Textilmuseum St.Gallen zeigt feinstofflichen Körperschmuck

Das Textilmuseum im der Schweizer St.Gallen widmet sich in den kommenden Monaten ganz einer modischen Disziplin, die aktuell immer weniger Beachtung zu finden scheint: dem Textilschmuck. In einer großen Retrospektive namens „Body Jewels“ zeigt die Institution vom 6. Juli bis 9. Oktober 2016 stilbildende Kreationen aus den letzten 50 Jahren.

Die kunstvolle Anfertigung von Ketten, Armbändern, Ringen und anderen Accessoires aus textilem Material hat in Europa eine große Tradition. Vor rund 50 Jahren verwarfen junge Designer verwerfen die traditionellen Vorstellungen von Schmuck und griffen auf neuartige Werkstoffe zurück. So entstanden Schmuckstücke aus „wertlosen" Materialien, aus Kunststoffen, minderwertigen Legierungen und Textilien. Die bizarren, witzigen und eleganten Objekte, die für jedermann erschwinglich sein sollten, ignorierten den herkömmlichen Schmuckbegriff und hinterfragten die Grenzen zwischen den gestalterischen Disziplinen. „Ist es Design, Mode oder Kunst? Eine Fragen, die viele der ausgestellten Objekte offen lassen“, so die Kuratorin Annina Weber.

Es begann eine Entwicklung, die sich, von den Niederlanden ausgehend, bald in ganz Europa ausbreitete und mit etwas Verzögerung auch das Schweizer Schmuckdesign beeinflusste. Ein Beispiel: Die Designerin Johanna Dahm, halb Schweizerin, halb Holländerin, zeigte 1977 ihren von der De-Stijl-Bewegung geprägten Schmuck aus Aluminium und Kunststoff. In den Niederlanden konnte sie sofort Erfolge verbuchen, wohingegen die Resonanz in der Schweiz zunächst verhalten blieb. Doch auch hier markierten ihre innovativen Arbeiten den Beginn einer neuen Ära des Schmuckdesigns. Ein weiterer Pionier dieser Bewegung ist Otto Künzli, heute einer der einflussreichsten Schweizer Schmuckkünstler.

Schweiz trifft auf die Niederlande

Das Konzept der Ausstellung Body Jewels stammt von Caroline Boot, die die Schau für das TextielMuseum in Tilburg kuratiert und die niederländische Designentwicklung anhand von Schmuckstücken aus der Museumssammlung illustriert hat. Annina Weber, Ausstellungskuratorin im Textilmuseum St.Gallen, ergänzt die niederländischen Positionen um Schweizer Arbeiten, die gleichermaßen von der Auseinandersetzung mit internationalen Strömungen wie von eigenständiger Entwicklung zeugen sollen.

Auf der Ausstellung zu sehen sind u.a. Arbeiten von Lam de Wolf, Alet Pilon, Felieke van der Leest, Meret Oppenheim, Max Ernst, Verena Sieber-Fuchs und Christoph Zellweger.

Foto: Textilmuseum St.Gallen

 

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