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Kingpins-Messe: Denim kommt trotz geopolitischer Spannungen in Bewegung

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Denim-Messe Kingpins in Amsterdam, April 2026 Credits: Anna Roos van Wijngaarden
Von Anna Roos van Wijngaarden

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In der Mode kriselt es. Geopolitische Spannungen führen zu Blockaden, die zunächst die Zulieferer:innen und letztendlich auch die Marken behindern. Gilt das auch für die Denim-Branche? Ja, sagen Designende, Business Developer:innen und Vertriebsexpert:innen.

Dennoch sind auf der Frühjahrsausgabe der Denim-Messe Kingpins in Halfweg auch wieder glückliche Denim-Liebhaber:innen zu sehen, von Kopf bis Fuß in Blau gekleidet. Die Outfits sind sorgfältig durchdacht; sie sind die Visitenkarte auf der Messe. Schließlich ist Kingpins auch der Ort, an dem sich Fachleute zweimal im Jahr treffen. Hier können sie ihr Lieblingsthema zelebrieren und voranbringen: Denim – unbehandelt und opulent, kommerziell und museumsreif.

Seltsame Atmosphäre

Auf der Kingpins herrscht die gleiche seltsame Atmosphäre wie auf anderen großen Modemessen und auf Sozialen Medien wie LinkedIn. Nach den Importzöllen haben die Vereinigten Staaten die Lieferketten durch einen Konflikt mit dem Iran weiter unter Druck gesetzt. Dieser eskalierte diese Woche, als nach dem Iran auch die USA die wichtige Seeroute entlang der Straße von Hormus aktiv blockierten. Kaum ein Schiff, das den Iran anläuft oder verlässt, kann passieren.

Längst nicht jede:r auf der Messe traut sich, offen über die Folgen des Nahost-Konflikts zu sprechen. In Gesprächen mit FashionUnited prognostizieren Vertriebsmitarbeiter:innen eine schnelle Erholung, die in eine neue, innovative Ära für Denim münden soll. Das vielfältige Angebot auf der Messe deutet zwar darauf hin, doch die Gespräche verraten, dass etwas nicht stimmt.

Unsicherheit

Alberto De Conti, Business Development Manager bei dem italienischen Chemieanbieter Officina39, bringt es auf den Punkt: „Dass die geopolitische Lage nicht hilft, ist offensichtlich. Es wird langsam ermüdend, wenn man bedenkt, dass wir zuerst die Pandemie mit all ihren finanziellen Folgen hatten und jetzt diesen Konflikt. Unternehmen löschen ständig Brände, was auch strategische Produktionsänderungen einschließt. Das lenkt vom eigentlichen Geschäft ab.“

Die allgemeine Unsicherheit sei der Übeltäter, meint er. „Auf schlechte Nachrichten kann man mit einem Plan B reagieren. Aber ohne eine Perspektive für die nahe Zukunft ist eine Planung unmöglich und es tritt eine Lähmung ein.“

Der Konflikt am Persischen Golf treffe Officina39 bereits, gibt De Conti zu. Ein Teil der Produktion des Chemieanbieters befindet sich in der Nähe von Dubai. Dorthin können derzeit keine neuen Lieferungen gelangen; die Produktion wurde vorübergehend eingestellt. „Im Moment müssen wir alles nach Italien zurückverlagern. Hoffentlich dauert das nicht allzu lange.“

Die freiberufliche Denim-Designerin Sina Steidinger spürt diese Unsicherheit ebenfalls in der angespannten Messeatmosphäre. „Es geht viel darum, was uns erwartet – und das ist nicht gut. Die Leute machen sich vor allem große Sorgen über die finanziellen Auswirkungen.“ Laut Steidinger geht die Branche deshalb auf Nummer sicher. „Viele Marken wagen es nicht mehr, Risiken einzugehen. Bei den Designs entscheiden sie sich für Copy-and-paste.“

Über Nachhaltigkeit – ein Modewort, das die Messe seit Jahren dominiert – höre sie nichts, nicht einmal bei den Trendprognosen auf der großen Bühne. „Das finde ich traurig. Vor zehn Jahren sagten alle, Nachhaltigkeit sei ein Trend, während ich dachte, es sei die Zukunft. Vielleicht hatten sie doch recht.“

Aber Kingpins ist auch ein gesellschaftliches Ereignis – ein Ort, an dem sich Menschen treffen können. Designerin Maria Gunnarsson spürt trotz der Panik diese Geselligkeit: „Ich fühle mich gut und genieße vor allem den Austausch. Da ich dieses Mal nichts selbst präsentieren muss, habe ich Zeit, Freund:innen zu treffen und neue Inspiration zu sammeln.“

Neben dem Geschäftlichen ist die Kingpins vor allem auch eine gesellschaftliche Messe. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Von fest zu fließend

Trotz der Unruhe setzen die Anbieter:innen ihre Innovationen fort. Schließlich gibt es wieder einige neue Catwalk-Trends, auf die reagiert werden muss. Dabei gibt es Spannungsfelder, die jeweils einzigartige Umsetzungen erfordern. Aktuell ist das der Aufstieg von unbehandeltem japanischem Denim gegenüber dem Y2K-Look aus den Nullerjahren. Letzterer Trend verlangt nach extremen Verwandlungen des Stoffes, wie Beflockung für eine samtige Textur oder ‘Mud Washes’ für einen verwitterten Look.

Wonach suchen Einzelhändler:innen? „Vor drei Jahren wurden Jeans aus Performance-Denim hergestellt: aus Stretch-Stoffen“, erklärt Carolina Wilches von dem US-amerikanischen Faserhersteller Naia. „Jetzt kehrt der Jeansstoff in seiner ursprünglichen Form zurück: der steife, japanische Denim aus Baumwolle.“ Wilches beschreibt Dry Denim als eine Zwischenstation. Sie sieht, dass sich die Mode bereits wieder in Richtung sogenannter ‘drapierender Qualitäten’ bewegt. Das sind fließende Silhouetten, die weit von der klassischen, steifen Jeans entfernt sind. Diese Varianten benötigen weniger Elasthan. Durch die Arbeit mit natürlichen Mischungen aus Leinen oder einer nachhaltigeren Viskose ist ein solcher Stoff auch leichter zu recyceln.

Für Denim-Blusen sieht Wilches einen anderen Trend aufkommen: ‘Fake Denim’, ein Jeansstoff mit seidigem Glanz, der eher wie Viskose aussieht. Was die Veredelungen angeht, ist die Kundschaft unersättlich. Die Sourcing-Expertin erhält viele Anfragen für maßgeschneiderte Bearbeitungen wie Maltechniken oder Laserdrucke. Blumenmuster, die auch auf den FW26-Laufstegen oft zu sehen waren, und der Farbspritzer-Look sind ebenfalls wieder da.

Carolina Wilches zeigt, was ‘Fake Denim’ ist. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Vintage-Look 2.0

Bei Isko, einem der größten türkischen Stoffhersteller, beobachtet man vor allem, wie der Y2K-Look erwachsen wird. Während in den vergangenen Saisons eine starke Stonewash-Waschung ausreichte, verlangen Marken nun, diesen getragenen Look bis ins technische Detail nachzubilden. Das gelingt nur mit einer guten ‘Rope Dye’-Färbung, erklärt 'Forschung und Entwicklung'-Expertin Asli Can. Bei dieser Färbetechnik bleibt der Kern des Garns weiß. Bei Abnutzung oder künstlichen Bearbeitungen wie einer Stonewash-Waschung wird dieser weiße Kern freigelegt. So entsteht der scharfe Kontrast, der vor allem jungen Konsument:innen wichtig ist.

Neben dem weißen Kern verwendet Isko jetzt auch braune Grundtöne unter dem Indigo. Beim Waschen nutzen sich diese Schichten ab, sodass die untere Lage durch das Blau hindurchscheint und eine andere Art von imitiertem Vintage-Look entsteht.

Der Y2K-Look verdankt seinen Vintage-Look einer guten ‘Rope Dye’-Färbung. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Auch ‘Ring Slubs’ tragen zu diesem Look bei. Das sind Garne mit dicken und dünnen weißen Abnutzungsstellen, die für einen körnigen Effekt sorgen. Dennoch bleibt der authentische Vintage-Look schwer nachzuahmen. Marken müssen den enormen Aufschwung des Vintage-Marktes berücksichtigen, meint Can. „Wir sehen im Modebild viele eingetragene Modelle – die alten Levi's und Wrangler. Die schönsten Stücke beginnen über die Jahre zu leben. Durch einfaches Tragen erhält Raw Denim einen natürlichen Hell-Dunkel-Kontrast. Natürlich getragen hat seine eigene Natürlichkeit.“

‘Ring Slubs’, Garne mit dicken und dünnen weißen Abnutzungsstellen, sorgen für einen körnigen Effekt. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Bewegung im Stoff

Laut Can gibt es nach einer Phase des ‘cleanen’ Denims wieder mehr ‘Bewegung’ in der Textur des Stoffes. Diese Bewegung kann auch De Conti bei Officina39 zeigen. Zu den neuen Veredelungen gehört ein Laserdruck aus roter Farbe, der präzise eingebrannt werden kann. Der Rest wird beim Waschen wieder ausgespült. Mit Chemie lässt sich auch die Haptik des Stoffes anpassen. De Conti zeigt zwei Gegensätze: Behandlungen mit Gelen führen zu einem glatten, typisch kalifornischen Denim-Look, während die Verwendung von Pudern dem Stoff eine raue, gelebte Textur verleiht.

Officina39 ist stolz auf eine neue Art von Lasertechnik. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Er fügt hinzu, dass längst nicht alle Marken für solche Innovationen offen sind. Designer:innen bezeichnen seinen Showroom als ‘Candy Shop’, aber die Umsetzung in kommerzielle Projekte bleibt schwierig. De Conti seufzt: „Wenn ich mir die Geschäfte ansehe, sehe ich wenig Neues in der Ästhetik.“

Wenn große Innovationsbudgets auf Eis liegen, verlagert sich der Fokus auf Details. Dazu gehören ‘Bucklebacks’, taillierende Schnallen, die wieder auf der Rückseite anstelle des Ledergürtels angebracht werden. Steidinger hat eine interessante Beobachtung bei den Taschen gemacht. Diese werden groß und auffällig. Ihrer Meinung nach passen die üblichen Größen nicht mehr zur neuen, weiten Silhouette.

Kunst

Die Zukunft muss rosig sein; darauf sind Messen wie die Kingpins ausgerichtet. Um Inspiration zu bieten, werden Kunstprojekte inszeniert, die die Besucher:innen beruhigen sollen. So gibt es im obersten Stockwerk ein Kreativatelier für die Denim-Community. Wer möchte, kann dort aus Stoffresten sein Gesicht basteln und seine Teilnahme durch Anheften an eine Pinnwand bestätigen.

Artistic Fabric Mills wählte Banksy als Muse. Credits: Anna Roos van Wijngaarden
Picasso bietet Inspiration für einen extremen Denim-Look. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Im Gang zur weißen Halle sind kreative Looks von teilnehmenden Webereien ausgestellt, die von Künstler:innen inspiriert sind. Die syrische Weberei Sharabati zollte Pablo Picasso Tribut mit einem stark bearbeiteten Loose-Fit-Look, der mit viel Farbe besprüht wurde. Die Stoffzusammensetzung enthält regenerative Baumwolle und Hanf. Die pakistanische Weberei Artistic Fabric Mills wählte Banksy als Muse. Der Look ist in Grautönen gehalten, mit einer Bomberjacke oben und unten einem Druck der Ziegelwände, auf denen er stets ausstellte.

Die Denim-Community der Kingpins kann sich auf der Frühjahrsausgabe (2026) künstlerisch in die Gruppe einfügen. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

Archivstücke auf Leder

Dann ist da noch das Projekt der frischgebackenen Denim-Designerin Layla-Rose Stone, die für die Messe aus London angereist ist. Dort absolvierte sie eine Modeausbildung am Ravensbourne BA Fashion Course mit Spezialisierung auf Herrenmode, Leder und Printdesign. Stolz steht sie bei einem Kleiderständer mit tragbaren Wide-Leg- und Straight-Fit-Hosen sowie Kreationen mit täuschend echten Denim-Drucken auf Leder, passend zum Trend der letzten Modesaison: Trompe-l'oeil.

Ihre Kollektion ‘Thought Puppet’ ist eine Zusammenarbeit mit The Vintage Showroom aus London. Stone nutzte deren Archiv, das unter anderem Workwear aus den 40er-Jahren enthält, als Grundlage für ihre Drucke. Sie skalierte diese auf ihre eigenen Schnittmuster und entwickelte eine Technik, um einen ebenso verwitterten Denim-Look auf Restleder zu übertragen.

Stone sieht ihre Zukunft positiv, auch weil der Archiv-Trend gut für Denim ist. „Ich sehe Denim als das Rückgrat der Mode. Es ist unerlässlich, sich immer wieder auf diese Geschichte zu beziehen.“

Im Projekt ‘Thought Puppet’ wird Denim zu einem Druck auf Leder. Credits: Anna Roos van Wijngaarden

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