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4 Eindrücke von der Stockholm Fashion Week: wiederverwenden, -geben, -herstellen und rückkehren

Von Rachel Douglass

15. Feb. 2022

Mode

Bild: Remake Stockholm

Schwedens halbjährliche Modewoche ist zu Ende gegangen und hat den Rest der Branche zum Nachdenken angeregt, da sie wichtige Themen rund um Nachhaltigkeit und die Art und Weise, wie wir Mode betrachten, ans Licht gebracht hat.

Ein Großteil der auf der diesjährigen Stockholm Fashion Week (SFW) gezeigten Arbeiten drehte sich um eine langsame, durchdachte Produktion und Kreislaufwirtschaft, wobei sich die Konzepte vieler Marken der Wiederverwendung und innovativen Geschäftsmodellen widmeten. Einige Marken bewegten sich außerhalb der typischen Strukturen der Modebranche und boten neue Ansätze an, um moderne Käufer:innen anzusprechen, während andere auf neue Talente für ihre Ausstellungsstücke setzten. Aufstrebende Namen standen dicht neben denen etablierterer Marken, die zum festen Bestandteil des skandinavischen Terminkalenders geworden sind und von denen viele dazu beigetragen haben, die klare, hochwertige Ästhetik der Modeszene der Region zu definieren.

FashionUnited hat einige der bemerkenswertesten Elemente der Stockholmer Modewoche zusammengefasst, von der Unterstützung aufstrebender Modeschöpfer:innen bis hin zu ihrer Fähigkeit, die Fast-Fashion-Produktion zu unterbinden.

Wiederverwendung: zirkuläre Mode und Recycling

Wie zu erwarten war der nachhaltige Gedanke auf der gesamten Veranstaltung präsent, wobei viele Marken im Rahmen ihrer Präsentationen innovative Kreislaufkonzepte vorstellten. Die kürzlich gestartete App Popswap gehörte zu denjenigen, die ein umweltfreundlicheres Modesystem fördern wollen, und stellte ihr Konzept während einer „Swap“ Cocktail-Veranstaltung vor. Neben einer Podiumsdiskussion, bei der die Gründerin der App, Lin Kowalska, ein Nachhaltigkeitsmanager von H&M und Mode-Influencer über zirkuläre Mode diskutierten, konnten Besucher:innen an einem Kleidertausch mit anderen Teilnehmer:innen mitmachen - eine physische Version des App-Konzepts also. Nach Angaben des Unternehmens wurden während der Veranstaltung insgesamt 600 Kleidungsstücke getauscht, wobei jedes einzelne in der App erfasst wurde.

Bild: Popswap

„Mode ist wie eine globale Sprache - egal wo wir sind, unsere Kleidung erzählt immer eine Geschichte darüber, wer wir sind - und wie eine Sprache verändert sich auch die Mode ständig. Die Erfahrung von Popswap während der SFW war ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wir zusammenarbeiten können, um eine Welt zu schaffen, in der Mode zirkulär ist“, sagte Kowalska in einer Erklärung, die FashionUnited nach der Veranstaltung zur Verfügung gestellt wurde.

Remake Stockholm war ebenfalls ein Vorreiter in Sachen nachhaltiger Mode mit einer Reihe völlig einzigartiger Kleidungsstücke, die aus Materialien hergestellt wurden, die der Stockholmer Stadtmission geschenkt wurden, ein soziales Anliegen der Marke. Die Entwürfe, die im Atelier des Labels vor Ort hergestellt wurden, hingen von der Zugänglichkeit der Materialien ab und davon, was sonst möglich war, was zu Patchwork-Stücken und einer verspielten Mischung aus Struktur und Farbe führte.

Geben: aufstrebende Designer:innen und Unterstützung

Bild: Beckmans College of Design (von links) Alice Svensson Brostedt, Desiree Bjurinder Fritzon, Saveja Severa Awzel

Das Beckmans College of Design ist zu einem festen Bestandteil der SFW geworden, da es seine Studierenden durch diese einflussreiche Plattform weiter fördert. Für die HW22-Saison entwarfen 12 Nachwuchsdesigner:innen im Rahmen des Projekts ‘Hommage by Beckmans’ persönliche Kollektionen, die auf einer von sechs bekannten Modemarken basierten. Das Ergebnis waren zeitgenössische High-Fashion-Looks, die auf individuelle Weise Einflüsse der modischen Tradition aufgriffen.

Das Tech-Start-up National Outfit Manufacturing Services (NOMS) rückte bei seiner digitalen Präsentation, bei der es seine erste Kollektion ‘Beta’ vorstellte, ebenfalls aufstrebende Designer:innen in den Vordergrund. Ein Denim- und Kimono-Set und ein T-Shirt-Programm sind Teil des On-Demand-Bestellsystems des Unternehmens, das auf ein Netzwerk von Mikrofabriken zurückgreift. Diese neue Art des Modeerlebnisses steht im Einklang mit der zunehmenden Nachfrage nach lokaler Produktion und der Dezentralisierung hochpreisiger Massenprodukte.

Bild: NOMS AW22

„Wir schauen den Designprozess aus einer organischen Perspektive an. Die Materialien werden durch das aktuelle Angebot in Form von Stoffresten bestimmt, die wir weltweit beschaffen. Es wird alles geben, von funktionalen Kleidungsstücken bis hin zu fortschrittlicheren und ausdrucksstarken Stücken”, sagte Mitbegründer und Kreativdirektor des Unternehmens, Rodrigo Gutierrez Benavente, in einer Mitteilung.

Wiederherstellung von Geschlechternormen und Modestrukturen

Viele schwedische Marken nutzten die Gelegenheit, um ein Zeichen für geschlechtsneutrale Mode zu setzen, wie zum Beispiel Stand Studio, das seine nichtbinären Kollektionen präsentierte. Das Designhaus zeigte eine „generationenübergreifende Garderobe, die traditionelle Geschlechtergrenzen überschreitet”, wie es in einer Mitteilung zur Kollektion hieß. Es versuchte, Retro- und Standardstücke durch jugendliche Untertöne zum Leben zu erwecken, indem es neu interpretierte Pelzmäntel, Puffermäntel und Automobilmäntel in verspielten, auffälligen Designs anbot.

Bild: Stand Studio

Während die einen gesellschaftliche Normen aufbrechen wollten, versuchten andere, dies mit den typischen Strukturen der Modebranche zu tun. Singular Society gehörte zu denjenigen, die mit ihrem Abo-Konzept eine Alternative zu Fast Fashion vorstellten.

„Singular Society basiert auf der Idee, Produkte als Dienstleistung über eine Mitgliedschaft anzubieten, die den Zugang zu kompromisslosen Lebensgrundlagen ermöglicht - zum Preis dessen, was sie in der Herstellung kosten”, heißt es in einem Schreiben der Marke.

In einer Online- und Offline-Präsentation sprachen die Mitbegründer der Marke, Eric und Daniel, über das Mitgliedschaftskonzept und dessen Bedeutung für die Modebranche allgemein. Die Teilnehmer:innen konnten das Unternehmen im Rahmen einer exklusiven Veranstaltung kennenlernen, bei der sie einen weiteren Einblick in die hochwertigen Produkte und lokalen Dienstleistungen von Singular Society erhielten.

Rückkehr: bekannte Namen und Gesichter

Bild: Filippa K

Neben einer Handvoll aufstrebender Marken und unabhängiger Designer:innen begrüßte die SFW auch wieder ihre Stammgäste und etablierten Labels. Filippa K kehrte als eine der Hauptakteurinnen der Veranstaltung zurück und präsentierte eine von skandinavischen Wintern inspirierte Kollektion. Das für die Marke typische minimalistische Design wurde mit übertriebenen Silhouetten und glitzernden Paillettendetails gepaart und sowohl in der Herren- als auch in der Damenkollektion präsentiert. Es war die erste Kollektion mit dem aktualisierten Logo von Filippa K und die letzte, bevor die Marke Liisa Kessler als neue Kreativdirektorin begrüßen wird.

H&M war ebenfalls auf der Veranstaltung vertreten und präsentierte auf dem Laufsteg seine neueste H&M Studio-Kollektion für die Saison SS22, während das Unternehmen zuvor an immersiven Erlebnissen und Kooperationen gearbeitet hatte. Die Looks wurden von den Stilikonen der Generation Z und von Retro-Modeepochen beeinflusst, was zu eklektischen Designs, leuchtenden Farben und auffälligen Accessoires führte. Laut einer Mitteilung des Einzelhändlers wurde ein Großteil der Kollektion aus recycelten Materialien entwickelt, um den Nachhaltigkeitsgedanken, den das Unternehmen mit seinen Sonderkollektionen hochhält, weiter zu unterstützen.

Bild: H&M Studio

Dieser übersetzte Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.uk.

Filippa K
FW22
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