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Adaptive Mode: „Exklusivität ist keine Macht, es ist Dummheit"

Von Jackie Mallon

5. Nov. 2020

Mode

„Warum stehen die Schaufensterpuppen alle?", fragt Lucy Jones, die Erfinderin der Rollstuhlzubehör-Marke Ffora, und verweist auf den Mangel an Optionen im Einzelhandel für sitzende Verbraucher. Dies ist nur eine der vielen Beobachtungen, die während der zweitägigen Veranstaltung "Cur8able Conversations" über die Macht der Mode in der Community der Menschen mit Behinderung geäußert wurden.

Stephanie Thomas, Gründerin von Cur8able.com und Teil der Business of Fashion 500, fragt, warum Behinderte alles ‘hacken’ müssen, was sie kaufen. "Ich bin gegen das Hacken. Kann ich im Jahr 2020 einfach nicht hacken müssen?"

Viele von uns verstehen es als selbstverständlich, dass Mode uns die Möglichkeit bietet, uns auszudrücken und zu beeinflussen, wie Menschen uns wahrnehmen. Die Vielfalt der Möglichkeiten kann uns zu Chamäleons machen und uns Unabhängigkeit und ein Gefühl der Ermächtigung verleihen. Was aber, wenn die einzige Kleidung, die zur Verfügung steht, bedeutet, dass Sie in der Kinderabteilung shoppen müssen? Dies war der Fall bei der Modeabsolventin und Gründerin von Short Favor Dru Presta, die als Kleinwüchsige jahrelang in der Kinderabteilung einkaufte, aber die Farben der Mädchenkleidung und die Sesamstraßenprints hasste und deshalb Jungenkleidung kaufen musste.

Jones, die Modedesign an der Parsons School of Design absolviert hat, ist der Meinung, dass die Anwendung ihres Wissens und ihrer Fähigkeiten bei der Entwicklung praktischer, stilvoller Accessoires für Rollstühle ein entscheidender Teil des Gesprächs ist. „Ein manueller oder elektrischer Rollstuhl ist genauso anpassbar wie ein maßgeschneiderter Anzug", sagt sie. „Er spiegelt den Lebensstil und die Persönlichkeit wider."

Einer von fünf Menschen lebt mit einer Behinderung, und es ist ein etwas, das jeden im Laufe seines Lebens betreffen könnte. Thomas' Ziel bei Cur8able ist es, die Barrieren abzubauen, die den Zugang zu anpassungsfähigem Design verhindern. Die Schauspielerin und Aktivistin Jameela Jamil, die eine unsichtbare Behinderung hat, aber als Teenager zwei Jahre im Rollstuhl verbrachte, duldet keine Entschuldigung für die Vernachlässigung dieses Konsumenten und sagt: „Wenn Sie als Designer nicht für verschiedene Körper entwerfen können, sind Sie einfach nicht sehr talentiert. Dann müssen Sie nochmal zur Schule gehen." Aber die Ignoranz gegenüber behinderter Körper in der Ausbildung ist auch ein Problem. „Es geschieht etwas viel Besseres", sagt Jones, der sich an Disability Twitter wendet, um den relevantesten und aktuellsten Erkenntnisstand zu erhalten. „Eine Gemeinschaft zu haben, verleiht echte Kraft."

Wie Mode sich mit behinderten Konsumenten beschäftigen kann

Schauspieler/Model Danny Gomez hatte eine erfolgreiche Karriere in Los Angeles, bis er im Alter von 33 Jahren eine Rückenmarkverletzung erlitt. „Zum ersten Mal wurde mir bewusst, wie es sich anfühlte, unsichtbar zu sein", sagt er. Diese geistigen Barrieren, die es noch zu überwinden gilt, lassen sich bis in unsere prägenden Jahre zurückverfolgen. „Uns wird schon als Kindern beigebracht, wegzuschauen", sagt Thomas. „Damit wir Rollstuhlfahrern nicht in die Augen schauen."

Wenn wir uns als Gesellschaft nicht mit der Gemeinschaft der Menschen mit Behinderung beschäftigen, ist es vielleicht weniger überraschend, dass die Modeindustrie zögert, diese Konsumenten einzukleiden. Die Realität sieht jedoch so aus, dass ein potenzieller Anteil von 20 Prozent der Konsumenten gezwungen ist, Hosenbeine abzuschneiden oder doppelt so viel für Kleidung auszugeben, wie ein Kleidungsstück wert ist. Zappos sticht als der führende Einzelhändler in diesem Bereich hervor, da er sich den Respekt der Kunden von adaptive-wear für seine disruptive Politik des Verkaufs einzelner Schuhe, sowie für einen einfachen Umtausch und eine hilfreiche Kundenberatung verdient hat. Die Website bietet Marken für adaptive Kleidung zusammen mit Produkten an, die versehentlich anpassungsfähig sind, wie beispielsweise ein Hemd mit Reißverschlüssen oder Magneten, das den Bedürfnissen von Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit gerecht wird.

Derek Flores von Zappos beschreibt das Sortiment als eine Kombination aus dem, was auf dem Markt erhältlich ist, um dem Verbraucher gerecht zu werden, und wesentlicher Teile, die eher designspezifisch sind. „Zappos kann sich anpassen und verändern, wenn eine Idee Sinn macht. So entstand Zappos Adaptive".

Tommy Hilfiger verdient Jamils Lob dafür, sich auf den Markt vorgewagt zu haben, aber sie verurteilt die Branche insgesamt als peinlich. Es scheint eine schlechte Strategie zu sein, weiterhin eine solche Gelegenheit zu verpassen, Geschäfte zu machen, während rundherum Marken geschlossen werden. Zusammen mit dem bereits erwähnten Mangel an Designtalenten weist Jamil auch auf das nach wie vor bestehende Problem des Elitismus am oberen Ende der Modewelt hin. „Das Wort 'exklusiv' sollte nicht positiv besetzt sein. Exklusivität ist keine Macht, es ist Dummheit", sagt sie, „Sie schließen Kunden aus – und Geld".

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Bild: Brad Swonetz, Styling Stephanie Thomas für Zappos Adaptive

ADAPTIVE WEAR
DIVERSITY
Inklusion
TOMMY HILFIGER
Zappos Adaptive