15 Modeprofis geben Karriere-Ratschläge Teil 2

Für diesen zweiteiligen Beitrag blickt FashionUnited hinter die Kulissen der Industrie, um einen Querschnitt an Modefachleuten zu ihren Erfahrungen zu befragen. Welche Ratschläge, die auch für alte Hasen nützlich sind, würden sie jungen Absolventen geben, oder was hätten sie schon zu Beginn ihrer Karriere gerne gewusst? Das Ergebnis ist ein Potpourri an menschlichen Empfehlungen, das oft vergessen wird, wenn über das große Geschäft der Mode diskutiert wird.

Alanna Lizun, Assistant Sweater Designer, Michael Kors, 2018 BFA Fashion Design Kent State University

Mein Ratschlag an mich selbst wäre, zu wissen, dass dein Job dich nicht ausmacht, es ist nur eine Berufsbezeichnung, keine Definition deiner Selbst. Wenn man in die Branche kommt, wird einem gesagt, dass man so hart wie möglich und so lange wie möglich arbeiten soll, damit man einen guten Eindruck hinterlässt. Angesichts des derzeitigen Arbeitsmarktes und der globalen Pandemie ist es wichtig, dass man seinen Job nicht als das einzig Wichtige in seinem Leben betrachtet.

Die Möglichkeit, in den letzten Monaten von zu Hause aus zu arbeiten, hat mich gelehrt, dass es zwar wichtig ist, die Arbeit rechtzeitig zu erledigen, dass es aber genauso wichtig ist, sich Zeit für sich selbst zu nehmen. Eine gute Work-Life-Balance ist genauso wichtig wie zu wissen, wer man als Designer ist.

Eine weitere Sache, die ich gelernt habe, ist, sich nicht von den Meinungen anderer definieren zu lassen. Es ist zwar wichtig zu verstehen, wie man konstruktives Feedback nutzt, aber man sollte nicht die Meinung der Leute über sich oder seine Arbeit für bare Münze nehmen. Der Interviewprozess ist vielschichtig; glaube nicht alles, was der Interviewer über deine Arbeit sagt. Nimm nicht alles persönlich!

Amy Troni, Produktentwickler, spezialisiert auf Wäsche und Sportbekleidung, hatte Positionen bei Hanes, Perry Ellis, Ralph Lauren und Calvin Klein; Bachelorabschluss in Marketing Merchandising Management, Fashion Institute of Technology

Es ist derselbe Rat, den ich mir auch heute noch gebe. Niemals aufgeben und beharrlich sein. Mache eine Liste aller Unternehmen, an denen du interessiert bist, und suche nach Möglichkeiten, dich zu vernetzen - zum Beispiel über Linkedin. Sprich mit Menschen, um dich beraten zu lassen! Die meisten Menschen helfen gerne. Sei nicht so hart zu dir selbst. Wenn sich eine Tür schließt, wird sich immer eine andere öffnen, alles ist möglich. Und am wichtigsten: Mach es möglich!

Karen McCausland, Strickwarenexpertin mit Sitz in Boston, früher bei Anthropologie, White House Black Market, Moschino, Fuzzi; Bachelorabschluss in Textiles, Glasgow School of Art, Schottland; Masterabschluss in Fashion, Royal College of Art, London

Es war wirklich sehr interessant, darüber nachzudenken. Im Allgemeinen hatte ich das Glück, in Italien zu landen und all die Erfahrungen in so vielen verschiedenen Aspekten meiner Karriere zu machen. Ich hatte auch ziemlich viel Glück, großartige Mentoren am College zu haben, die mich so gepusht haben. Ich verdanke ihnen wirklich viel dafür, dass sie gesehen haben, was ich zu der Zeit nicht sehen konnte.

Mach dir keine Sorgen, genieße das Leben! Ich habe so viel Zeit mit Stress verbracht. Pflege Beziehungen zu deinen Mitstudenten. Sie werden die Design-Direktoren bei wichtigen Modemarken werden - die Vernetzung von Anfang an ist eine der Schlüsselkomponenten in dieser Branche, um den Job deiner Träume zu bekommen! Ich wünschte mir wirklich, ich hätte als Student oder direkt nach dem Abschluss mehr Praktika gemacht, dann hätte ich mehr Einblick in das Tagesgeschäft bekommen. Als ich meinen ersten Job bekam, wusste ich noch nicht so recht, wo ich anfangen sollte. Das erste Jahr war ein riesiger Kampf.

Peter McLaughlin, der derzeit einen Masterabschluss in Nachhaltigkeit in Harvard macht, früher Designer bei Tommy Hilfiger Europe, Versace; BA Womenswear, University of Ulster, Belfast

Es ist sehr verlockend, den ersten Job anzunehmen, der einem angeboten wird, aber sei dir darüber bewusst, dass dies Auswirkungen auf deinen nächsten Job haben kann und darauf, wo du idealerweise hin möchtest. Damit will ich sagen, dass mein erster Job nach dem Studium bei dem Einzelhandelskonzern Arcadia war. Sie entließen kurz darauf 170 Leute, mich inklusive, und ich ging nach Mailand. Dort bekam ich einen Job bei Krizia, später bei Versace. Ich weiß aber nicht, ob diese High-End-Labels mich in Betracht gezogen hätten, wenn ich 5 Jahre bei Arcadia gearbeitet hätte.

Kenne und recherchiere den Markt, in dem du gerne arbeiten willst. Frage deine Tutoren und wende dich an jeden, der dir bei deiner Entscheidung helfen könnte. Wenn du in Paris arbeiten willst, nimm Französischunterricht. Wenn du in Amerika arbeiten willst, solltest du bald anfangen, damit du in der dortigen Branche ausgebildet werden und dich hocharbeiten kannst. Firmen konzentrieren sich mehr auf deinen Lebenslauf und die Namen/Marken darauf als auf dein Portfolio.

In der Schule gibt es immer diejenigen, die Diven sind, die denken, dass das sehr "in Mode" ist und sie fabelhaft macht. Das ist es aber nicht. In der Industrie wirkt das einfach unprofessionell, schwierig und unangenehm in der Zusammenarbeit. Die Welt der Mode ist klein, auch international, deshalb solltest du dir keinen schlechten Ruf zulegen. Man wird deine Ex-Kollegen fragen, ob sie dich empfehlen würden. Baue dir also den Ruf auf, engagiert zu sein, Initiative zu zeigen, offen für Neues zu sein und bereit, zu arbeiten. Dann wirst du leicht zu empfehlen sein.

Tamsin Rasor, Schmuckdesignerin aus NYC und VP Merchandising & Development, früher bei Capelli and Arcadia; Bachelorabschluss in Fashion Design, University of Westminster, London

Als ich 2001 meinen Abschluss machte, war der Arbeitsmarkt nicht gerade großartig, da sich die Welt nach der Dot-Com-Blase in einer Rezession befand. Da ich gerade meine gesamten Ersparnisse für meine letzte Kollektion ausgegeben hatte, hatte ich kein Geld und brauchte einen Job, irgendeinen Job! Nachdem ich meine allerletzten fünf Dollar in bar für ein U-Bahn-Ticket zu einem Vorstellungsgespräch ausgegeben hatte, das ich nicht bekam, weil ich nicht wie ein Supermodel gebaut war, obwohl der Job im "Buying" und ich zu 100 Prozent qualifiziert war, nahm ich schließlich einen Zeitarbeitsjob im Facility Management einer Kodak-Fabrik an.

Dort arbeitete ich 18 Monate lang und wechselte von der Zeitarbeit zur Festanstellung, was die Tatsache zu zementieren schien, dass ich nie und nimmer einen Job in der Modebranche bekommen würde. Aber ich versuchte es weiter - und schließlich geschah es auch. Ich bekam einen Job als Verwaltungsassistentin für Einkäufer bei dem damals zweitgrößten Einzelhändler Großbritanniens, Arcadia. Wenn ich auf meine Zeit in der Kodak-Fabrik zurückblicke, habe ich so viel über die Menschen und die Welt gelernt, völlig unerwartet, auch wenn es sich damals anfühlte, als würden meine Hoffnungen und Träume im Keim ersticken.

Also würde ich meinen jüngeren ich sagen: "Bleib standhaft, vertraue dir selbst und deinen Fähigkeiten. Aber selbst wenn du einen Umweg machen musst, lass dich nicht entmutigen. Lerne aus allem was du tust, es wird dir irgendwann zugute kommen, auch wenn du es erst später im Leben verstehen wirst.

Deborah Latouche, Modestylistin und Kreativdirektorin der neuen Marke Modestwear, Sabirah; Bachelorabschluss in Fashion Design, London College of Fashion

Glaub an dich. Hab keine Angst. Mach dich an die Arbeit. Jeder hat eine Meinung und das ist gut so, aber nicht jeder muss deine Arbeit mögen. Wenn du davon begeistert bist und nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet hast, dann sei stolz auf deine Leistungen.

David Wyatt, freiberuflicher Designer aus Barcelona, arbeitete für Bally, Kenzo, Fendi; Bachelorabschluss in Fashion Design, Manchester Metropolitan University, UK

Kommunikation! Ja, du hast großartige Ideen, einen tollen Geschmack, bist ein Modefreak und ein echtes Original. Aber solange dein Nachname nicht Windsor/Jenner/Rothschild lautet oder du ein Nummer-Eins-Album hattest, wird dich niemand automatisch eine Modemarke leiten lassen - du wirst überzeugen müssen, um deine Chance zu bekommen.

Die Modebranche ist immer im Wandel, und die Kommunikationsmethoden ändern sich, aber wir Designer werden immer die Ideen, die in unseren Gehirnen entstehen, der ganzen Welt mitteilen müssen, wenn wir wollen, dass sie Realität werden, Kleidung, Accessoires, Präsentationen, was auch immer. Arbeite also an deinen Illustrationen, Fotografien, Drapierungen, Schnittmustern, Photoshop, Illustrator und lerne Sprachen, damit du mit den Produzenten sprechen kannst. Es gibt so viele Möglichkeiten, deine Ideen zu vermitteln, und wenn du in der Lage bist, dies zu tun, wirst du viel mehr gefragt sein als jemand ohne diese Fähigkeiten. Nimm dir die Zeit, dich mit jedem Werkzeug vertraut zu machen, mit dem du deine Ideen vermitteln kannst. Klare, präzise, sogar inspirierende Kommunikationsmethoden sind immer wirkungsvoll, sie können sogar eine unausgereifte Idee verkaufen. Und es gibt so viele Möglichkeiten, sie zu erlernen. Es ist eine Waffe in deinem Arsenal und wird dich immer herausstechen lassen.

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Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Foto: FashionUnited

 

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