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180 Jahre Esmod: „Wir müssen die Erwartungen der neuen Generationen erfüllen“

Von Sharon Camara

15. Okt. 2021

Mode |INTERVIEW

Esmod wurde 1841 von Alexis Lavigne gegründet und feiert damit in diesem Jahr sein 180-jähriges Bestehen. Die älteste Modeschule der Welt repräsentiert heute fünf Schulen in Frankreich – in Paris, Bordeaux, Lyon, Rennes, Roubaix – und 14 weitere in der ganzen Welt – von Seoul über Beirut und Guangzhou bis Istanbul. Zu diesem Anlass plant Esmod vom 15. bis 19. November 2021 eine Reihe von Veranstaltungen, an denen alle Schulen und viele ehemalige Studierende teilnehmen. Aus diesem Anlass sprach FashionUnited mit Véronique Beaumont, die im März zur Generaldirektorin von Esmod ernannt wurde.

Esmod kündigt zur Feier seines 180-jährigen Bestehens mehrere Aktivitäten an, können Sie uns etwas darüber erzählen?

Es gibt einige Ereignisse, über die wir sprechen können, und andere, die wir lieber geheim halten, da wir einige Überraschungen planen. Das Thema des Jubiläums lautet „Erbe und Vermächtnis: 180 Jahre Werkstätten“. Die beiden wichtigsten Veranstaltungen sind die Ausstellung unseres Erbes in Pantin und der Festumzug zum 180-jährigen Jubiläum mit allen internationalen Schulklassen am 18. November. Außerdem planen wir Konferenzen, Workshops und Podcasts. Diese Veranstaltungen werden sowohl physisch als auch digital stattfinden, da einige Personen leider nicht vor Ort bei uns sein können. Selbst wenn sich die Lage erholt, sind wir von der Entwicklung der Pandemie abhängig, deshalb haben wir von Anfang an eine phygitale Organisation geplant.

Weil wir gerade von der Pandemie sprechen: Wie hat Esmod seit März 2020 seine Kurse organisiert?

Wir hatten uns bereits vor diesem Datum organisiert, da wir zwei Schulen in China haben, die vor Frankreich betroffen waren. Wir hatten die Kurse auf der Video-Plattform Teams eingerichtet. Wir sind alle auf der Plattform, also ist das ganze Netzwerk verbunden. Es ist auch wichtig zu wissen, dass unser Verlag seit mehr als sechs Jahren unsere Bücher in digitaler Form zur Verfügung stellt. Wir haben diese Instrumente genutzt und unsere Lehrkräfte in der Methode der Online-Kurse geschult. Unser Präsident, Herr Satoru Nino, hat viel investiert und wir haben große Bildschirme in den Klassenzimmern. So können wir gleichzeitig Präsenz- und Fernunterricht durchführen. Wir hatten auch Diskussionen mit Studierenden über WhatsApp. Für den Wirtschaftszweig schien dies auf der Hand zu liegen, aber für die Designhochschule war es schwieriger. Am Ende hatten wir Klassen, die sowohl Präsenz- als auch Online-Kurse nutzten. So entstanden einige ausgezeichnete Kollektionen, die sehr viel individueller gestaltet waren. Aufgrund der Zeitverschiebung wurden die Kurse außerdem aufgezeichnet und an die Studierenden geschickt, sodass sie die jederzeit besuchen konnten. Die Digitalisierung war bereits Teil unserer Strategie, aber wir haben sie in dieser Zeit durch interaktive Bildschirme, Software und bessere Wifi-Funktionen ausgebaut.

Während des Sommersemesters haben wir den Lehrkräften erklärt, dass wir jetzt verschiedene Formen der Pädagogik anwenden müssen, um unseren Studierenden auch Pausen zu ermöglichen. Wir beobachten vor allem, dass die neue Generation mit Gleichaltrigen von Angesicht zu Angesicht zusammen sein möchte, aber manchmal wollen sie auch eine Pause einlegen und pädagogisch etwas anderes erleben.

Diese neue Generation legt auch großen Wert auf nachhaltige Mode, und das haben die Marken verstanden. Was ist mit Esmod? Wie positionieren Sie sich angesichts dieser Problematik?

Wir haben uns schon sehr früh für diese Sache positioniert. Mary Nino, die Frau unseres Präsidenten, ist seit über 30 Jahren sehr engagiert auf dem Gebiet. Sie hat immer für nachhaltige Praktiken gesorgt, insbesondere 2017, als wir unseren Campus in Pantin eröffneten. Er wurde zum Großteil aus ökologisch nachhaltigen Materialien gebaut. Bei der Umweltverantwortung geht es nicht nur um Produkte, sondern auch um CSR. In einer Stadt wie Pantin mit ihrer sozialen Mischung wollten wir außerhalb des Zentrums von Paris, der Hauptstadt der Mode, sein. Das war auch der Wunsch von Alexis Lavigne selbst. Der Gründer der Schule entwickelte Modellierungsmethoden für alle Körperformen. Wir haben auch eine Stoffbibliothek in der Schule. Dort haben wir umweltverträgliche Stoffe aufgelistet, wir haben Kurse zum Thema Umweltverantwortung integriert.

Wir arbeiten mit mehreren großen Marken zusammen, die uns ihren Überbestand an Materialien und Zubehör anvertrauen. Dadurch müssen die Studierenden im dritten Jahr keine Stoffe für ihre Kollektion kaufen. Wir haben auch Partnerschaften mit Unternehmen, die diesen Ansatz verfolgen, ich denke da an Petit Bateau und auch an Printemps, das in Lausanne eine ganze Etage eröffnen wird, die der umweltbewussten Mode gewidmet ist. Wir haben auch ehemalige Studierende, die seit zehn Jahren recycelte Linien und umweltverträgliche Marken entwerfen und uns ihre Erfahrungen mitteilen.

Welche Verbindung haben Sie zu den ehemaligen Studierenden?

Nach 180 Jahren gibt es so viele! Für das bevorstehende Jubiläum haben wir ein ganzes Thema rund um unsere ehemaligen Studierenden entwickelt, die mit Konferenzen, Podcasts und Workshops präsent sein werden. Allein auf LinkedIn sind 12.000 von ihnen gelistet! Sie arbeiten in der Branche, einige lehren bei uns. Wir bitten sie oft, an unseren Tagen der offenen Tür und an Kursen teilzunehmen, Workshops zu veranstalten, und diejenigen, die im Management- und Kommunikationsbereich tätig sind, kommen manchmal zurück, um mit den Studierenden Projekte zu realisieren.

Aber um ehrlich zu sein, wollen wir, dass sie sich noch mehr annähern. Wir planen, in Kürze eine Plattform einzurichten, die alle miteinander verknüpft. Die meisten sind sehr daran interessiert, sich gegenseitig kennenzulernen.

Meine Aufgabe ist es, neue Partnerschaften und Schulen auf internationaler Ebene zu entwickeln, je nach den neuen Märkten, die sich uns eröffnen, zum Beispiel in Asien und Afrika.

Wie erklären Sie sich die Langlebigkeit von Esmod?

Zunächst einmal gehören wir zu keiner externen Finanzgruppe. Wir sind eine öffentliche Schule, ein eigenständiges Unternehmen. Wir haben tausende Studierende in aller Welt. Die Schule ist seit jeher im Besitz von Personen, die mit der Familie des Gründers verbunden sind. Herr Nino, der die erste internationale Esmod-Schule in Japan gegründet hat, ist ein ehemaliger Schüler. Die ehemaligen Studierenden haben ein starkes Zugehörigkeitsgefühl. Wir haben eine exklusive Methode des Modellierens, so dass wir dieses Erbe über Generationen hinweg weitergeben können.

Seit Ende der 90er Jahre haben wir einen Geschäftskanal integriert, um der Entwicklung der Mode zu folgen. Wir interessieren uns nicht nur für Luxus, sondern auch für Mode und seit zehn Jahren auch für Lifestyle. Wir haben uns auf Accessoires, Wäsche, Kindermode und weiteres spezialisiert. Wir beschäftigen uns mit Soziologie, Epochen, der neuen Generation und seit drei Jahren verstärkt – seit der Covid-Krise noch mehr – mit der Digitalisierung. Das ist etwas, was wir schon seit langem tun, aber wir mussten es beschleunigen. Unser Ziel ist es, uns immer an die Zeit anzupassen, in der wir leben. Unser Vorteil ist, dass wir Fachleute aus der Branche haben, die zu uns kommen und Workshops geben. All dies trägt zur Langlebigkeit von Esmod bei.

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Véronique Beaumont, Sie kommen aus der Modebranche, haben an der Esmod unterrichtet und sind seit einigen Monaten deren Direktorin. Was ist Ihre Aufgabe und Ihre Herausforderung in dieser neuen Position?

Meine erste Aufgabe ist es, das Erbe weiterzuführen, in den Fußstapfen derer, die mir in dieser Position vorausgegangen sind, sowohl in Bezug auf die Werte als auch auf die DNA von Esmod, um es zu einer Revolution in unseren Sektoren zu machen. Wir müssen auch die Erwartungen der neuen Generationen in Bezug auf die Ausbildung, aber auch der Unternehmen in Bezug auf die Arbeitsplätze erfüllen. Wir müssen weiter an der Beschäftigungsfähigkeit unserer Studierenden arbeiten.

Ich habe eine umfassende Reform der Programme eingeleitet, indem ich neue Ausbildungsgänge integriert habe. Heute reicht es nicht mehr aus, nur künstlerisch begabt zu sein, die Studierenden müssen auch Soziologie und eine Kultur anderer Bereiche kennen lernen. In letzter Zeit haben wir die Mode für andere Sektoren wie Technik, Forschung, das Hotelgewerbe und die französische Lebenskunst geöffnet. Esmod ist eine Schule, die in Frankreich und vor allem in Paris entstanden ist. Wir versuchen, die französische Handwerkskunst hervorzuheben.

Die Digitalisierung ist auch wichtig, damit wir in der Kommunikation sichtbarer werden, aber auch, um unsere Studierenden in dieser Hybridisierung auszubilden, die von allen Unternehmen gefordert wird, damit sie wissen, wie man mit der Hand arbeitet, aber auch, wie man Tablets benutzt und Designs mittels Software erstellt. Meine Herausforderung besteht darin, neue Partnerschaften und internationale Schulen zu entwickeln, je nach den neuen Märkten. Es gibt auch neue Märkte, die sich für uns öffnen, zum Beispiel in Asien und Afrika.

Wir haben 68 Nationalitäten unter unseren Studierenden in Paris. In den letzten Jahren sind immer mehr Studierende aus Afrika zu uns gekommen, aus Nigeria, aus Kamerun. Uns ist klar, dass wir diesen Markt ansprechen müssen, neue Partnerschaften mit bestehenden Schulen, die keine Modestudiengänge haben, entwickeln oder neue Esmod-Schulen gründen müssen, die diese neuen Gebiete der Mode repräsentieren.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.fr veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: Esmod