Altkleider: Das große Geschäft mit der Wohltätigkeit

Die Affinität der Verbraucher zu neuen Dingen ist der Antrieb der deutschen Wirtschaft. Gebrauchte Waren, die eigentlich noch voll funktionsfähig und makellos sind, werden deshalb oft vorzeitig ausgemustert und entsorgt. Neben technologischen Produkten sind dies vor allem Textilien und Schuhe. Gerade in der Mode wird vieles entsorgt, was noch fast neuwertig ist, aber eben „last Season“.

Die meisten ausgemusterten Textilien landen in der Altkleidersammlung. Entweder sie werden von paritätischen Einrichtungen wie dem Roten Kreuz, den Johannitern oder der örtlichen Jugendfeuerwehr direkt beim Verbraucher abgeholt oder in dafür vorgesehenen Sammelcontainern entsorgt. Doch was passiert danach mit den Teilen? Nach Angaben des Verbandes Fairwertung, in dem sich die gemeinnützigen Kleidersammler zusammengeschlossen haben, wird damit oftmals Geld verdient. Viel Geld.

„Angesichts der Mengen an gebrauchten Textilien ist es zunächst mal unrealistisch anzunehmen, dass alle Spenden an Bedürftige weitergegeben werden können“, so Thomas Ahlmann, Sprecher des Verbandes Fairwertung. Die Spenden überstiegen den Bedarf in Deutschland um ein Vielfaches - auch wenn man die Flüchtlingshilfe mit einbeziehe. Sowohl gemeinnützige als auch gewerbliche Sammler verkaufen die Altkleider daher in der Regel ungeöffnet an Textilsortierbetriebe.

Die so erzielten Einnahmen werden sehr unterschiedlich eingesetzt. Gemeinnützige Organisationen stecken die Erlöse laut Ahlmann in ihre soziale Arbeit. So gibt das Deutsche Rote Kreuz etwa an, 2013 allein 13,5 Millionen Euro durch den Verkauf gebrauchter Kleidung erzielt zu haben. Das Geld sei unter anderem in die Altenhilfe oder den Katastrophenschutz geflossen.

Bundesweit 10.000 illegale Container vermutet

Marktkenner schätzen, dass in Deutschland insgesamt etwa 600 bis 800 Millionen Euro Umsatz pro Jahr mit gebrauchten Textilien gemacht werden. Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat den jährlichen Gewinn pro Altkleidercontainer vor einigen Jahren auf lukrative 5000 Euro beziffert. In der Branche gilt diese Summe aber heute als unrealistisch. Unter dem Strich blieben 1000 bis höchstens 2000 Euro übrig, heißt es.

Kein Wunder also, dass der Altkleidermarkt in Deutschland hart umkämpft ist. Neben den gemeinnützigen Sammlern haben sich hier anscheinend mittlerweile geradezu mafiöse Strukturen gebildet, die mit allen Mitteln versuchen, sich ein großes Stück des Kuchens zu sichern. So tauchen in Städten und Gemeinden seit Jahren an Straßenecken oder auf Parkplätzen immer wieder illegal aufgestellte Kleidercontainer auf - versehen mit dem Aufruf zur Spende für Menschen in Not. Die Besitzer sind jedoch selten ausfindig zu machen. „Wir schätzen, dass es bundesweit über 10.000 nicht genehmigte Container gibt, so Ahlmann.

Dubiose Firmen gingen nicht nur ohne die nötige Sondernutzungserlaubnis der Straßenbehörden ans Werk, sie zeigten ihre Sammlung auch nicht bei der zuständigen Abfallbehörde an und könnten auch nicht nachweisen, dass sie die Textilien ordnungsgemäß und schadlos verwerten, so der Berliner Rechtsanwalt Frank Wenzel, Spezialist für Abfallrecht, gegenüber der DPA. Dafür machen sie den örtlichen Behörden Arbeit und Ärger, gerade in Großstädten. So mussten 2015 allein im Berliner Bezirk Mitte 65 unerlaubt aufgestellte Container durch eine beauftragte Firma geräumt werden. Auch der Bezirk Lichtenberg hat in den vergangenen vier Jahren mehr als 200 Behälter entfernt und 107 Verfahren wegen illegal aufgestellter Container eingeleitet.

Die Besitzer dieser Container fechten die Ordnungsverfügungen der Kommunen nicht selten vor Gericht an. Wenzel schätzt die Zahl der zuletzt laufenden Prozesse zwischen privaten Entsorgern und Behörden auf etwa 100. In vielen Fällen sind die Antragsteller den Richtern bekannt, da sie bereits mehrfach gegen Straßenrecht verstoßen haben und die korrekte Verwertung der Kleidung nicht nachweisen konnten.

Foto: Thomas Max Müller / pixelio.de

 

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