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Altaroma: Von Rom lernen

Rom hat sicherlich den deutschen Modestandorten einiges voraus: Zu nennen wären da Erfahrung (Stichwort ‚Ewige Stadt’), cineastische Schauplätze wie die Fontana Di Trevi und generell eine gewisse modische Grandezza, die in Deutschland einfach fehl am Platze wäre. Aber: Rom ist auch eine Stadt, die mit ihrem modischen Niedergang zu kämpfen hat, weil Mailand ihr den Rang abgelaufen hat. Deshalb setzen die Römer auf neue Talente und fördern diese ordentlich. Das, plus eine generelle Hochachtung vor der Mode, kann Deutschland sich durchaus von Rom abschauen. FashionUnited war auf der AltaRoma, Italiens Haute Couture-Modewoche, und hat sich dort umgesehen.

Altamoda: Respekt vor der Hohen Mode

Rom war das Epizentrum italienischen Glamours, lange bevor Mailand oder Florenz etwas zu sagen hatten. Ikonische Kinofilme aus dem goldenen Zeitalter italienischen Cinemas bezeugen dies bis heute. Geblieben ist davon vor allem der Respekt vor der Mode und dem Kreativschaffenden. Römische Modehäuser wie Fendi, die ihre Couture Show vergangenes Jahr, anlässlich des 90-jährigen Bestehens des Hauses, auf der Fontana di Trevi zeigten, setzen sich aktiv für den Modestandort Rom ein. Antonio Grimaldi kehrte kürzlich nach Rom zurück und zeigte im exquisiten Setting des Palazzo Besso, das als sein neues Atelier dient, seine Alta Moda. Das Modehaus Valentino begann seine Karriere in den 1960ern ebenfalls in Rom, ebenso wie Laura Biagiotti, Bulgari oder Giambatista Valli.

Altaroma: Von Rom lernen

Nachwuchsförderung auf der Altaroma

Vogue Italias "Who Is On Next" ist ein Nachwuchswettbewerb, der den kreativen Nachwuchs Italiens fördert. Insgesamt zwölf Finalisten kämpften dort in diesem Jahr um den prestigeträchtigen Preis: Act N°1, Cora, Davide Grillo, Marco Rambaldi, Minimal To und Taller Marmo in der Kategorie Ready-to-Wear sowie Amanti, Andrea Mondin, Damiano Marini, Marco Proietti, NicoGiani und Roberto Di Stefano bei Accessoires. Die Kreationen sind allesamt ‚Made-in-Italy’, orientieren sich aber am internationalen Markt.

Die Jury liest sich wie ein Who is Who, nicht nur der italienischen Mode: Allen voran steht Roms Mode-Patronin Nummer eins, Silvia Venturini Fendi, weitere Jurymitglieder sind Emanuele Farneti (Vogue Italia), Laura Lusuardi (Max Mara Group), Riccardo Vannetti (Pitti Immagine), Jessica Diehl (Vanity Fair Us), Dan Thawley (A Magazine Curated By), Chioma Nnadi (Vogue USA), Sara Sozzani Maino (Vogue Italia), Luke Leitch (Editor At Large Vogue Italia & Style Editor 1843 Magazine – The Economist), Suzy Menkes (Vogue International) und Pierpaolo Piccioli (Valentino).

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Die begehrten Preise nehmen am Ende des Abends Act No.1 im Bereich Ready-to-Wear und im Bereich Accessoires Niccolò Gianinni mit seinem Taschenlabel Nico Giani sowie das Schuhlabel Andrea Mondin mit nach Hause. Dass der Preis internationale Karrieren ins Rollen bringt, beweisen ehemalige Teilnehmer des Wettbewerbs wie Marco de Vincenzo, Aquilano Rimondi, Stella Jean, Paula Cademartori, Nicholas Kirkwood oder Max Kibardin.

Ehemalige des WION-Preises finden sich auch unter den Teilnehmern der AltaRoma, zum Beispiel Erkan Coruh (Gewinner 2010), Greta Boldini (Finalist 2013), Moi Multiple (Finalist 2009), Morfosis (Finalist 2008) oder Soocha (Finalist 2012).

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Dies ist allerdings bei weitem nicht die einzige, auf Nachwuchsförderung ausgerichtete, Show der Altaroma. Gefühlt der Großteil des Schauenplans besteht aus Modeschulen. So zeigen dort Studenten der Accademia Costume & Moda, der Accademia Altieri, der Accademia di Belle Arti di Frosinone, der Accademia di Belle Arti di Napoli, der Accademia Italiana, der Accademia Koefia, der Accademia Moda Maiani, IED - Istituto Europeo di Design und der Scuola di Moda Ida Ferri (die ihr 90. Jubiläum feierte) ihre Kreationen.

Unter dem Stichwort “Portfolio Review”dürfen Studierende ihre Mappen Sara Sozzani Maino, Vice-Director Vogue Italia und Head of Vogue Talents sowie Simonetta Gianfelici, Talent Scout des “Who Is On Next?”-Awards präsentieren.

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Hommage an Franca Sozzani

Zu verdanken ist diese starke Ausrichtung auf junge Talente insbesondere auch der 2016 verstorbenen Franca Sozzani, deren besonderes Anliegen stets die Förderung des Nachwuchses war. Am Eröffnungstag der Altaroma wurde deshalb auch der Dokumentarfilm “Franca: Chaos and Creation” von Francesco Carrozzini aufgeführt. In Ihrem Gedenken wurde von Vogue Italia, der Camera Nazionale della Moda und der Pitti Imagine auch der Franca Sozzani-Preis ins Leben gerufen, der es dem Gewinner des ‚Who is On Next?’ Preises ermöglichen soll, im September auf der Milano Moda Donna seine Ready-to-Wear Kollektion zu präsentieren.

Romans Romance – Talk zwischen Dan Thawley und Giambattista Valli

Rom als Kreativstandort ist, wie eingangs erwähnt, eher auf dem absteigenden Ast. Dies bestätigte auch Giambattista Valli, der in einem Gespräch unter dem Titel “Roman’s Romance” im Auditorium of MAXXI auf Another Magazine-Gründer Dan Thawley traf. Die beiden sprachen über die Schönheit Roms und die Gefahren, die sie birgt: „Als Römer sind wir sehr verwöhnt. Wir sind so an Schönheit gewöhnt, dass wir sie gar nicht mehr sehen. Das, was Federico Fellini so meisterhaft eingefangen hat: Rom ist Cinecittá. Das Problem an Rom ist, dass man sich in dieser Sicherheit und Schönheit schlafen legen kann. Dann bekommt man keine neuen Eindrücke mehr“, sagte Valli über seine Heimatstadt, die er 1995 nach Positionen bei Capucci und Fendi in Richtung Mailand und schließlich Paris verließ.

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Auf die Frage hin, wie sich Rom von Mailand unterscheide, sagte er: „Rom ist ein Traum. Mailand ist für mich mehr die Kunst des Handwerks. Das soll keine Beleidigung sein, ich meine das im guten Sinne.“

In der anschließenden Fragerunde wollte ein junger Student wissen, ob er ihm raten würde, in Rom zu bleiben, oder ins Ausland zu gehen, um Erfolg zu haben. Vallis Antwort war dann eine ehrliche: „Ich bin der Meinung, es ist egal, wo man anfängt, wenn man eine Vision hat. Die heutige Jugend hat es so einfach, sich Inspiration zu holen, alles ist im Smartphone, im Internet zum Greifen nahe. Dennoch sehe ich wenig wirkliche kreative Vision. Glaube an dich und Deine Vision, dann kannst du es überall schaffen.“

Fotos: Altaroma