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Asos erste zirkuläre Kollektion - Schein oder Sein?

Von Simone Preuss

1. Okt. 2020

Mode |KOMMENTAR

Nach zwei Jahren Arbeit, die mit dem Copenhagen Fashion Summit 2018 begann, hat der britische Online-Modehändler Asos am Montag seine erste Kreislauf-Kollektion in Zusammenarbeit mit dem Centre for Sustainable Fashion herausgebracht. Trendbestimmt will die 29-teilige „Circular Collection“ mit dem Vorurteil aufräumen, dass zirkuläre und nachhaltige Kleidung nicht modisch sein kann.

Damit umgeht Asos die viel dringendere Frage, wie ein auf Volumen ausgelegtes Fast Fashion-Unternehmen wie Asos überhaupt jemals nachhaltig sein kann, wenn es Teil des Problems ist, nämlich Massenware produziert und so ein ungesundes Konsumverhalten anregt. Ob man eine 29-teilige Kollektion davon wiederverwerten kann, hat dann ungefähr so viel Einfluss, als wenn man „ein Pflaster auf ein gebrochenes Bein klebt“, wie Sophie Benson vom Independent argumentiert.

Schlupfloch: Nur zwei zirkuläre Kriterien müssen eingehalten werden

Aber alles war nicht umsonst, auch wenn eine genauere Untersuchung von Asos’ Kreislaufverpflichtung zunächst ein großes Schlupflöcher enthüllt. So löblich es nämlich ist, dass das Unternehmen die drei Basisprinzipien der Zirkularität der Ellen MacArthur Foundation - Abfall und Umweltverschmutzung zu vermeiden, Produkte und Materialien im Umlauf zu halten und natürliche Systeme zu generieren - nicht nur einbezieht, sondern um acht interne ergänzt, so schade ist es, dass nur zwei Prinzipien angewendet werden müssen, damit ein Kleidungsstück als kreislauffähig gilt und in die „Circular Collection“ aufgenommen wird.

Denn die Prinzipien sind nicht als Buffet konzipiert, von dem man auswählen kann, sondern alle drei müssen konsequent und zusammen angewendet werden, um ein Kleidungsstück kreislauffähig zu machen. Ein Beispiel: Werden etwa Produkte und Materialien im Umlauf gehalten und natürliche Systeme generiert, ohne Abfall und Umweltverschmutzung zu vermeiden, dann ist der erzielte Effekt gering und es kann nicht von Zirkularität gesprochen werden.

Werden Abfall und Umweltverschmutzung vermieden und natürliche Systeme generiert, aber ohne Produkte und Materialien im Umlauf zu halten, dann bringt dies auch nicht viel. Und wenn Abfall und Umweltverschmutzung vermieden und die hergestellten Produkte und verwendeten Materialien im Umlauf gehalten werden, aber ohne natürliche Systeme zu generieren, dann kann auch nicht von einer Kreislaufwirtschaft gesprochen werden.

Asos eigene Kriterien machen Kollektion nicht kreislauffähiger

Dass Asos dann acht eigene Kriterien hinzufügt - Zero-Waste-Design, Abfallminimierung, Verwendung recycelter, dauerhafterer Materialien und nur ein Material pro Produkt zur leichteren Recycelbarkeit, Entwicklung von an Trends anpassbaren Produkten und Upcycling - macht kaum einen Unterschied, wenn die Grundprinzipien nicht alle eingehalten werden. Fazit: Nur weil eine Kollektion „circular“ heißt, bedeutet nicht, dass sie auch tatsächlich kreislauffähig ist.

Was nicht heißen soll, dass Asos’ Anstrengungen umsonst waren, denn wie Dilys Williams, Leiterin des Centre for Sustainable Fashion am London College of Fashion erklärt, hat die zweijährige Zusammenarbeit zu einem Umdenken von Design- und anderen Teams entlang der Asos-Lieferkette geführt: „Seit über zwei Jahren arbeiten wir eng mit Asos zusammen und haben durch offene und ehrliche Diskussionen und Engagement vertrauensvolle Beziehungen aufgebaut, um die Anerkennung von Werten in den Bereichen Kreativität, Umwelt, Soziales, Kultur und Wirtschaft auszuweiten. An dem Projekt waren alle beteiligt - von Kreativdirektoren bis hin zu Design-, Einkaufs- und Beschaffungs- Teams und Lieferanten.“

Hat ein langfristiges Umdenken stattgefunden?

Entsprechend resümiert Williams: „Das gemeinsam mit Asos’ Nachhaltigkeitsteam entwickelte Forschungs- und Bildungsprogramm des CSF hat Kulturen und Praktiken der Nachhaltigkeit gefördert, die zu einem lebenswichtigen Wandel beitragen können. Designer streben per Definition danach, materielle Fähigkeiten und Ressourcen in ästhetischer und praktischer Hinsicht in einen größeren Wert zu verwandeln. Was dies beinhaltet, hängt davon ab, was als wertvoll anerkannt wird. Die Zukunft der Branche hängt von der Zusammenarbeit ab - von Forschern, Pädagogen und Modefachleuten, die zusammenarbeiten, um das erforderliche Tempo und Ausmaß des Wandels zu erreichen“, so Williams.

Dem kann man nur zustimmen, aber ob ein langfristiges Umdenken tatsächlich stattgefunden hat, das irgendwann Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten. Schenkt man den Worten von Asos-Designchefin Vanessa Spence Glauben, dann hat sich sowohl intern etwas getan und das Unternehmen arbeitet inzwischen auch extern eng mit seinen Lieferanten zusammen, um die eigenen Kreislaufwirtschaftsprinzipien durchzusetzen.

„Da nun alle unsere Designer in den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft geschult sind und unsere erste Kreislauf-Kollektion vor der Tür steht, sind wir gespannt, wie wir dieses Projekt vorantreiben und unsere Größe und unseren Umfang nutzen können, um unser Fachwissen mit unseren Lieferanten, aber auch mit anderen Marken und Einzelhändlern zu teilen“.

Jedes der 29 Teile der Kollektion, die aus Kleidung und Accessoires in übergroßen Styles und 90er-Jahre-Drucken in Braun-, Lila- und neutralen Tönen besteht, hat zudem einen QR-Code, über den mehr über Asos’ Prinzipien zur Kreislaufwirtschaft und den Produktionsprozess des jeweiligen Kleidungsstücks erfahren werden kann. Bleibt zu hoffen, dass, wenn Asos als Fast Fashion-Anbieter mit diesen Informationen vorangeht, Verbraucher sowie Branche sich davon inspirieren lassen.

Fotos: Asos