African Fashion Serie – Teil 4: Merci Me

Fashion Entrepreneur Beatrace Angut Oola organisierte mehrere Jahre lang den Africa Fashion Day Berlin während der Berliner Modewochen. Zeitgenössisches Modedesign aus Afrika und der Diaspora wurde seitdem salonfähig. Heute ist sie Inhaberin der Kreative Agentur APYA Productions mit Sitz in Hamburg. Die Agentur hat sich im gehobenen Fashion- & Lifestyle-Segment spezialisiert, sie ist global vernetzt und international in der Modeindustrie beratend tätig. Ihre Botschaft: Afrika hat mehr zu bieten, als Baumwollanbau und Ethnoprints. Für die Serie ‚African Fashion’ beriet sie FashionUnited, fünf Designer mit afrikanischer Herkunft auszuwählen, deren Design reif für das internationale Parkett ist. In der vierten Folge: Mercy Ogole aus Uganda mit ihrem Label Merci Me.

Wie kamst du zur Mode und wann hast Du Dein eigenes Label gelauncht?

Ich glaube ich hatte immer ein Interesse an Mode, schon von klein auf. Meine Mutter erzählt gerne, dass ich manchmal drei Outfitwechsel am Tag verlangte und mich weigerte, Hosen zu tragen. Herauskristallisiert hat es sich für mich aber erst, als meine Schwester begann, Modedesign zu studieren und ich saß, wie eine Idee zu einem Kleidungsstück wird. Das faszinierte mich vor allem deshalb, weil ich es hasste, so angezogen zu sein wie alle anderen.

Ich studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität – weil es für meine akademisch orientierte Familie ein glaubhaftes Fach war, aber nebenher entwarf ich immer und heimlich sehnte ich mich danach, in der Mode zu arbeiten. Als ich mit dem Studium fertig war, wurde mir klar, dass ich diesen Traum erfüllen musste oder eines Tages bereuen würde, es nicht getan zu haben. So kam es, dass ich 2013 Merci Me ins Leben rief.

African Fashion Serie – Teil 4: Merci Me

Wie beeinflusst Dich Dein kultureller Background?

Ich bin aus Uganda, in Ostafrika. Wir sind nicht das modisch auffälligste Volk, aber es gibt sicher eine starke kulturelle Forderung, sich schön zu machen, gut darzustellen und gute Manieren an den Tag zu legen. In fast allen afrikanischen Ländern sind es besondere Anlässe, die das beste Outfit erfordern und dabei wird besonderer Wert auf Details gelegt. Dieses kulturelle Erbe hat auch Eingang in meinen Designprozess gefunden.

Ein weiterer, eindeutiger Einfluss zeigte sich in meiner letzten Frühjahr/Sommer Kollektion mit dem Titel ‚Tribe’. Ich entschloss mich in dieser Kollektion dazu, auf Reißverschlüsse zu verzichten. Alles war entweder drapiert oder geknotet. Dieses Konzept ging auf meine Stammeswurzeln zurück. Unsere typischen Gewänder sind geknotet. Ich dachte mir, dass das eine spannende Herangehensweise sein könnte, die mittlerweile zu meinem Erkennungsmerkmal geworden ist. Ich benutze keine Verschlussvarianten, die es nicht auch in meinem Dorf gibt.

African Fashion Serie – Teil 4: Merci Me

Gibt es viele Vorurteile gegenüber afrikanischer Mode? Was entgegnest Du auf sie?

Ich glaube, es gibt verschiedene Ideen von und Erwartungen an afrikanische Mode, die sich insbesondere auf die Ästhetik beziehen. Besonders deshalb, weil Afrika zum großen Teil nomadische Züge aufweist und es eine starke gegenseitige Befruchtung der Kulturen und der Art sich zu kleiden vorweist. Das resultiert darin, dass Außenstehende verschiedene Kulturen als homogen wahrnehmen und daher ihre Erwartungen an afrikanisches Design immer gleich ausfallen. Eine weitere Sache, die es zu bedenken gilt, ist, dass die internationale afrikanische Modelandschaft lange Zeit nahezu nicht exisiterte. Sie steckt in den Kinderschuhen und hat viel Wachstumspotenzial. Ich denke, es liegt daran, dass viele glauben, afrikanische Mode sei technologisch nicht fortgeschritten und nicht bereit für den Weltmarkt. Das sind tatsächlich Vorurteile, die aber nicht stimmen.

Was ist Deine Brandphilosophie?

Die Philosophie hinter Merci Me ist ziemlich simpel: Ich sehe Mode als Ausdrucksform. Sie kommuniziert mit der Welt. Wir wollen Kleidung schaffen, die es Frauen erlaubt, sich schön und selbstbewusst zu fühlen. Deswegen ist unser Motto: ‘Fashion as an expression. We make clothes for women to make statements before they speak’

African Fashion Serie – Teil 4: Merci Me

Wie viele Verkaufspunkte hat ZAAF aktuell und gibt es das Label auch in Deutschland zu kaufen?

Wir sind momentan mit zwei Verkaufspunkten in London vertreten, bei ‚Wolf and Badger’ und bei ‚MK2UK’. Außerdem gibt es Merci Me online unter www.mercime.co.uk und bei www.notjustalabel.com . Wir liefern international, also kann man Merci Me auch von Deutschland aus bestellen.

Wo fertigt Merci Me?

Alles wird komplett in England hergestellt. Die Materialien sind lokal gesourced und wir präferieren Stoffe aus UK.

Wo zeigt Ihr Eure Kollektionen?

Derzeit sind wir bei keinen Shows oder Messen vertreten. Wir sind ein kleines Label und glauben an den direkten Kontakt und Beziehungspflege zu unseren Einkäufern.

African Fashion Serie – Teil 4: Merci Me

Wer ist Eure ideale Kundin?

Unsere ideale Kundin schätzt Mode und investiert in ihren Style. Sie bevorzugt Qualität vor Quantität. Sie kuratiert ihre Garderobe, indem sie unabhängige Designer aufsucht und sich nicht von anderen beeinflussen lässt. Sie hat keine Angst vor der Meinung Anderer oder davor, etwas Neues auszuprobieren.

Was sind die nächsten Schritte für Dein Label?

Das Ziel mit Merci Me ist es mehr Multichannel-Business aufzubauen, sowohl Online, als auch stationär und das national und international. Wir wollen unsere Marktpräsenz erhöhen und unser Produktportfolio erweitern. Außerdem wünschen wir uns mehr Unterstützung aus der Industrie und neue Brand Ambassadors.

Sie wollen mehr afrikanische Modedesigner aus unserer Serie kennenlernen?

Klicken Sie hier für Teil 1 der African Fashion Serie: Studio1981

Klicken Sie hier für Teil 2 der African Fashion Serie: Susana Traça

Klicken Sie hier für Teil 3 der African Fashion Serie: ZAAF

Fotos: S/S16 Kollektion von Merci Me

 

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