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5 Höhepunkte der Pariser Männermodewoche

Von Don-Alvin Adegeest

30. Juni 2021

Mode

Bild: Hermès SS22 Kulisse

Die Pariser Herrenmodewoche war eine Mischung aus Live-Modenschauen, digitalen Präsentationen und Gastdesignern, darunter auch Burberry aus London, die sich dem LFW-Kalender entzogen, um am offiziellen Pariser Programm teilzunehmen. Hier ist unsere Auswahl der Top-Fünf der Pariser SS22-Kollektionen:

Y/PROJECT x Fila

Als Y/Project seine Fila-Kollaboration während der Pariser Männermodewoche präsentierte, war das ein frischer Wind in einem Meer von Markenzusammenschlüssen. Kreativdirektor Glenn Martins verschönerte die 110 Jahre alte italienische Sportswear-Marke mit einem neuen und innovativen Ansatz. Dies zeigte sich in seiner Aktualisierung der Silhouette mit einigen ernsthaften Modedetails wie wogenden Ärmeln, abfallenden Schultern, dem Spiel mit asymmetrischen Nähten und der Überarbeitung des klassischen Sweatshirts und Jeans.  “Ich sehe diese Zusammenarbeit wirklich als eine Verbindung des experimentellen Geistes von Y/Project und der Innovationskraft von Fila, die in der Sportbekleidung begründet ist. Der Prozess war so einfach, wie er Spaß gemacht hat, und er hat mir erlaubt, offen eine Streetwear-Richtung zu erkunden, die sich neu anfühlt. Das Projekt hat eine frische, fröhliche Ausstrahlung, von der ich denke, dass sie für diesen Moment richtig ist”, sagte Martins in einer Erklärung.

    
   
Bild: Y/Project SS22

Hermès

Zwei Jahre ist es her, dass Hermes zuletzt im Innenhof des Mobilier National in Paris präsentiert hat. In dieser Saison arbeitete das französische Luxushaus zum dritten Mal mit dem Theaterregisseur Cyril Teste zusammen, der ein methodisches Auge dafür hat, die Kreationen von Véronique Nichanian in schönstem Licht zu zeigen, mit seinen verweilenden Großaufnahmen und einer Erzählung, die sich weder zu gekünstelt noch so real anfühlt, dass sie ohne Inspiration ist.

Nichanian nennt die Frühjahr 2022-Kollektion “Double Jeu”. Sie besteht aus Oberbekleidung, die leichter als leicht ist und ihren Schwerpunkt auf Handwerkskunst und Nahtwerk legt. Viele Stücke, insbesondere die Oberbekleidung, waren wendbar - daher der Titel. Das Erfrischende an dieser - und allen anderen Hermès-Kollektionen - ist, dass sie keine pulsierenden Logos oder Fantasiethemen braucht, um Kleidung zu vermarkten. Der Schwerpunkt liegt auf der Konstruktion der Kleidungsstücke, auch wenn ihre Herkunft - zumindest für den Träger und das Auge des Modekenners - sofort erkennbar ist.

Die wichtigsten Styling-Merkmale: Chelsea-Boots, die mit Socken und Shorts getragen werden, und geknotete Segelkordeln als Gürtel, die extra tief über Hosen und anderen Unterteilen getragen werden. 

    
   
Bild: Hermès SS22

Burberry

Wenn Ricardo Tisci vorschlägt, die Ärmel des klassischen Trenchcoats zu entfernen und ihn mit einer sportlichen, überschnittenen Schulter zu überarbeiten, werden Modeinteressierte aufhorchen. Mit der Entfernung der Ärmel aus der Oberbekleidung führt Tisci einen neuen Ansatz für das Layering ein, schlägt aber auch eine mutige Aussage zur Männlichkeit vor, nämlich die Arme zu entblößen. Gepaart mit monochromen Anzughosen, sportlichen Varsity-Jacken und sogar einem ärmellosen Leder-Biker, fühlt sich das Ergebnis modern und frisch an, ohne zu saisonal oder trendorientiert zu sein. Mit jeder Kollektion wird Burberrys Oberbekleidung mehrfach überarbeitet, um die Geldbörsen der Kunden mit neuen Ausführungen anzusprechen. In dieser Saison ist der Begehrlichkeitsfaktor entscheidend hoch.

    
   
Bild: Burberry SS22

Rick Owens

Während der Pandemie verließ Rick Owens Paris und zog nach Venedig, wo er eine zweite Heimat hat. Der Lido im Excelsior Hotel, einst Kulisse des berüchtigten Films “Tod in Venedig”, war eine neblige und melancholische Kulisse für Owens SS21-Kollektion, seine vierte und letzte bis zu seiner Rückkehr auf die Pariser Laufstege.

Nebelmaschinen verstärkten das Ambiente, ähnlich wie in einem Club oder bei einem Rockkonzert, und hinterließen eine Spur von Models, die am Ufer entlang liefen. So sieht eine Owens-Promenade aus, mit Models in robusten, hochhackigen Stiefeln, die seine charakteristische durchsichtige und monochromatische Silhouette untermalen. In dieser Saison wurde Owens weicher, wie man an durchsichtigen Hemden, ausgeschnittenen Jersey-Bodys und Federmänteln sieht. Natürlich war nicht alles weich, wie man an Led Zeppelin-Schultern, steifem japanischem Denim-Patchwork und seinem Hauptmaterial Leder sehen konnte. Was es hier nicht gab, war Exzess, von dem Owens der Vogue erzählte: “In der nächsten Saison werden alle Häuser zeigen wollen, was sie können. Ich weiß nicht, wie genau wir in der Lage sein werden, alles umzusetzen, was wir gelernt haben, aber wir werden es herausfinden müssen."

    
   
Bild: Rick Owens SS22

Alled-Martinez

Als Gewinner des LVMH-Preises für Absolventen 2018 verließ Archie M. Alled-Martinez das Central Saint Martins für ein einjähriges Praktikum bei Givenchy. Der in Spanien geborene Designer brachte kurz darauf eine Strickwarenlinie auf den Markt und ließ sich von der Pariser Nachtclubszene der 70er und 80er Jahre inspirieren, um geschlechtslose Kleidungsstücke mit einem Queer-Unterton zu entwerfen.

Seine neueste Kollektion treibt das Thema auf die Spitze und feiert Musen wie Roy Halston, Sterling Saint Jacques und Antonio Lopez, kulturelle Ikonen der Schwulenszene der 80er Jahre, die alle an AIDS starben. Mit ihren Namen, die auf Trikotoberteile gestickt sind, sowie ihrem jeweiligen Alter zum Zeitpunkt ihres Todes, wirft Alled-Martinez ein neues Licht auf diese Herren, die zweifellos unbesungene Helden ihrer Zeit waren. In einem Monat voller Pride-Märsche, Feiern und Demonstrationen sticht seine Botschaft heraus.

Dieser Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.uk. Übersetzt und bearbeitet von Simone Preuss.