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Bericht: Wie russisches Öl mit westlicher Mode verknüpft ist

Von Don-Alvin Adegeest

9. Nov. 2022

Mode

Bild: Changing Markets Foundation

Ein neuer Bericht stellt eine Verbindung zwischen russischem Öl und der Kleidung her, die von weltweit führenden Einzelhandelsunternehmen und Marken trotz der geltenden globalen Sanktionen mit versteckten Lieferketten und Tier-3-Fertigungsverträgen hergestellt wird.

Von den vielen Marken, die sich aus dem russischen Markt zurückgezogen oder ihre Verkäufe pausiert haben, gibt es reichlich Beweise dafür, dass einige Kollektionen mit russischem Öl hergestellt werden, um Produkte auf Polyesterbasis zu produzieren.

Daten aus dem Bericht der Changing Markets Foundation (CMF) „Dressed to Kill: Fashion brands' hidden links to Russian oil in a time of war“ deckt die versteckten Verbindungen in der Lieferkette zwischen großen globalen Modemarken und Einzelhandelsunternehmen und russischem Öl auf, das zur Herstellung synthetischer Kleidung verwendet wird. Die Untersuchung konzentriert sich auf zwei der größten Polyesterhersteller der Welt, Reliance Industries in Indien und die chinesische Hengli Group.

„Wir haben Beweise dafür gefunden, dass Russland zum größten Öllieferanten für Reliance Industries und dessen Polyesterproduktion geworden ist, und dafür, dass die Hengli Group ebenfalls russisches Öl für die Herstellung ihrer Produkte auf Polyesterbasis kauft. Polyester von beiden Unternehmen wird dann an Bekleidungshersteller in der ganzen Welt verkauft, die wiederum Kleidung für viele der größten Marken der Welt herstellen“, heißt es im Bericht.

Ein weiterer Bericht der Changing Markets Foundation von 2021, „Synthetic Anonymous“, enthüllte, dass die meisten Modemarken sich weigern, ihr Fast-Fashion-Geschäftsmodell aufzugeben, das auf billigen synthetischen Materialien basiert, die aus Erdöl und Erdgas hergestellt werden, und stattdessen ihre Kollektionen durch Schnellschüsse wie die Verwendung von Polyester aus recycelten Plastikflaschen grün waschen.

Wie der Bericht russisches Öl mit westlichen Kleiderschränken in Verbindung bringt

Anhand der Rückverfolgungen von Lieferungen und Listen von Lieferbetrieben, die von Marken veröffentlicht wurden, konnte die CMF die Lieferketten zahlreicher globaler Marken zu Reliance Industries und der Hengli-Gruppe aufschlüsseln. Während nur eine Handvoll Marken ihre Lieferkette so offenlegt, dass direkte Verbindungen zu Hengli oder Reliance hergestellt werden können, sind viele Marken, die in diese Untersuchung einbezogen wurden, weniger transparent.

Die Untersuchung brachte 78 Prozent der befragten Marken und Muttergesellschaften direkt oder indirekt mit den herstellenden Betrieben in Verbindung, was zeigt, wie weit sich Kleidung auf Polyesterbasis in der globalen Modeindustrie verbreiten kann. Zu diesen Unternehmen gehören H&M, Adidas, PVH, Asos, Next, Inditex, Boohoo, Zalando, Nike, Uniqlo, G-Star, Benetton, Columbia, VF Corp, Marks & Spencer und eine lange Liste anderer Einzelhandelsunternehmen und Marken.

Bild: Changing Markets

Polyester ist die am häufigsten verwendete Faser der Modebranche

Polyester macht mehr als die Hälfte aller produzierten Textilien aus und ist zur treibenden Kraft hinter dem heutigen Fast-Fashion-Modell geworden. Die Menschen sind sich zwar der allgegenwärtigen Plastikverschmutzung und der Umweltprobleme im Zusammenhang mit Plastikverpackungen wie Plastikflaschen bewusst, aber nur wenige wissen, dass dasselbe Produkt auch in unserer Kleidung vorkommt, praktisch nicht recycelbar ist, ein erhebliches Abfallproblem verursacht und den Körper und die Natur mit Plastikmikrofasern belastet.

Anstieg der russischen Ölexporte

Während der Westen seine Ölimporte aus Russland gedrosselt hat, sind die Importe Indiens und Chinas sprunghaft angestiegen. Die Daten zeigen, dass zwischen August 2021 und Februar 2022 der monatliche Durchschnittswert der gelieferten Importe von russischem Öl durch Reliance 67,4 Millionen Euro betrug und sich ab April 2022 auf 663,5 Millionen Euro pro Monat fast verzehnfachte.

Marken sind undurchsichtig, was ihre Lieferketten für synthetische Stoffe angeht, und legen die Herkunft der petrochemischen Produkte ihrer Kollektionen nicht offen. Die selektive Berichterstattung zeigt auch einen besorgniserregenden Mangel an Transparenz in der Lieferkette von 39 der 50 untersuchten Modeunternehmen, die mit herstellenden Betrieben verbunden sind, die russisches Öl verwenden.

Kleidung mit Kohle als Ursprung

Trotz der Rhetorik der Modeindustrie in Bezug auf die Dekarbonisierung zeigt die im Herbst 2022 durchgeführte Umfrage der Changing Markets Foundations, dass viele prominente globale Marken noch keine kohärente Haltung gegenüber der Beschaffung von Zulieferbetrieben eingenommen haben, die Kohle zur Herstellung von synthetischen Stoffen wie Polyester verwenden, oder dies für die Zukunft planen. Dies ist höchst besorgniserregend, da die Untersuchung ergab, dass mindestens 32 Bekleidungsunternehmen Gefahr laufen, in naher Zukunft Kleidung aus Kohle zu produzieren.

Empfehlungen

Unternehmen sollten sich konkrete, messbare und zeitlich begrenzte Ziele setzen, um die Verwendung synthetischer Materialien zu reduzieren und sich vom nicht nachhaltigen Fast-Fashion-Modell zu verabschieden, wobei der schrittweise Ausstieg aus der Verwendung synthetischer Fasern in Kinderkleidung und Kollektionen für junge Mütter Vorrang haben sollte, da es immer mehr wissenschaftliche Belege dafür gibt, dass die Gesundheit von Kleinkindern am stärksten von der Verschmutzung durch Mikrofasern betroffen ist. Die Changing Markets Foundation fordert einen vollständigen Ausstieg aus der Verwendung von Kunstfasern mit den folgenden Meilensteinen: Verringerung des Einsatzes fossiler Brennstoffe in Materialien um 20 Prozent bis 2025 im Vergleich zum Basisjahr 2021 und um 50 Prozent bis 2030.

Quelle: Bericht der Changing Markets Foundations „Dressed to Kill: Fashion brands’ hidden links to Russian oil in a time of war“

Dieser übersetzte Artikel erschien ursprünglich auf FashionUnited.uk.

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