los Angeles

Die Marciano-Brüder gründeten in den frühen 1980er Jahren das Jeanslabel Guess. Ihr Engagement für zeitgenössische Kunst begann etwa zur gleichen Zeit. Im Jahr 2006 begannen sie, Arbeiten aus den 90er Jahren zu sammeln. 2012 erreichten sie einen Punkt, an dem sie ihre Liebe zur Kunst mit der Öffentlichkeit teilen wollten, was zur Gründung der Marciano Art Foundation führte. 2013 kauften sie den Scottish Rite Masonic Temple am Wilshire Boulevard mit der Vision, ihn in eine Stiftung für zeitgenössische Kunst zu verwandeln. Dort zeigen sie nun ihre Sammlung zeitgenössischer Kunst, die 1500 Werke von über 200 Künstlern, darunter Zypriern Gaillard, Doug Aitken oder Tracey Emin umfasst.

Maramotti Collection, Reggio Emilia, Italien

Achille Maramotti gründete 1951 de Modegruppe Max Mara. In den siebziger Jahren hatte er die Idee, eine öffentliche Sammlung zeitgenössischer Kunst zu schaffen. Bis zum Jahr 2000 wurden Teile der Sammlung in den Gängen und Gemeinschaftsräumen des Max Mara-Manufakturgebäudes ausgestellt, das später in ein Ausstellungshaus umgewandelt wurde. Der Umbau des Gebäudes wurde dem englischen Architekten Andrew Hapgood anvertraut.

Wer mehr private Kunstsammlungen auf der ganzen Welt entdecken möchte, findet diese im BMW Art Guide by Independent Collectors, herausgegeben im Hatje Cantz Verlag.

Bild: Photo by Thomas Loizeau on Unsplash

 

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