Modelegende Kenzo gewährt Einblick hinter die Kulissen

Kenzo Takada, der japanische Designer, der vor fast 20 Jahren auf dem Höhepunkt seiner farbenfrohen Karriere in den Ruhestand ging, will der Welt zeigen, wie er die bahnbrechenden Designs entwickelt hat, die dazu beitrugen, eine Welle japanischer Kreativer auf die Pariser Bühne zu katapultieren.

Nach Jahren, in denen er sich Zeit für sich selbst genommen hat, "musste ich wieder etwas tun, arbeiten", sagte er gegenüber AFP.

"Ich bin sehr glücklich, aber manchmal fühle ich mich nostalgisch." Das Ergebnis ist ein neues Buch, das seinen Weg seit seiner Ankunft in Frankreich als junger Mann nachzeichnet, der davon träumt, seine Entwürfe im Herzen der Modewelt zum Leben zu erwecken.

Sein vergangene Woche veröffentlichtes Buch "Kenzo Takada", vertieft sein französisches Abenteuer mit Skizzen, Fotos und Erinnerungen aus mehr als 40 Jahren seiner Karriere, bis hin zu seiner letzten Runway-Show im Pariser Zenith Konzertsaal.

Das Highlight ist zweifellos ein bisher unveröffentlichter Fotoessay, der die Leser durch Schritte der die Gestaltung eines exquisiten Hochzeitskleides aus seiner Herbst- und Winterkollektion von 1982-83 führt.

Seine Fans erhalten einen intimen Einblick hinter die Kulissen und sehen einen Meister bei der Arbeit: Ein Notizbuch von Zeichnungen, Kenzo in seiner Werkstatt mit dem langjährigen Assistenten Atsuko Kondo, ein Ballettschuh, der rot gefärbt wurde, weil die Zeit zu knapp war, um den richtigen Schuh zu finden.

"Wir haben nur zwei Tage vor der Show angefangen!" Das sagte Kenzo in einem Interview in Paris.

"Das Thema dieser Kollektion waren Blumen. Dieses Hochzeitskleid, das mit Blumenkronen verziert war, war das eigentliche Motiv der Kollektion, eine Art Symbol", sagte er.

Um die Komposition zu perfektionieren, setzte Kenzo eine riesige Sammlung von Bändern ein - alte und neue, einfache oder bestickte -, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten.

Paris schien so traurig zu sein

Die charakteristische Lebendigkeit und die kräftigen Farben von Japans berühmtestem Designer sind in vielerlei Hinsicht das genaue Gegenteil von dem, was er bei seiner Ankunft in der französischen Hauptstadt vorfand.

"Ich kam am Abend des 1. Januar 1965 am Gare de Lyon an. Es war dunkel und der Bahnhof war alt, schmutzig, schwarz", erinnert er sich.

"Ich nahm ein Taxi und mein erster Eindruck von Paris war, dass es düster und trostlos war. Es war Paris, die Hauptstadt der Mode, die Stadt, von der ich geträumt hatte, und sie schien so traurig", sagte er.

"Aber dann fuhr das Taxi an der Notre Dame vorbei.... es war großartig."

In Briefen an seine Mutter schreibt er, das Brot sei so gut, dass er zu viel esse und er bade nur einmal pro Woche, weil die öffentlichen Bäder zu teuer sind.

Aber er beschreibt auch die überwältigende Schönheit der Blumenläden, die es in Paris im Überfluss gab, die in Tokio zu dieser Zeit eine Seltenheit waren.

Nachdem er es geschafft hatte, einige seiner Zeichnungen an Zeitschriften wie Elle zu verkaufen, eröffnete er 1969 in der eleganten Vivienne Gallery seinen ersten Laden, den er mit Dschungelmotiven dekorierte, seine Marke nannte er "Jungle Jap".

"Damals waren synthetische Stoffe in Paris in Mode, und die Kleidung war ziemlich düster. Bei einem Besuch in Japan habe ich farbige Stoffe aus Baumwolle gekauft", sagt er.

Er lehnte sich auch an die detailverliebte Herstellung von Kimonos an und benutzte auffällige Farben. Auch den Laufsteg erdachte er neu, gab ihm neue Energie indem er bei seinen Shows Models einsetzte, die darauf sprangen, hüpften und tanzten.

Mit fließenden Designs, die mit den strengen Linien der Couture brachen, gab er auch den Frauenkörpern die Lizenz, frei zu atmen und sich zu bewegen.

Nachdem Kenzo seine Vision in den 1970er und 80er Jahren ausgeschöpft hatte, verkaufte er 1993 seine Marke schließlich an den französischen Modegiganten LVMH, der sich heute auf Parfüms, Hautpflege und Konfektionsmode konzentriert.

"Ich denke, ich habe der Mode Freiheit gegeben, wie die Kleidung getragen wird, wie sie sich bewegt und ihr die Farben zurückgegeben", sagte er.

"Die Kenzo-Frau ist eine freie Frau, schön und dynamisch."(AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.

Foto: Michell Zappa on Flickr

 

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