Asiatische Mode-Community wehrt sich gegen den Rassismus der Branche

Anfang April postete Michel Gaubert, ein bekannter französischer DJ mit einer 30-jährigen Karriere als Produzent von Laufstegen für Luxusmarken wie Chanel, Dior und Valentino, ein Video auf Instagram, das für einen Aufschrei der asiatischen Community sorgte. Darin ist er mit sieben weiteren Dinner-Gästen zu sehen, die Papiermasken mit stiliserten asiatisch aussehenden Augen trugen und die Worte „Wuhan girl, wahoo!“ skandierten.

Die Reaktion auf den offensichtlichen Rassismus der Gruppe um Gaubert folgte schnell, und er hat seitdem zwei verschiedene Entschuldigungserklärungen in den sozialen Medien veröffentlicht. Dieser Affront eines wichtigen Akteurs der Modewelt gegen die asiatische Community brachte viele ihrer prominenten Mitglieder dazu, sich zu fragen, wie diese Bilder mit dem Mann übereinstimmen können, den sie zu kennen glaubten.

„Es war mehr als Wut, vor allem war es eine überwältigende Enttäuschung und Traurigkeit, die ich fühlte. Es ist eine Industrie, Teil derer zu sein ich stolz war. Stolz darauf, einen Platz in ihr gefunden zu haben“, schrieb Influencerin Susie Lau auf Instagram. „Die betreffende Person ist jemand, den ich respektiere und interviewt habe, jemand, der tief mit den mächtigsten Modehäusern der Welt verbunden ist.“

Weitere hochkarätige Influencer wie Bryanboy, der regelmäßig mit Luxusmarken zusammenarbeitet und Filipino ist, das Model Chu Wong und das schlechte Gewissen der Branche auf Instagram, Diet Prada, dessen Mitbegründer Tony Liu asiatischer Amerikaner ist, drückten ebenfalls ihre Ungläubigkeit darüber aus, was im Wesentlichen als eine asiatische Version von Blackface angesehen wird – und das zu einer Zeit, in der nicht nur die USA einen Anstieg der Gewalt gegen Asiaten erleben.

Der in Nepal geborene Designer Prabal Gurung ist US-Staatsbürger. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem CFDA Swarovski Award for Womenswear, und er hat einen treuen Stamm prominenter Kundschaft, zu dem auch Michelle Obama gehört. In einem Gespräch mit Vanessa Friedman von der New York Times am 31. März beschrieb er, wie eine Investition scheiterte, als der Mann mit dem Geld Gurungs amerikanische Identität [Americanness] in Frage stellte. „Ich bin seit zwanzig Jahren in den USA, ich stelle 90 Prozent meiner Kollektion in New York her, ich engagiere mich für soziale Zwecke, ich zahle meine Steuern. Es ist immer noch nicht genug.“

Marginalisierte Gemeinschaften vereinen sich gegen Rassismus

Gurung beschrieb, wie frühere Generationen von Einwanderern, die dem Ruf des amerikanischen Traums gefolgt waren, in ein Regime von Anti-Schwarzsein indoktriniert wurden, das die heutige Generation ablehnt. Im Gegensatz zu vielen seiner Altersgenossen, die aus der Stadt flohen, blieb er während der Pandemie in New York, in dem Bewusstsein, dass mit den Black-Lives-Matter-Protesten etwas Weitreichendes passiert. „Ich kann Teil einer Revolution sein“, sagte er. Letzten Monat bildete Gurung zusammen mit seinen Designerkollegen Philip Lim und Dao-Yi Chow vom Modelabel Public School eine Koalition, um den Black and Asian Solidarity March zu organisieren, an dem Schwarze, Asiaten, Latinos, Weiße und LGBTQ-Communities in unerwarteter Zahl teilnahmen. Er hat erkannt, dass wirkliche Veränderung nur dann stattfinden wird, wenn alle marginalisierten Gruppen mit weißen Verbündeten zusammenstehen, um die Stimmen der Ungehörten zu verstärken.

Bis zum Jahr 2025 soll laut Vogue Business der Anteil Asiens am Luxusmarkt 54 Prozent des Weltmarktes ausmachen, verglichen mit einem Rückgang von 22 Prozent für Europa und 24 Prozent für Amerika. Gurung merkte an, dass die globalen Luxusmarken, und insbesondere die mächtigen europäischen Konglomerate, nur langsam gegen die Hassverbrechen an Asiaten vorgehen und zu faul sind, die Nuancen zwischen verschiedenen asiatischen Ländern zu verstehen, obwohl sie hungrig nach dem „Konsumenten-Checkpot“ sind.

Der Tokenism der Modeindustrie betrifft auch asiatische Designer

Nach Angaben der L.A. Times identifizieren sich 48 der 477 Mitglieder des US-amerikanischen Modeverbands CFDA als Asiaten. Das Gefühl, von der Industrie unglaublich unterstützt zu werden und gleichzeitig als Alibi zu gelten, ist die Realität für jemanden wie Gurung, der Teil einer erfolgreichen Welle von asiatischen Designern in der modernen amerikanischen Mode ist. „Aber es gibt nie eine Welle von weißen Designern„“, sagte er zu Friedman, bevor er die blinden Flecken der Branche ansprach: „Implizite Voreingenommenheit, Dinge, die wir für schick halten, woher kommen sie? Es ist eine sehr eurozentrische Sichtweise.“

Gurung sagte außerdem, er weigere sich, Menschen abzustempeln, und begrüße die Gelegenheit, schwierige Gespräche zu führen, die dann zu Lösungen führen könnten. „Wir wissen, wie viel Macht unsere Branche hat“, sagte er. „Zweimal im Jahr können wir in zehn Minuten das Narrativ ändern.“

Nach Gauberts Fauxpas wurde genau eine dieser Konversationen von Susie Lau auf Instagram ins Rollen gebracht. Und die Fragen, die sie aufgeworfen hat, lassen sich wahrscheinlich nicht in zehn Minuten oder durch Laufstegpräsentationen alleine lösen. „Ihr wisst nicht, was die Leute WIRKLICH denken“, schrieb Lau. „Sie lächeln. Sie sagen, dass sie das, was du tust, lieben. Sehen sie dich WIRKLICH? Oder bin ich, zusammen mit den vielen Asiaten, die in dieser Branche arbeiten, nur ein weiteres schlitzäugiges, leeres Gesicht – austauschbar, wegwerfbar, unbedeutend. Wie diese Masken.“

Dies ist eine Übersetzung eines englischen Beitrags von Jackie Mallon. Jackie Mallon lehrt Mode in New York und ist die Autorin des Buches ‚Silk for the Feed Dogs’, ein Roman, der in der internationalen Modeindustrie spielt. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Foto Susie Lau von Susie Bubble, Wikimedia Commons

 

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